Wann habt ihr das erste Mal gespürt,dass ihr "anders" seid?

  • Wisst ihr noch in welcher Situation ihr das erste Mal gespürt habt,dass ihr anders seid als die anderen ?
    Was hat das mit euch gemacht?

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe die wir hinterlassen wenn wir gehen.


    Albert Schweitzer

  • Wahrscheinlich schon im Kindergarten, aber richtig realisiert habe ich es in der 1./2. Klasse. Es hat mich sehr traurig gemacht. Ich habe alles versucht, um dazu zu gehören, aber dann resigniert. Ich habe mich immer furchtbar einsam gefühlt. Ich wollte so gern normal sein! Ich habe mich für das Anderssein verurteilt und abgelehnt. Auch heute noch kann ich nicht stolz darauf sein.

    Trotz dem alten Drachen, trotz dem Todesrachen, trotz der Furcht dazu!

    Tobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh!

    -Jesu meine Freude-

  • Hm... :ugrübel: Ich glaube, für mein früheres Leben kam der Gedanke zuerst auf im Alter von 13, 14 Jahren.
    So richtig drüber nachgedacht hat es davor darüber eigentlich nie - nicht bevor sich dem "Dunklen" zugewandt wurde.


    Ich heute mache diese Feststellung als bewusste Erkenntnis erst in den letzten Jahren.
    Zum Beispiel dadurch, dass ich zu keiner Gruppe wirklich hingehöre.
    Es gibt ein paar Attribute, bei denen ich weiß, die treffen auch auf mich zu. Aber Gruppenzugehörigkeit erwächst daraus noch lange nicht...
    Liegt einfach daran, dass ich dann doch nicht ticke wie die Vorzeigevertreter dieser Attribute.
    Allgemein würde ich mich dadurch als "Heimatloser" beschreiben.


    In politischer Hinsicht realisiere ich es auch sehr häufig, dass ich andere Erfahrungen habe als andere, die sich der selben Himmelsrichtung angehörig sehen.
    Ich denke z. B. nicht in "bestimmte Gruppen dürfen nicht kritisiert werden wegen X", sondern jeder kriegt sowohl sein Fett weg, als auch seine Zuerkennung, worin er ein Quäntchen Wahrheit gefunden hat.
    Man hat es mal gelernt, es so handzuhaben, weil Fahnen und Gruppen verlassen dich, sobald du widersprichst, oder meinen eventuell, dich fertig machen zu müssen.
    Ebenso können Fahnen und Gruppen auch zu weit gehen, übers Ziel hinausschießen. - Den Gruppierungen ist das egal, die machen weiter, aber du hast hinterher den Schaden...


    Musikalisch merke ich es auch. Ich höre mit Vorliebe eine Musikrichtung wie als wenn einer Klassikschallplatten auflegt und einfach nur zuhört, die eigentlich sonst dazu da wäre, Party zu machen, Substanzen zu konsumieren und eventuell zu kopulieren.


    Und so verhält es sich in diversen Aspekten...


    Berührungspunkte mit anderen sind doch sehr wenige.


    Ganz schlimm wird es in intellektueller Hinsicht. Ich liebe und suche Komplexität, während andere allzu gern lieber das Gespräch abbrechen, wenn ich in Fahrt komme, und lieber in etwas seichteres abdriften wollen. Frustrierend.


    Umgekehrt bin ich zu dumm zum Menscheln und mag das alles gar nicht mal so sehr, weil es nicht meiner Art entspricht.


    Zusätzlich dazu gehen einige Dinge auch nicht einfach so reibungslos wegen 10+ Jahre chronisch krank an der Hirnsubstanz und hörempfindlich.
    Mit vielen Leuten zusammen herumzuhängen macht mich müde, bringt mir eventuell sogar Kopfschmerzen wegen der Geräuschkulisse, die für meinen Hörsinn wie eine handfeste Lärmbelästigung ist (ohne dass sich andere besondere Mühe dabei geben, laut zu sein).


    Kurzum: Ich realisiere zunehmend, ich bin ein komischer Kauz... :eule2:
    Kann auch teilweise nicht so leben wie andere.

  • Gute Frage. Das erste Mal habe ich gespürt, dass ich anders bin als die anderen, als ich realisiert habe, wer und was ich bin, wie und warum ich entstanden bin. Ich verstand es am Anfang nicht wirklich, doch waren die Signale vom Umfeld eindeutig und ich musste mit radikaler Akzeptanz akzeptieren, dass ich bin wie ich bin. Etwas, das unumstößlich ist, egal wie man es dreht.


    Mit mir hat es gemacht, dass ich versuchte die Situation so gut es geht zu akzeptieren. Leider gelingt das nicht immer und viel Wut und Hass kommen ans Tageslicht. Es ist fast so wie wenn man gegen etwas kämpft, das unmöglich ist zu bezwingen. Trotzdem will ich nicht aufgeben und sterbe lieber beim Versuch als es erst gar nicht versucht zu haben.


    Auf jeden Fall lebe ich so gut es geht in Frieden, abseits von dem ganzen Stress um einen herum. Mittlerweile habe ich mich gewöhnt anders zu sein in einer Art und Weise, in der ich mich als anders identifizieren kann, ohne es abwertend zu meinen. Es sind nunmal Tatsachen, die unumstößlich sind.

    Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
    Edward D. Morrison

  • Als Kleinkind, so mit 2-3 Jahren, da war eine sehr alte Frau. Ich mochte sie und sie mich. Wir konnten auf einer besonderen Ebene kommunizieren, sie hat sehr viel gesehen und blieb selbst unsichtbar.
    Ich meinte mal zu meiner Erzeugerin, ich möchte mal werden wie diese alte Frau, eine "Wissende". Sie hat gelacht und mich korrigiert, es würde "Weise" heißen, aber ich meinte etwas anderes.
    Kurz darauf verschwand die alte Frau, wurde von ihrer Schwiegertochter irgendwo gepflegt, ich hab sie nie wieder gesehen.
    Hab dann lange Jahrzehnte damit verbracht mein "Rudel" zu finden, versucht dazuzugehören, irgendwo "richtig" zu sein, wie ich sein sollte. Es gelang mir nie. Immer, mitten in der Menge Gleichartiger war ich das schwarze Schaf, das Alien, der Fremdkörper. Die Leute in den jeweiligen Gruppen hielten Distanz aber ließen mich auch nicht in Ruhe, als ich es irgendwann aufgegeben hab, die Einsamkeit und das Alleinsein und die Ruhe als meins annehmen wollte. Sie haben weiter versucht mich zu einem von ihnen zu machen, aber es geht nicht.
    Inzwischen ist es halt so. Inzwischen hab ich ein paar Leute und wir sind auch sowas wie ein Rudel, da sind alle anders und es ist OK. Man wird akzeptiert wie man ist, kan sein wie man ist und es ist OK wenn das mal so mal so ist.
    Am Schlimmsten war für mich die Schulzeit, da wurde mir von Anft bis Ende sehr deutlich gezeigt daß ich verkehrt bin.
    Erst einzelne Kerle, also zuerst mein Meister in der Berufsausbildung, die zaben mich respektiert, akzeptiert und so gelassen wie ich bin. Im Privaten mein erster Freund. Und nun mein Mann.
    Es ist gut jemanden zu haben, für den man sich nicht so verbiegen muß, auch wenn es Zeiten gibt, wo das halt trotzdem so ist wieder, daß man versucht irgendwelche Erwartungen zu erfüllen- und kläglich scheitert.
    Weil man nunmal anders ist. Irgendwie kaputt, irgendwie "fastinierend", funktional/dysfunktional je nach Betrachtungsweise.
    Am Ende, die, die einen so lassen wie man ist und einen trotzdem mögen, die sind wertvoll. Aus welchem Beweggrund auch immer sie das machen.
    Zuletzt gehört "besonderes Pflänzchen" "ganz eigene" "anders als die anderen, aber gleiche hat es hier schon genug" "wir lieben Dich wie Du bist!" "Du bist ja auch anders!"... Also das waren nur die positiven... Die negativen sind 'nicht so nett', und selbst bei den Positiven weiß ich nie, ob ich mich drüber freuen kann oder eher vorsichtig werden sollte.


    Und eigentlich weiß ich immer noch nicht, was eigentlich an mir kaputt ist. Was nicht stimmt. Das hab ich in all den Jahren nie kapiert und selbst mit Diagnosen weiß ich nicht, was ich hätte anders machen können um normal zu sein. Offensichtlich mache ich ja ne Menge "falsch". Es sagt mir nur niemand was wirklich.
    Weil das, was sie mir sagen, das finde ich eigentlich nicht falsch?
    (Direkt, ehrlich, "anders"???, "kindisch" wenn ich mich über was freue, "verrückt"...)


    Und mein Therapeut meinte mal "die Leute mögen es nicht wenn man ihre Illusionen ignoriert und hinter ihre Masken guckt. Die haben da sehr viel Energie reingesteckt und Sie ignorieren das einfach und schauen in sie rein. Das mögen die Leute nicht."


    Was auch immer. Eigentlich war es eben schon als Klein(st)kind. Entweder hab ich mich mit den anderen geprügelt, ichbhab sie ignoriert und sie mich oder sie sind mir lästig nachgelaufen/musste sie mitschleifen... Nur mit ganz einzelnen hab ich mich verstanden. Die waren aber auch "anders" und hatten sonst niemand.

  • Die Erkenntnis kam bei mir erst in der Pubertät auf glaub ich. So mit 13. als die anderen alle anfingen sich für das andere Geschlecht und für Sexualtiät zu interessieren. Da wurde mir schmerzlich klar, dass das bei mir wegen der frühkindlichen Bindungsstörung niemals so vorkommen/funktionieren würde mit körperlicher Nähe.
    Dann dachte ich, ist ja egal, dann mach ich einfach mein eigenes Ding mit anderen Menschen denen es genau so geht.
    Dass selbst das nicht funktoniert und ich niemals (auch beruflich/wirtschaftlich nicht) ein normales Lenen würde führen können hab ich erst so zwischen 21 und 24 Jahren etwa einsehen müsen.
    Das hat mein ganzes Selbstbild dann echt komplett... zerstört.


    Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt auf einem langen, schwierigen und nie endenden Weg
    zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben.

  • Gute Frage. Bei mir war es glaub nicht ein spezieller Moment, sondern es war etwas, was mich von klein auf "beschäftigte".
    Ich kriegte in meiner Urspungsfamilie immer vermittelt, dass ich nicht gleich bin (obwohl ich es da ja paradoxerweise noch war).


    Ich habe eher immer unbewusst gekämpft, dass ich gleich bin wie andere. Es gab glaub nicht diesen Aha-Moment. Ich war innerlich nur immer getrieben davon, andern nachzueifern. Ich glaube, ich erhoffte mir dadurch, endlich liebenswert zu sein.


    Irgendwann, erst vor kurzem, wurde mir aber bewusst, dass ich ständig sein will wie andere. Dass es mich nicht wirklich gibt seelisch.
    Es ist sehr schmerzlich ständig zu kämpfen, gleich zu sein und immer vermittelt zu bekommen, dass man es eben doch nicht ist. In Therapien wurde das nie erkannt, dieser grosse, innere Konflikt. Im Gegenteil, eine meiner prägendsten Therapeutinnen wollte mich zurecht stutzen..... darüber bin ich bis heute nicht hinweg. Denn es war grundfalsch und hat mich schwer retraumatisiert.


    Erst mein jetziger Freund unterstützt mich darin, ich zu sein. Sagt, ich soll auf all diese Pseudo-Helfer scheissen und ich sein. Glaubt an mich. Das ist so heilsam..... und dennoch wäre es 1000 Mal besser, es wäre eine "neutrale" Person, die mir das vermittelt, denn zw. meinen Freund und mir..... ist es auch oft schwierig und.... wir sind zu verstrickt ineinander, wodurch ich heftigste Krisen habe.


    Ich hoffe wieder (hatte die Hoffnung zuletzt komplett aufgegeben), eine Therapeutin zu finden, die mich unterstützen kann.


    Hoffe ich bin jetzt nicht zu sehr abgedriftet vom Thema.

    "One of my biggest mistakes in life
    is thinking people will show me the same love that I've shown them." -Heath Ledger (1979-2008)

  • In der Kindheit.


    Ich hatte häufig "Konferenzen" mit meinen imaginären "Wegbegleitern", wir kamen mehrmals zu dem Schluss dass ich völlig in Ordnung war und die anderen alle anders waren.


    Leider änderte diese Perspektive aber auch nichts daran dass ich lange die 1-Personen-Randgruppe war.

  • Schon im Kindergartenalter.
    Auch die anderen Kinder haben das schnell bemerkt, deswegen wurde ich nur gemobbt, geärgert, geschlagen und gehänselt. Dies zog sich auch durch das komplette Schulalter.
    War immer der Außenseiter. In der Hauptschule, habe ich mit aller Macht und allen Mittel versucht, dazu zu gehören, was mehr oder weniger klappte. Prügeleien waren an der Tagesordnung.
    Mit 11 Jahren, fing ich an zu rauchen und mit 12 zu trinken. Das war cool und man gehörte dazu und man wurde auch nicht mehr so extrem angegangen. Heute weiß ich, es war ein Fehler.

    Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu der Mensch nicht mal im Winde.


    (Franz von Assisi)

    🐕❤🐕

  • Schon im Kindergartenalter und die Jahre danach. Ich hab halt nicht gerne mit anderen gespielt und war immer am liebsten für mich alleine und ich hatte auch komische Gedanken, die man als Kind eigentlich eher nicht hat... z.B. "Wenn ich mich jetzt hier ins Gras setze und da wachsen giftige Pilze oder giftige Pflanzen, habe ich dann Gift an der Kleidung? Und wenn ich mich dann zuhause aufs Sofa setze, ist dann auch Gift am Sofa? Und wenn meine Mutter das Sofa anfässt und mit der Hand sich dann an den Mund fasst, bin ich dann Schuld, wenn meine Mutter sich vergiftet?" usw... also ich hab schon sehr früh angefangen sehr konstruierte Kontaminationsketten aufzubauen. Und mir war auch damals schon klar, dass das nicht wirklich normal ist so zu denken.

  • Praktisch ab dem 1. Schultag (Kindergarten gabs bei uns noch nicht), ich hab von Anfang gespürt, dass das Verhalten, die Kommunikation und die emotionalen Strukturen der meisten Mitschüler (also eigentlich 99 %) mich in jeder Hinsicht ratlos gemacht haben, da ich mich praktisch mit keiner einzigen Person irgendwie identifizieren konnte. Die Folge war natürlich ein mehr oder weniger dauerhafter Rückzug bzw. innerer Protest, da ich es irgendwie nie so richtig fassen konnte, wieso einzelne Menschen in unserer Gesellschaft dermaßen "anders" sein können und sich vom Rest der Gesellschaft in so vielerlei Hinsicht unterscheiden. Ich selbst zähle mich persönlich zu einer Personengruppe, die wohl maximal 5 % der Menschheit ausmacht. Und diese fehlenden Identifikationsmuster haben bis heute dazu geführt, dass ich eigentlich so gut wie die meisten Menschen zutiefst ablehne (auch wenn ich vordergründig trotzdem einigermaßen gut in der Lage bin, zu kommunizieren und so etwas wie eine positive Grundhaltung auszustrahlen, einfach der Harmonie wegen, sofern es irgendwo mal erforderlich ist); natürlich auch unzählige negative Erfahrungen in mehr als 15 Jahren, bis ich irgendwann zum Schluss gekommen bin, dass ich mein Leben wohl nur alleine verbringen kann (solange ich mich noch für das Leben entscheide)..



    “It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society.”

    Jiddu Krishnamurti

    3 Mal editiert, zuletzt von Rainman ()

  • Ca. 5. Klasse, Gymnasium.


    Grundschule ging noch gut, ich war aber wohl auch damals schon nicht immer einfach. ADS sagte man, Ritalin gab man mir.


    Gymnasium hatte ich dann wirklich Schwierigkeiten, überhaupt Anschluss zu finden und das hat dann viele einsame Jahre bedeutet ...


    noch heute tu ich mich mit manchen sozialen Situationen etwas schwerer, Standard-Smalltalk und Alltag krieg ich aber soweit gut hin. Anders bin ich trotzdem geblieben ...

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