Früher war alles besser - Phrase oder Realität?

    • "Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
      Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen
      Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die
      jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten.
      Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft,
      verschlingen bei Tisch die Süssspeisen, legen die Beine übereinander und
      tyrannisieren ihre Lehrer."


      Ob das aber alles so stimmt ist auch so eine Frage.Es gab nun schon mehrere Umfragen unter Jugendliche aus den hervorgegangen ist das die Masse sehr wohl Respekt vor älteren Menschen hat und sich auch durchaus ein Kopf um den beruflichen Weg macht.Sogar die Raucher sollen unter den Jugendlichen immer weniger werden.

      Auch die Sache mit Luxus,das wird wohl weniger am Alter liegen,als viel mehr an der Persönlichkeit,ich kenne kaum ein der einem Luxusleben ablehnend gegenüberstehen,denn Luxus bedeutet eben Wohlstand und das auch weniger Existenzängste.

      Mit den Respekt muss man auch von beiden Seiten betrachten,es wird immer automatisch von ausgegangen,dass Kinder/Jugendliche automatisch Respekt vor Erwachsenen haben müssen.

      Wieso aber sollten die eine erwachsene Person mit Respekt begegnen wenn sie selbst keinen bekommen ? Ich würde mein Kinder kein Vorwurf machen wenn sie nun zu ein 80Jährigen Giftsack "Halt die Klappe !" sagen würden,wenn der lautstark rumbrüllt weil die Kinder zu laut sind.Respekt ist eben keine Einbahnstraße.Ich habe im Normalfall auch Respekt vor Polizisten,weil ich deren Arbeit zu schätzen weiß,bin auch dem entsprechend freundlich,wenn mir nun aber ein Beamter im Tonfall und der ganzen Art dumm kommt,sieht es aber anders aus.

      Bei den Satz mit den Lehrern muss ich grinsen,wenn ich da an meine damals denke.Wieso sollte ein Schüler vor Lehrern Respekt haben,die den Schüler vor der ganzen Klasse bloß stellen und mobben ? Ich habe es damals ein paar Jahre mitgemacht,bis meine Grenze erreicht war und ich mich lautstark erhoben habe,bei den betroffenen Lehrerin hieß es natürlich "respektlos" "unerzogen",vor einigen Schülern habe ich aber massig Lob bekommen das ich als 1. und Einziger mal den Mut hatte mich mal lautstark zu erheben und den Lehrern unverblümt meine Meinung zu sagen.Dafür habe ich mich auch nie entschuldigt und bin heute noch stolz drauf,war meine kleine Rebellion,die ich gemacht haben weil ich selbst mit 0 Respekt behandelt wurde.

      Das gleiche sage ich auch heute mein Neffen "Wenn dich ein Lehrer mobbt,sagst du das dein Onkel ! Dann komme ich in die Schule und trete den Lehrer in den Arsch !"
      Denke ich nun so zurück,ganz besonders in der Schulzeit habe ich viele Lehrer als absolut respektlos und selbstverliebt erlebt,allein schon weil viele Lehrer ja nach wie vor meinen sie haben IMMER Recht,selbst wenn man es in machen Fällen klar widerlegen kann.

      Dieses Bild von der asozialen,versiften Jugend die den ganzen Tag nur Mist baut ist ja meist ein Bild was durch RTl2 und Co.also Trash-TV verbreitet wird,geht es danach lieben es alle Jugendlichen in Hartz4 Familien zu leben und machen sich 0 Gedanken wenn sie ohne Schulabschluss von der Schule geworfen werden und jede Frau will Friseurin werden und jeder Mann Mechatroniker und auch im Sexualleben haben alle Jugendlichen fleißig Spaß miteinander ohne sich Gedanken über Verhütung zu machen,so das RTL Bild der Jugend.So sieht es wohl allerhöchstens im Ghetto aus,aber kaum unter der normalen Bevölkerung/Jugend.
    • Früher war alles besser - Phrase oder Realität?

      Realitit!

      Gewisse Sachen zumindest waren früher definitiv besser, ohne wenn und aber.

      Die Umwelt war wesentlich weniger zerstört, sie wurde weniger ausgebeutet. Es gab weniger Fabriken, die Giftgase produzieren, die durch Schornsteine in die Umwelt abziehen (trotz Filter kommt genug gesundheitschädlicher Dreck in die Aussenluft). Es gab keine Atomkraftwerke, die hochgehen hätten können. Es flogen wesentlich weniger Flugzeuge rum, die ihr Gift auf uns runterrieseln lassen (was alles runterkommt wird z.B. sichtbar auf Sandkasten-/Schwimmingpool-Planen).

      Es fuhren wesentlich weniger Autos rum weltweit. Was wir einatmen, ist inzw. nur noch zum Teil Sauerstoff, ein weiterer Teil der Atemluft (vlt. inzw. der Größere), besteht inzw. aus Abgasen "jeglicher" Art. Wir bemerken dies nur nicht, weil wir es gewöhnt sind. Kaum jemand denkt über all das nach.

      Es gab wesentlich weniger Giftstoffe die täglich zum Einsatz kamen (jene in der Atemluft, dann die in Nahrungsmitteln (früher konnte man giftige Spritzmittel noch vom Obst Gemüse abwaschen, heute geht das zum Großteil nicht mehr, weil die Giftstoffe dem Saatgut bereits beigegeben wurden, im Labor, und im "Inneren" des Obst/Gemüses sich befindet).

      Unsere Kleidung ist voll Gifte, die über unsere Haut in unseren Blutkreislauf gelangen (kaum einem ist das bewusst). Unsere Wohnräume sind zum Großteil vergiftet, Teppiche z.B. werden getränkt mit Pyrethroiden, höchste Nervengifte also, um Mottenfraß etc. vorzubeugen, Teilweise dampfen die Gifte in den Teppichen viele Jahre lang ab, in unseren Schaf- u. Wohn-räumen und Kinderzimmern. Jegliche Arten von Kunstmaterialien dampfen Gifte ab (KST-Gehäuse, Möbelstücke, Polster usw.). Früher gab es das alles nicht.

      In den 70/80ern waren es ca. 2000-4000 Giftstoffe die zum Einsatz kamen. Heute, also aktuell, sind es weit über 100.000 die im Einsatz sind, täglich wohlbemerkt. Und von den wenigsten sind die langfristigen Auswirkungen auf den Menschen bekannt.

      Früher gab es keine verschwenderische Wegwerfgesellschaft, ganz im Gegensatz zu heute (Rohstoffverschwendung bis zum geht nicht mehr heutzutage, somit Natur-Ausbeutung/Zerstörung/Rückgang).

      Früher gab es keine geplante Obsoleszenz (für mich persönlich was vom beklopptesten das es gibt, das sich der Mensch ausgedacht hat u. praktiziert) (auch hier total sinnlose Natur-Ausbeutung). Früher wurde noch alles kostengünstig repariert. Heute wird etwas wegen z.B. nur eines defekten Kondensators (50 Cent Teil, bei Druckern/TV-Geräten usw.) auf den Müll geworfen und ein neues Gerät angeschafft (die Rohstoffverschwendung und Naturausbeutung diesbezügl. juckt niemanden, es wird so getan, alles sei alles endlos vorhanden).

      Sterben. Früher geschah dies innerhalb der (Familien-)Gemeinschaft, nahezu jeder bekam es mit, war zudem mit integriert, an u.U. auch vorheriger notweniger Pflege (eines Kranken/Sterbenden). Heute ist Sterben, für die meisten Menschen, in einem Krankenhaus angesagt, vlt. im letzten Zimmer auf dem Gang, dass sich niemand anderes dadurch gar gestört fühlt. Führsorglichkeit beschränkt sich heutzutage nur noch auf medizinische Notwenigkeit somit. Oft haben die Angehörigen nicht mal Zeit für einen Besuch am Kranken/Sterbe-Bett, weil sie viel "Wichtigeres" zu tun haben.

      Die sogenannten Nutztiere für Ernährungszwecke, wurden NICHT - und wie heutzutage nahezu ja ausnahmslos der Fall - in Tier-KZs (so nenne ich das) gehalten, bis zu ihrer Abschlachtung (noch kranker geht es nicht!).

      Wer möchte, dass ihm richtig schlecht wird, und wem meine Aussage "Tier-KZ" eventl. zu krass/übertrieben erscheinen mag, dem empfehle ich die Doku "Earthlings" (bzw. "Erdlinge - Deutsche Synchro" [u.a. auf Youtube zu finden]). WARNUNG: die ist aber absolut nichts für zartbesaitete Gemüter!

      Ich könnte hier endlos Aufzählungen noch machen, was früher alles definitv besser war als heute. Nur bringt das nichts. Denn das ändert die Welt, dass Verhalten der Menschen, nicht. Eben sowenig wie es ein Bewusstsein erschafft, in den Köpfen der Menschen, sich gegenwärtig als auch zukünftig, besinnlicher, wichtiger noch sich "weiser" zu verhalten. Nur der allerkleinste Teil der Menschen, macht sich heutzutage noch Gedanken über die Zukunft - auch jener von nachfolgenden Generationen - und handelt dementsprechend verhaltensmäßig.

      Es gibt derzeit nur noch ca. 10% tropischen Regenwald weltweit (der die LUNGE unseres Planeten darstellt, wohlbemerkt). Es wird bereits vorausgesagt, dass es im Jahr 2050 noch 0% sein werden. Dafür sorgt die Holz-Profit-Mafia. Keine Lobby kommt dagegen an. Wer mag alleine in Anbetracht nur dieser einen Tatsache daran glauben, das "heutzutage" die Welt so in Ordnung ist wie früher, oder die Menschen darum bemüht sind, sie wenigstens (wieder) besser zu gestalten, sie zun HEILEN (von ihren bisherigen Wunden)? Ich tue dies nicht.

      Der allgemeine Zerstörungs-Wahnsinn der sich aktuell abspielt, basiert auf Egoismus und einer LMAA Einstellung gegenüber der Erde und den Mitmenschen/Mitgeschöpfen. Und er ist, zumindest meiner persönlichen Meinung nach, durch absolut nichts aufzuhalten/stoppen.

      Wir benötigen nicht einmal mehr Kriege heutzutage, um uns, in absehbarer Zeit schon, an den Rand des Aus zu katapultieren.

      Wozu existieren, wenn es rein gar nichts gibt wofür es sich zu leben lohnt?
      Wer kämpfen will, muss wissen wofür. Ich weiß es definitiv nicht.
      ~ALL WE ARE IS DUST IN THE WIND~
    • Night's Watch schrieb:

      Das gleiche sage ich auch heute mein Neffen "Wenn dich ein Lehrer mobbt,sagst du das dein Onkel ! Dann komme ich in die Schule und trete den Lehrer in den Arsch !"
      Denke ich nun so zurück,ganz besonders in der Schulzeit habe ich viele Lehrer als absolut respektlos und selbstverliebt erlebt,allein schon weil viele Lehrer ja nach wie vor meinen sie haben IMMER Recht,selbst wenn man es in machen Fällen klar widerlegen kann.
      edit by Crow:
      Lieber Nightwolf,
      Beleidigungen und persönliche Angriffe sind hier nicht erwünscht. Dies gilt auch für Deinen 17. (!) Doppelaccount.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von jawann ()

    • Früher war alles besser?
      Wenn man für den Begriff „früher“ eine Generation ansetzt, also vielleicht 25 oder 30 Jahre, waren viele in diesem Forum noch nicht geboren.
      Die Frage ist auch sehr weit gefasst ich versuche ein paar, zumindest mir, wichtige Punkte heraus zu greifen.

      Was früher eindeutig nicht so stark ausgeprägt war, ist dieser immense Leistungsdruck und Leistungswahn den es heute gibt.

      Alles ist schon vom Babyalter her durchgetaktet. Kita mit ein paar Monaten, am besten ganztags, damit auch wirklich beide Eltern Karriere machen können, später Kindergarten, der erste Versuch zur Gleichschaltung aller Kinder. Wer nicht der Norm entspricht, fällt dort schon unangenehm auf. Alle Kinder müssen im gleichen Alter auch wirklich exakt die gleichen Fähigkeiten haben, ruhige Kinder darf es nicht geben und wehe eines hat einen eigenen Willen...

      Dann Schule, in der 3. Klasse spätestens fängt der Druck mit dem bevorstehenden Übertritt ins Gymnasium oder Realschule an. Nachhilfe bereits in der Grundschule, Druck von den Eltern, die ihre Sprösslinge doch unbedingt aufs Gymnasium schicken möchten, obs Hirn reicht oder nicht, da doch die Kinder von allen guten Freunden auch dort sind, welche Blamage wäre das denn....
      Dann vielleicht G8, wenn die Eltern genug Kohle für die jahrelange Nachhilfe haben, man muss ja möglichst junge Menschen aufs Arbeitsleben loslassen....

      Wenn es dann immer mehr Jugendliche und junge Erwachsenen gibt, die psychische Probleme haben, geben sich alle völlig erstaunt und ahnungslos: „ ja wo kommt denn das jetzt her, unsere Jugend hat doch alles was sie braucht, erst Kita, Ganztagsbetreuung, Turboschule, Geld, Handy, Internet....“

      Im Arbeitsleben setzt sich diese ganze Entwicklung fort. In vielen Berufen geht die Hälfte der Zeit drauf zu dokumentieren, was man gearbeitet hat, anstatt Zeit für die eigentliche Arbeit zu finden. Ich finde unsere Jugend wird verheizt, gleichgeschaltet, auf Erfolg und Karriere getrimmt aber meistens von Menschen, die eine Generation früher aufgewachsen sind.... also war früher doch nicht alles besser, zumindest nicht die Menschen, die aus dieser Generation hervorgegangen sind.

      Eigentlich ist das auch das Wichtigste was mir zu diesem Thema einfällt, weil diese Entwicklung tausende von Menschen auf dem Gewissen hat, die diesem Druck nicht mehr standhalten können oder wollen.
      Klar, werden jetzt einige Denken, der ist selbst schon älter, der verklärt seine Vergangenheit, wie es alle tun, die beim Zigaretten kaufen nicht mehr nach dem Ausweis gefragt werden, vielleicht ist es auch ein bisschen so, aber ein Kern Wahrheit steckt bestimmt drin....
      ......Every day for us something new,open mind for a different view,and nothing else matters
      Never cared for what they say, never cared for games they play
      Never cared for what they do, never cared for what they know, and I know, ooh, yeah
      So close, no matter how far, couldn't be much more from the heart
      Forever trust in who we are No, nothing else matters

      James Hetfield/ Metallica
    • Als ich gestern nachts eine Wiederholung "Der Letzte seines Standes" sah, musste ich an diesen Beitrag denken.

      Da ging es u. a. um einen Wagner, der 1904 geboren war.
      Er erzählte nebenher von seinem Leben und zeigte dabei sein altes Handwerk.

      Ein entbehrungsreiches Leben als Angehöriger de ländlichen Bevölkerung umso mehr. Für die Schule war kaum Zeit, nebenher musste er schon als kleines Kind hart auf dem Feld arbeiten. Seine Lehre dauerte "nur" zwei Jahre, von dem er da letzte erst nach einer Pause absolvieren konnte, weil sein Vater krank wurde und er nun den Hof mit den Geschwistern allein führen musste. Als er 18 wurde hatte war er offizielle Wagner, doch Ruhe hatte er deswegen nicht.

      Die Welt jener Zeit war eine langsamere Welt.
      Langsam bedeutet aber nicht zwangsläufig auch "besser".
      Es ist eine Errungenschaft der Neuzeit, Werkzeuge wie elektrische Sägen zu haben und armdicke Eichenplanken nicht von Hand sägen zu müssen. Ebenso ist es eine Errungenschaft dass wir unsere Kinder in die Schule schicken können und sie nicht nebenher arbeiten müssen, ja nicht einmal dürfen.

      Der Mann sprach davon dass es früher gemütlicher zuging. Man ging des Abends singend durch die Wälder, man spielte Mundharmonika und es gab enge Bindungen zu Knechten und Erntehelfern. Aber romantisch war es keineswegs. Geldmangel und Hunger dominierte das Leben und für Liebe, wie wir sie uns heute verklärt wünschen, war überhaupt kein Platz. Weder innerfamiliär noch gesellschaftlich. Die Welt war eng gesteckt, unfreier und deshalb naturgemäß geordneter. Wie der Ablauf in einem Gefängnis auch geordnet ist, aber keineswegs größtmögliche Entfaltung ermöglicht.

      Der alte Wagner trauerte der Herzlichkeit der Gemeinschaft dennoch hinterher, der Einfachheit der Zeit, aber er sagte selbst dass er nie und nimmer die damaligen Arbeitsbedingungen heute verlangen würde oder dass er sich in diese Zeiten zurück sehne.

      Die Leute älteren Semesters die ich kenne verankern ihre Vorwürfe gegenüber der Jugend, zu der ich vermutlich auch gerade noch so zähle, meist an dem Begriff der "Faulheit". Da es eine solche aber nicht gibt, sondern sie nur ein willkürliches Konstrukt ist, muss es anderswo verortet sein. Ich empfinde gegenüber solchen Vorwürfen auch keinerlei Respekt, da ich keinen Grund sehe einen Menschen behufs seines Alters eine höhere Meinung zuzusprechen. Ob 14, 40 oder 90, eine hilfreiche Erkenntnis kann jeder entwickeln - oder eben nicht und einem damit auf den Nerv fallen. Respekt verdient man sich, aber nicht durch schnödes altern.

      Was deutlich ist, ist der Verlust mancher Bezüge.
      Mir selbst fällt das schon auf. Manchmal sogar deutlicher als mir lieb wäre.
      Das beginnt schon mit dem menschlichen Miteinander. Für mich stellt das Wort, welches ich einem Menschen entgegenbringe, ein Akt des Respektes dar. So wie ich mich ausdrücke, so sehe ich diese Person. Meine Eltern waren Baujahr 1945 und diese Art des Umgangs ist mir deshalb ins Fleisch und Blut übergegangen. Deshalb empfinde ich die moderne Form der Kommunikation auch als sehr verstörend respektlos. All die Halbsätze, Belanglosigkeiten und Selbstverherrlichungen.
      Das es anders geht zeigt mir mein Partner, er ist 10 Jahre jünger als ich und stammt aus einem fürchterlich respektlosen Elternhaus, trotzdem weiß er, rein durch gesunde Überlegung, wie man mit anderen Menschen respektvoll umzugehen hat. Es ist also keineswegs eine Sache des Alters - sondern der Aufklärung.

      Bedenklich finde ich persönlich auch die Abkehr von der Neugierde.
      Es erscheint mir im Vergleich der Leute die ich durch meinen Partner kenne, aus seiner Schule und generell dem Umfeld, dass die Freude am Intellekt, die nach unserem Krieg treibende Kraft in vielen Bereichen war, mittlerweile in Stumpfsinn abgleitet. Ich habe selten so geistloses Gefasel gehört. Und das sind angehende Abiturienten, also die vermeintliche "Elite" unserer Bildungsgesellschaft.

      Es war früher sicherlich nicht besser, nur anders.
      Die Probleme die früher akut waren, sind es auch heute noch.
      Einige faktische Umstände, wie das Gesundheitswesen, haben sich naturgemäß verändert. Das ist der Wandel der Zeit, dem wir deshalb auch nachhängen und forschen. Stillstand würde wortwörtlich den Tod bedeuten. Aber im gleichen Maße sollte es wichtig sein, die ewigen Probleme endlich zu lösen. Früher gab es mehr oder minder triftige Gründe diese Probleme nicht anzugehen. Hungersnot und kirchlich diktierter Moralismus sind kein guter Nährboden für Gleichberechtigung, Menschlichkeit und Emotionalität.

      Die Altlasten dieser "guten alten Zeit", sie meist von ewig gestrigen beschworen wird, sind Hemmnis und Chance zugleich. Man kann aus Überlegungen lernen, dass es falsch ist Menschen in etwas wie "Mann" und "Frau", "recht" und "unrecht", "lebenswürdig" und "lebensunwürdig" zu trennen. Wenn irgendein Faschist es definierte reagieren wir heute sehr allergisch, aber andere Altlasten werden mehr oder minder ungefragt akzeptiert. Der harte Mann, die schwache Frau, das hörige Kind... etc.

      Der Wunsch nach früher besitzt meist den Charakter der Vereinfachung.
      man spricht gerne davon dass: "Die Anforderungen eben gestiegen seien".
      Das klingt dann so, als so es gottgegeben und der Lauf der Zeit.
      Diese Anforderungen schaffen wir uns aber selbst, jeder einzelne für sich.
      Allein die Akzeptanz und Demut gegenüber dieser "Anforderungen" die uns kaputt machen, ist letztlich Resignation und Ergebenheit, obwohl wir dagegen angehen und vorgehen sollten. Denn ohne dieser Mühen wird sich keinesfalls etwas ändern und es hätte sich auch von früher auf heute nichts verändert, wären Menschen nicht für ihre Bedürfnisse eingestanden. Ob das nun Frauenrechte, Homosexuellenrechte oder einfach nur der Kegelclub Rhein Mitte ist, dem sie sein Vereinsheim schließen wollen ist mehr oder minder egal.

      Bedenklich ist er Verfall der Gemeinschaft im Sinne einer Zusammengehörigkeit der Leidensgenossen. Deshalb sind Gewerkschaften korrupt und im Vergleich zu früheren Jahrzehnten ziemlich nutzlos geworden. Generell Kritik an der Gesellschaft zu üben ist heute nicht wirklich schwieriger, es ist nicht so "gefährlich" wie früher 1968 auf der Straße politisch zu sein... es ist einfach bedeutungsloser geworden. Nicht, weil die Zeit nicht reif wäre, oder weil dies eben so sei, sondern weil wir Menschen bedeutungsloser, uninteressierter und verzweifelter sind, als wir es sein sollten oder müssten - zumindest wenn wir die Fehler des Vergangenen kompensieren möchten.

      Scheinbar braucht die Gesellschaft immer Extreme und das finde ich bedenklich.
      Anstatt sich in den Zeiten des Friedens und des Wohlstands um die anfallenden Nöte der gesellschaftlichen Ordnung zu kümmern, vergeht alle Mühe in Dekadenz und Stumpfsinn. Einige wenige Personenkreise habe ich noch hoffnungsvoll auf dem Schirm, die mir zumindest das Gefühl vermitteln es würde sich noch etwas positives bewegen können. Aber wenn ich nur an die Insassen der Schulen denke verlässt mich die Hoffnung rapide... sie können ja nur indirekt etwas dafür, werden sie doch zu Arbeitsdrohnen erzogen und mit Lob und Tadel abgefüllt wie die Zuchtgänse. Wer kann es ihnen also vorwerfen den Wert der Menschlichkeit nicht zu kennen. Aber trotzdem sind sie vernünftige Wesen und da sollte man erwarten können, dass sie Erkenntnis eines Tages reift.

      Sapere aude... jaja, Herr Kant, ich weiß.


      Fazit:

      Früher war vieles körperlich härter, seelisch ärmlicher, vieles hart strukturiert. Es gab strenge Hierarchien und Gebote. Das vermittelt trügerische Sicherheit, weil man "weiß wo man steht". So funktioniert allerdings auch der Moloch des Faschismus... da sollte man vorsichtig mit umgehen, mit dieser Sicherheit im System.

      Wir leben heute wesentlich freier, auch wenn viele dabei sind diese Freiheit bereitwillig für einen Keks zu verkaufen oder sogar gratis zu verschenken. Das bedeutet eben eine immens große Verantwortung gegenüber uns selbst und allen anderen. Was wir zulassen, wie weit wir uns ausbeuten lassen, welche Zugeständnisse wir der Industrie und unseren politischen Vertretern machen, wie viel Freiheit uns unsere Sicherheit wert ist... das sind die Fragen die wir uns immer neu stellen müssen. Aber dass wir sie uns überhaupt stellen können - das ist die Errungenschaft der Moderne.
    • Früher war alles besser

      Ich finde es ist schwer zu sagen. Es hängt immer ganz von einem selbst ab, wahrscheinlich werde ich in 20 Jahren auch denken "Früher war alles besser". Aber sich an den Subkulturen der Jugend zu Bedienen um zu sagen das z.B die Musik mist sei, der Kleidungsstil, die Art wie man miteinander spricht. Das ergibt für mich keine Sinn, besonders wenn man nur das schlechte sieht. Ich habe gelesen Rap sei Mist, dann wird Bushido als Beispiel gennant, ich gehe jetzt davon aus das die Leute sich nie wirklich mit "Rap" auseinandergesetzt haben. Einfach davon auszugehen etwas neues sei mist, weil man eine Seite des ganzen kennt halt ich für sehr einfach.

      Ich könnte jetzt auch ganz leicht alles aufzählen was früher schlechter war als heute, aber was soll das bitte helfen.
      Die Welt entwickelt sich immer weiter, Leute werden sich immer über andere aufregen.

      "Wenn früher als besser war, warum bleibt es dann nicht so wie ist es?"
    • Ich würde auch sagen. Manche Sachen waren früher besser, und manche waren früher schlechter. Zu sagen dass früher ALLES besser war ist total lächerlich.
      Nun haben die Menschen aber unterschiedliche Prioritäten und Hobbys und Dinge worauf sie achten, und da kann es dann schon mal vorkommen, dass für einen bestimmten Menschen tatsächlich früher alles besser war, weil dieser auf bestimmte Gebiete spezialisiert ist, die heute vielleicht wirklich schlechter dastehen als früher. Aber andere mit anderen Hobbys oder Prioritäten die profitieren dann wiederum weil sich die allgemeine Situation in ihrem Bereich verbessert hat.

      Wenn man sich selbst aber für sehr viele verschiedene Bereiche interessiert, dann merkt man schon selber dass es an manchen Stellen besser und an manchen schlechter wird. Daher könnte ich sowas nicht einfach so sagen.
      Manchmal stolpern Menschen über die Wahrheit,
      aber sie richtigen sich wieder auf und gehen weiter als sei nichts geschehen.
    • Das Thema ist interessant aber ein sinnvoller Zugang ist bereits das erste Problem.

      "Früher war alles besser" => wann ist früher? was ist alles?

      Jede Epoche hat seine Schatten- und Glanzzeiten. Überwiegend waren es Revolutionen aller Arten und der Zerfall von vorherrschenden Strukturen, die eine Veränderung des Lebensempfindens hervorgebracht haben. Freilich gab es in jeder Gesellschaft Gewinner und Verlieren.

      Denke ich an früher, denke ich an die Zeit vor der industriellen Revolution ab dem späten 18. Jahrhundert."Früher" gab es keinen Kapitalismus, keine Beschleunigung des Lebenstempos, keine so krassen menschlich hervorgebrachten Erdzerstörungen. Dafür gab es früher auch kein Gesundheitssystem, keine allgemeine Schulbildung, keine Menschenrechte, kein Mitspracherecht der Frau in allen gesellschaftlichen Schichten (mit wenigen Ausnahmen, die der Elite vorbehalten waren) etc.

      Der technologische Fortschritt hat meiner Ansicht nach einen Umkehreffekt herbeigeführt. Während der Kapitalismus, die Beschleunigung des Lebenstempos die neuen Normen in großen Teilen der Welt sind, ist die vollkommene Zerstörung des menschlichen Lebensraums nur mehr eine Frage von Jahrzehnten. Dafür kann man heute wesentlich mehr Krankheiten, darunter auch seltene, heilen oder quasi-heilen bzw die Symptome lindern. Ohne die Fortschritte in der Medizin wäre mein Leben gar nicht möglich.

      "Früher" ging es doch auch ohne Kapitalismus. Leider fällt im Vergleich zu früher eine Revolution immer schwerer, da die Massen effektiver unterdrückt und eingeschüchtert werden können und so ein Umsturz von Systemen unverhältnismäßig schwerer erscheint.

      Global betrachtet möchte ich sogar von eine Homogenisierung der Pluralität sprechen, während "früher" die Pluralität in kleinen Gemeinschaften seine Differenzen fand, sind heute andere Lebensweisen leicht ein Werk "böser Mächte".

      Dem Mensch fällt es heute auch ziemlich schwer in Unabhängigkeit zu leben, da alle Landstriche einen Besitzer haben. Der Druck den Tribut abzuliefern und nicht Gefahr zu laufen irgendwie anders zu sein, anders zu leben, hemmt sicherlich auch "mal einen Gang zurückzuschalten" und einfach nur zu leben.

      Die Leitfrage ist: Wie kultiviere ich die Freiheit im Zwang?

      Zumindest sind das meine Gedanken zum Thema
      Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
      Edward D. Morrison
    • Es gibt da einen Spruch: Die beschissene Zeit von heute ist die gute alte Zeit von morgen.

      Ich glaube, dass viele Menschen, die meinen dass früher alles besser war, damit vielleicht ihre Jugend meinen und sie in jungen Jahren einfach oft schönere Zeiten erlebten. Vielleicht, weil sie da noch keine oder nicht so viel Verantwortung tragen mussten, weil sie besonders behütet waren oder vielleicht auch, weil das eigene Schicksal durch Krankheit oder Leid noch nicht so weit fortgeschritten war bzw. noch gar nicht zum Tragen kam.

      Wenn ich für mich sprechen müsste, würde ich bei "früher war alles besser" auch an meine Jugendzeit denken. Diese hörte für mich bei dem Ereignis 9/11 auf, da ich mich ab diesem Zeitpunkt fast ausschließlich damit und vielen weiteren ernsten Themen befasste und mein bis dato heiles Weltbild langsam aber stetig zerbrach. Für mich persönlich war davor alles besser, mein Leben, meine Einstellung zum Leben und auch meine Meinung zu und über Menschen.

      Ich glaube aber auch nicht wirklich, dass in den 80/90ern grundsätzlich alles besser war. Mit meiner heutigen Einstellung und dem, was ich zu wissen glaube, würde ich behaupten, es war anders weil man nicht so genau wusste, was hinter den Kulissen auf der Weltbühne ablief. Dennoch erinnere ich mich gerne zurück und wenn ich bestimmte Musik höre oder Filme aus dieser Zeit sehe, dann verschlägt es mich für Momente wieder dahin und ich kann lächeln. Aber das ist natürlich alles subjektiv.

      Um es diplomatisch auszudrücken: Früher war manches besser aber vieles anders.
      Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen.

      (Das Restaurant am Ende des Universums)
    • Ich bin jetzt 16 und muss das leider auch manchmal sagen. Und selbst wenn ich nur meine, dass vor 10 Jahren niemand knallenge weiße Jeans getragen hat oder Kleider/Röcke mit Turnschuhen. (Und wenn dann waren es wenigstens Chucks) Aber gut über Geschmack lässt sich nicht streiten. Aber abgesehen davon sehne ich mich nach der zeit, als ich noch geglaubt habe, dass das Leben besser wird, je erwachsener man wird.
      Wenn ich allerdings höre, dass Leute der D Mark hinterher trauern oder denken, dass das Internet dafür sorgt, dass die Pupertät früher los geht und man das unbedingt verhindern muss oder dass es früher weniger Ausländer gab etc werde ich aggressiv.
      Ich finde man sollte eher sagen "Früher war alles(?) anders", denn es gibt garantiert auch viele Dinge, die heute besser sind als vor 10/20/50/... Jahren.
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