Drang zur Säuberung

  • Hallo, vielleicht kennt das jemand. Wann immer ich mich wieder einigermassen von einer mehrwöchigen Down Phase erholt habe, habe ich von einer Sekunde auf die andere den plötzlichen Drang Dinge um mich herum auszumisten. Von den einfachsten Sachen wie beispielsweise Bücher, welche ich nicht mehr für nötig erachte zu lesen. Filme, Videospiele, Fotos, elektronische Geräte, Kleider, - es kann alles treffen, nichts bleibt von mir verschont. Es gibt mir ein befreiendes Gefühl, als würde Last von mir abfallen und ich habe Platz für neues. Wenn ich irgendwelche schlechten Erinnerungen mit ihnen in Verbindung bringen würde, würde ich es nachvollziehen, jedoch sind darunter auch Dinge, welche brandneu sind. Als Zwang würde ich es nicht beschreiben, schliesslich tue ich es nicht alltäglich (sonst wäre meine Einrichtung um einiges leerer) aber ich habe das ein paar Mal bei mir beobachtet und darüber Tagebuch geführt. Einige Monate später frage ich mich dann, wo diese Dinge gelandet sind und ärgere mich tierisch darüber.

    I'm sitting here alone in darkness, waiting to be free
    Lonely and forlorn, I am crying
    I long for my time to come, death means just life
    Please let me die in solitude

  • Klasse, endlich mal jemand, dem es auch so geht :halloweengrin:
    Dachte schon, ich wäre allein so bekloppt.


    Aber ja, diese Phasen kenne ich auch. Kommt ca 1-2x im Jahr vor und danach ärgere ich mich auch, es weggeschmissen zu haben. Ich verbinde da auch keine schlechten Erinnerungen und kann es mir auch nicht erklären, warum dies so ist :gruebel:

    Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu der Mensch nicht mal im Winde.


    (Franz von Assisi)

  • Es ist eine kleine Erleichterung zu wissen, dass man nicht allein davon betroffen ist :halloweenhappy: Auch wenn es nichts schlimmes per se ist; letztendlich ist es frustrierend, wenn darunter Dinge geraten, welche einem eigentlich am Herzen liegen aber der Kopf in dem Moment wo vollkommen anders mit den Gedanken ist. Und, man möchte ja nicht all paar Monate diese Dinge ersetzen, was bei mir leider oft der Fall ist. Ein zusätzliches Ärgernis, wenn man diese Dinge nicht ersetzen kann.

    I'm sitting here alone in darkness, waiting to be free
    Lonely and forlorn, I am crying
    I long for my time to come, death means just life
    Please let me die in solitude

  • Da hast du recht.... ich hab es mittlerweile aufgeben, diese Dinge zu ersetzen.
    Sitze dann lieber ewig in der Ecke und schmolle, weil ich wieder so unüberlegt gehandelt habe.

    Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu der Mensch nicht mal im Winde.


    (Franz von Assisi)

  • Oh, ein ehemaliger Freund von mir hatte das Problem auch.
    Das war wie so ein psychischer Druck sich von Dingen immer wieder trennen zu müssen (das hatte auch eine traumatische Ursache aus seiner Kindheit) aber ich fand das sehe bedrückend das mitzuerleben.
    Weiß aber nicht ob der die Dinge dann hinterher vermisst hat.


    Naja man überträgt dann halt was inneres seelisches auf die ganzen Objekte und befreit sich dann symbolisch davon. Das gibt einem das Gefühl von Macht und Kontrolle über das eigene Leben und seinen Zustand.


    Ich kenn das in abgeschwächter Form von mir selber, ich hab dann manchmal so einen Aufräumdrang, obwohl mir Ordnung sonst eigentlich nicht so ganz wichtig ist, aber manchmal hilft mir das äußere Aufräumen dann auch innere Chaos zu beseitigen. Das geht so weit dass ich dann die Stifte alle grade hinlege, nicht weil ich irgendeinen Zwang hätte, sondern weil das dann einfach symbilisch für den Wunsch steht innerlich möge sich auch alles grade rücken.



    Da fällt mir grade ein, vielleicht könnt ihr beiden ja beim nächsten Zustand dieser Art alles was ihr wegtun wollt einfach in eine große Kiste packen und auf den Dachboden oder in den Keller räumen. Und was ihr dann später vermisst könnt ihr dann wieder da rausholen und der Rest kann irgendwann wenn ihr ihn nicht vermisst habe wirklich weg. Also quasi noch so eine Zwischenstufe einbauen zwischen aus dem direkten Umfeld weg und ganz weg.


    Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt auf einem langen, schwierigen und nie endenden Weg
    zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben.

  • Du wirst lachen aber das mache ich auch so.... nur gibts da einen kleinen Haken bei der Sache.....
    Mich stört es dann, dass es irgendwo rum steht, auch wenn es im letzte Ecken ist und ich bin erst zufrieden, wenn die Kiste dann entsorgt ist. Die Zufriedenheit hält dann nur nicht lange an.

    Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu der Mensch nicht mal im Winde.


    (Franz von Assisi)

  • Ich kenbe es nicht in diesem Ausmass, oder nicht mehr. Früher war das wegwerfen extremer. Heute muss ich manchmal einfach aufräumen.

    Zitat von Drachentränen

    ich hab dann manchmal so einen Aufräumdrang, obwohl mir Ordnung sonst eigentlich nicht so ganz wichtig ist, aber manchmal hilft mir das äußere Aufräumen dann auch innere Chaos zu beseitigen.

    Genau so.


    Ich finde es legitim... sogar praktisch :). Denn ich kann ziemlich chaotisch sein.


    Allerdings hat es mit dem Aufräumen seine Grenzen. Irgendwann kann ich mich dann nicht mehr entscheiden. Das finde ich anstrengend am Aufräumen, die Entscheidungen.


    Ich habe die Strategie alles in eine Schublade zu stopfen, dass es äusserlich gut aussieht. Das beruhigt mich. Aber das Chaos wütet im Prinzip weiter, einfach andernorts.

    "One of my biggest mistakes in life
    is thinking people will show me the same love that I've shown them." -Heath Ledger (1979-2008)

  • Eine Idee wäre vielleicht einen Wäschekorb zu nehmen und da die Sachen reinzulegen, die dich stören. So für 6 Monate in den Keller oder so. Wenn du dann nach 6 Monaten den Keller öffnet kannst du nochmal nüchtern betrachten was damit passieren soll