Welche Erfahrungen habt ihr mit Homeschooling?

  • Erfahrung mit Homeschooling aus Lehrererinnenperspektive.
    Erfarhrung mit Home Studieren aus Perspektive der Studierenden.



    Homeschooling als Lehrende finde ich schwierig und auch für Lehrer echt anspruchsvoll und extrem zeitintensiv.
    Herausforderungen dabei aus meiner Sicht unter anderem:
    Die kurzen Vorlaufzeiten. Schulschließung findet von heute auf morgen statt. Der Unterricht muss auch vorbereitet werden. Und fürs Homeschooling muss er anders vorbereitet werden wie für Präsenz. Einfach für beides "präventiv" vorbereiten ist zeitlich nicht machbar. Sodass in kurzer Zeit alles umgeplant werden muss.
    Zweite noch größere Herausforderung. Die unfassbar miserable digitale Ausstattung von Schule und Schüler*innen. In meinen Kurse gibt es mehrere Menschen ohne vernünftiges Endgerät. Oft ist das Handy das einzige digitale Endgerät. Zum wirklichen Lernen eher schlecht geeignet. Ohne dass die Schüler*innen Laptops oder Tablets zu Hause haben wird Homeschooling echt schwer.
    Anträge auf staatliche Unterstützung was digitale Medien angeht leider eine Katastrophe. Anträge von März werden jetzt so langsam bearbeitet. Ergebnis offen.
    Datenschutz empfinde ich auch als schwierig. Ich arbeite nicht an einer allgemeinbildenden Schule. Bei uns ist Datenschutz ein sehr sensibles Thema, sodass mal eben Skype, Zoom oä. nicht einfach so erlaubt ist. Microsoft teams geht mittlerweile theoretisch, aber ohne das die Menschen am anderen Ende Zugang zu einem Endgerät haben ist auch das nicht optimal.


    Vor allem finde ich es sehr schwierig den Lernerfolg der Schüler*innen einzuschätzen. Ist ein Thema verstanden? Wer braucht noch Unterstützung? Die direkte Rückmeldung fehlt einfach. Gerade "schwächere" Schüler*innen fragen oft nicht von alleine nach. Im Präsenzunterricht ist es da leichter einzuschätzen, wenn jemand nicht mehr mitkommt.


    Ebenfalls extrem schwierig und dafür habe ich bisher auch noch keine wirklich zufriedenstellende Lösung.
    Wie ich Schüler*innen gut mitnehme, die Schwierigkeiten haben ohne die Schulstruktur zu lernen.
    Gerade für einige Schüler, die auch z.B. mit Depressionen, PTBS zu tun haben, ist es schwierig ohne die Schulstruktur mitzukommen und am Ball zu bleiben. Das ist so ein Punkt, wo ich als Lehrerin auch noch nicht wirklich weiß, wie ich da gut unterstützen kann.



    Als Studierende im Home Studium.
    Es ist ok. Mich nervt mein Studium eh. Schon als es noch in Präsenz war. Ich habe das Gefühl es ist alles zäher wie vorher. Der informelle Austausch fehlt. Teilweise 8 Stunden oder mehr online Vorlesungen zuzuhören empfinde ich als extrem anstrengend. Die Verlockung dann doch was anderes zu tun und einfach nur eingeloggt zu sein ist groß.
    Schwierig ist es mit Hausarbeiten und co, wenn kein Zugang zu Bibliotheken besteht, weil die dicht machen müssen. Ob die jetzt wieder geschlossen sind, weiß ich gar nicht. Vermutlich.
    Ich finde es aber gut, dass ich von zu Hause weiter studieren kann und keine Zeit verliere und auch dass ich nicht zur FH musste, auch wo es theoretisch erlaubt war. Da dort doch sehr viele Menschen aus vielen Bundesländern in zu kleinen Räumen zusammenkommen. Von der DB will ich gar nicht erst anfangen. Kontakte mit über 100 Menschen am Tag aus ganz Deutschland muss dann nicht sein nur für n bisschen Vorlesung in echt statt vorm Laptop. Und dann kurz darauf alle Studierenden wieder zurück zur Arbeit, wo alle in sensiblen Bereich mit viel Menschenkontakt arbeiten.

    "I will be so strong looking for an new version of myself
    'cause now all I want is to be a part of my new world"
    (Cecilia Krull - My Life is going on)