Kann ein Mann zu nett sein?

  • Guten Tag an alle die diesen Eintrag lesen,


    ich möchte kurz meine Gedanken niederschreiben, um mich ein bisschen gedanklich zu sortieren. Ich bin nun seit ein paar Jahren mit meinem Freund ( verlobten ) Zusammen und bin an einem Punkt angekommen an dem ich leider psychisch nicht ganz fit bin.


    Nach außen hin geht es mir gut. Bin Hausfrau in Elternzeit und habe eigentlich beruflich wenig Stress und dennoch habe ich das Gefühl erschöpft zu sein.


    Was mir in letzter Zeit aber ein bisschen sorge macht ist, dass ich das Gefühl habe eventuell nicht mehr in meinen Freund vertrauen zu können. (Ich meine nicht, dass er mir fremdgeht) sondern einfach dieses Urvertrauen scheint weg zu sein. Er sagt mir etwas, oder zeigt mir seine Gefühle ich kann es aber nicht ganz glauben.


    Ein bisschen könnte es sein, dass es an der Missbrauchserfahrung liegt. Andererseits habe ich Angst mich zu "entlieben". Er ist einfach sehr lieb zu mir.


    - Er macht mir keinen Druck wegen Arbeit, er kennt meine psychischen Probleme bzw. meine Ups & Downs, er ist soweit ich weiß treu bisher, hilft mir mit den Kindern wenn er gerade freien Kopf hat.


    Aber irgendwas in mir vertraut ihm nicht. Es kommt mir vor als würde er das nur machen weil er so erzogen ist oder weil er nett sein will. Er es aber nicht FÜR mich macht. Hat jemand schon so etwas ähnliches erlebt oder kann mir weiterhelfen das zu verstehen?


    Meine Idee wäre mal ohne Kinder weg zu fahren. Coronabedingt muss ich das aber leider sein lassen und ich glaube kaum dass sich etwas verändert wenn ich zurück komme. Was mir genau fehlt weiß ich leider auch nicht weshalb ich auch nicht weiß was ich einfordern soll.


    Habe das Gefühl ich spüre seine Nähe kaum weiche lieber aus und an anderen Tage freue ich mich wieder wenn er da ist.

  • Hallo @Nicht mehr allein


    Du schreibst mir aus der Seele, denn genauso ist's auch bei mir im Moment.
    Nur sind meine Gedanken, bezüglich auf meines Lebensgefährte, noch etwas schlimmer.
    Ich konnte noch nie jemandem vertrauen, das fehlt mir, da ich darin, 40 Jahre lang, nur auf die Schnauze gefallen bin.
    Oft denke ich, ich bin hier bei ihm nur noch geduldet usw.
    Bin ja an der ganzen Misere selber schuld.


    Wenn du mal schreiben magst, darfst mir gerne eine PN schreiben.

    Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu der Mensch nicht mal im Winde.


    (Franz von Assisi)

  • Hallo @Nicht mehr allein


    Auch ich kenne solche Phasen, genau wie du sie beschreibst....hatte auch immer wieder Schwierigkeiten zu glauben, dass mich Mann liebt...und auch ich war häufig lieber alleine Zuhause um das zusammen sein zu umgehen .... damals wusste ich auch noch nicht was das ist.
    Ich finde du beschreibst das sehr gut mit diesem ja letztendlich Urvertrauen und dass da innen drin iwas in dir nicht vertraut.....
    Ich bin kein Psychologe und kein Psychiater ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen. Heute weiß ich, dass das mit der Missbrauchserfahrung zu tun hat....bin seit fast 2 Jahren in Therapie und mein Mann war auch in der Klinik zweimal mit beim Gespräch. Wir können jetzt offen darüber sprechen ohne dass wir uns verletzt fühlen, weil wir wissen wo das herkommt und können gemeinsam daran arbeiten...


    Und dass du dich erschöpft fühlst ist vermutlich durch die Arbeit deiner Seele, die dir etwas bewusst machen möchte.
    So nach dem Motto
    "Körper, ich weiß nicht was ich tun soll der Mensch hört mich nicht.- Seele, ich mach den Körper krank, dann hat der Mensch Zeit sich auszuruhen"


    Hast du denn iwie Unterstützung durch Therapie oder so?

  • Hall Ihr,


    das kann schon sein, dass es mit der Mißbrauchserfahrung zu tun hat. Auf jeden Fall kommt dies aus Mangel an Selbstvertrauen. Warum sollte er Euch denn was vormachen, wo er doch weiß, dass Ihr so schlimme Erfahrungen machen musstet. Dieses Urvertrauen ist das Vertrauen, was man zu seinen Eltern im besten Fall aufbaut, was nicht erschüttert werden kann. Die bedingungslose Liebe, die nur von den Eltern gegeben werden kann, was leider nicht überall der Fall ist. In einer Beziehung muss sich jeder die Liebe jeden Tag aufs neue verdienen. Und das hängt nicht nur an einem, sondern beide müssen sich darum bemühen. Wenn beide daran arbeiten, nicht nur funktionieren, sondern beide sich umeinander bemühen, dann erst wird man zusammen eine Einheit. Das jetzt dieses Urvertrauen weg ist, bedeutet, Ihr habt vielleicht ein Ungleichgewicht in der Beziehung gespürt. Einziger Weg, redet mit Eurem Partner darüber, fresst diese Gefühle nicht in Euch rein, sonder besprecht es mit Eurem Partner, dann erst kann ein gemeinsamer Weg aus der Krise gefunden werden. Redet miteinander darüber.

  • Hallo @Nicht mehr allein




    Hast du denn iwie Unterstützung durch Therapie oder so?


    Ich glaube auch dass ich einfach erschöpft bin, weil ich mir teilweise keine Ruhe pausen könne bzw. es fällt mir schwer in den "Pausen" mich fallen zu lassen. Ich war in Betreuung habe aber pausiert bzw. abgebrochen weil ich schwanger wurde und im Moment möchte ich nicht über den Missbrauch sprechen und benötige von Therapie derzeit Abstand.


    Tatsächlich konnten wir wieder zueinander finden. Ich habe ungewollt einen sehr großen Streit entfacht. Dieser war aber wichtig und auch das Schreiben hier im Forum hat mir geholfen meine Gedanken und Gefühle neu zu sortieren. Mangel an Selbstvertrauen ist es auch deswegen versuche ich nun mich auch mehr um mich zu kümmern. Mehr für mein Äußeres tun. Das Abnehmen hat mir auch einen Schwung an Selbstbewusstsein gegeben.


    Möglicherweise bin ich auch nachdenklicher wegen bevorstehender Hochzeit etc.


    Halte euch gerne falls möglich auf dem Laufenden. Wünsche euch erstmal ein schönes Rest-Wochenende und eine tolle Woche.


    Grüße nicht mehr allein.