Wegen psychischer Krankheit berentet

  • Mich würde mal interessieren, ob jemand von euch hier wegen psychischer Krankheit berentet wurde und wie ihr so damit zurechtkommt. Findet ihr das ganz okay so, oder würdet ihr eigentlich lieber "irgendwas" arbeiten, studieren...? Und wie wirkt sich das auf eure Tagesstruktur und euren Schlafrhythmus aus, habt ihr da eine gewisse Kontrolle, oder ist das alles ins Schlittern geraten? Gibt's vielleicht Aussichten darauf, dass ihr irgendwann wieder selbst Geld verdienen könnt?


    Ich für meinen Teil wurde nicht berentet, war aber dicht dran. Habe ca. 20 Jahre von Hartz leben müssen, was mir gar nicht passte, da ich eigentlich studieren und danach was Kreatives machen wollte. Die meiste Zeit hatte ich keinen "normalen" Tag-Nacht-Rhythmus, weil der sich gefühlt meiner Kontrolle entzog. Na ja, ich will mich nicht mehr beschweren, denn letztlich hab ich mich wieder auf die Beine stellen können. Ich arbeite also wieder (als Freiberufler).

  • berentet (noch) nicht.

    Ich war 1,5 im krankengeld aufgrund der arbeitsunfähigkeit. Danach, seit november 21, vom arbeitsamt geld bekommen. Sie haben mich dann aufgefordert ein antrag auf erwerbsminderungsrente zu stellen. Der antrag ist auch schon raus. Jetzt kommt es drauf an, was die rentenversicherung sagt.

    Davor habe ich (nur) 5 jahre gearbeitet. Bis es eben nicht mehr ging.

    Und ich hasse diese arbeitsunfähigkeit. Ich liebe meinen beruf (konditorin) und möchte am liebsten wieder arbeiten.

    Aber das würde voll nach hinten losgehen.

    Mein tagesrythmus..hm. mal so, mal so. In psychisch ganz schweren zeiten bin ich nachts wach und kann nur tagsüber schlafen. Das war aber auch schon so, als ich noch gearbeitet habe. Der vorteil am konditorin sein. Man ist eh nachts wach. Habe dann halt immer nach der arbeit geschlafen, nicht davor.

    Irgendwann wieder geld verdienen..ich hoffe es. Das kommt wohl darauf an, wie die traumatherapie dann irgendwann läuft. Und die innere kommunikation und co.

  • Ich wünsche dir, dass du eines Tages - möglichst bald natürlich - wieder als Konditorin arbeiten kannst, Puzzlegedanken . Ich glaube, man muss fünf Jahre in Vollzeit gearbeitet haben, um Anspruch auf Rente zu haben, bin mir aber nicht mehr sicher. Ich hatte viel "Spaß" mit der Rentenversicherung, weil der eine (Jobcenter) es auf den anderen (Rententräger) schob. Nachdem ich also einen Rentenantrag gestellt hatte und er abgelehnt worden war, musste ich erneut beim Jobcenter Geld beantragen und die schickten mich wieder zur Rentenversicherung - repeat. Bin heilfroh, dass ich mit diesem Mist nichts mehr zu tun habe. :Halloweenwondering:

  • Bei mir ist es eine 50/50-Sache, nehme ich an.

    Zuerst wegen der Psyche (da kann es nur das gewesen ein), danach, als das physische Alter erreicht wurde, dass man einen eigenen Hartz-Antrag stellen muss, da stand dann meine MS-Diagnose offiziell fest und das kam dann noch oben drauf.

    Wie geht es einem damit?

    Nun... mental geht es mir damit recht gut. Ich denke, besser als im großen Haifischbecken, das sich "Erwerbstätigkeit" nennt.

    Weil - hier hat sich das in etwa mit 17. Lebensjahr des Wirtskörpers manifestiert, dass "ich" nicht gewillt bin, einer von denen zu werden, die in ihrer täglich Arbeit persönliche Glücksseligkeit finden sollen, und die ihr verdientes Geld für Kram ausgeben, den sie nicht brauchen und eigentlich nicht wollen, nur um Leuten zu gefallen, die sie nicht mal mögen. Bei "mir" stand in dem Alter fest, dieses ganze kleinbürgerliche Ding mit "Familie, Kinder, Haus und Hof", das will "ich" alles nicht.

    Mit dem Wissen, was sich mit der Zeit aufgetürmt hat, muss ich hinzufügen: Wäre "ich" auch nicht fähig zu.

    Und, mal so gesprochen: Wenn man das grundlegende Problem hat, dass der Wirtskörper auch noch das falsche Geschlecht hat - ich glaube, da hat man ganz andere Probleme als Karriere und Job...


    Finanziell ist es bestimmt nicht das Beste, allerdings kennt mein Hirn auch keine anderen ökonomischen Verhältnisse als das. "War" also noch nie wirklich vermögender als jetzt. - Was man nicht kennt, vemisst man auch nicht unbedingt. :schulterzucken:


    Die Tagesstruktur - nun ja, zugegeben, der Schlafrhythmus nachts könnte wahrscheinlich besser sein (Nachteule :eule2: im Biorhythmus), auf der anderen Seite, wenn irgendwelche von den regelmäßigen Terminen anstehen, bin ich zumindest so, dass ich sie immer einhalte. Egal wie ich es hinbekomme. Da, sehe ich, haben andere noch einen viel schlimmer abgefuckten Tag-Nacht-Rhythmus.

    Ein bisschen ist die Tagestruktur bei mir auch immer bedarfsorientiert wegen allgemeinen körperlichen Kondition und der Erschöpfung, die vom Hirn herrührt; ich schlafe dadurch mehr, zusätzlich zum Nachtschlaf, als andere. Und das ist eine Sache, die kommt, wann sie will, und nicht, wann ich will oder es mir in den Kram passt. Dem muss ich mich dann also beugen. Und da kann es immer Tage geben, die laufen besser oder schlechter als andere...


    Ach, ja... Vielleicht wichtig zu sagen: An geistiger Beschäftigung mangelt es mir, finde ich, nicht. Hat es noch nie. Eher im Gegenteil. Zu wenig Zeit und zu wenig Energie für alles, wenn man erst mal mit dem täglichen fertig ist... Gibt zu vieles, wofür ich mich in irgendeiner Weise interessiere oder wo ich mehr darüber lernen wollte.

  • Seit zehn Jahren auf Grund Psyche berentet. Ich hatte nie Probleme mit Tagesstruktur. Ich arbeite zwar nebenher immer noch auf Minijobbasis (man darf ja bis zu 450 Euro dazu verdienen), aber auch wenn ich das nicht tun würde, würde ich morgens aufstehen, den Tag über arbeiten, und nachts schlafen, hab hier ein großes landwirtschaftliches Anwesen um das ich mich von Jahr zu Jahr mehr alleinverantwortlich kümmern muss da meine Erzeuger langsam altersbedingt nicht mehr können. Das kann noch heiter werden. Sollten die irgendwann mal ganz ausfallen wird das ein Vollzeitjob.

    Ein paar Monate hab ich mit der Rente auch in einer WG gelebt, da ging es mir ziemlich schlecht aus verschiedenen Gründen, hab mich trotzdem durch einen normalen Tagesablauf gekämpft.


    Ich schätze mittlerweile ob man innerlich und/oder äußerlich verwahrlost wenn man dauerhaft erwerbslos ist, hängt zum einen vom Chrakter und zum anderen von der Umgebung ab in der man sich befindet. Also ob die einem eher hilft Struktur rein zu bringen oder noch zusätzlich runter zieht.


    An manchen Tagen fühl ich mich auch total ...ja, keine Ahung, wie ein aussätziger lebensunwerter Sozialschmarotzer... aber das ist echt nur manchmal und ich hab das Gefühl dass es von Jahr zu Jahr weniger wird. Mein bester Freund dem es ähnlich geht sagt man muss sich einfach mit viel Arbeit im Haushalt und Ehrenamt etc. von diesem Gefühl ablenken, dann gehts schon.


    Ich schätze das gefährlichste ist wenn man dauerhaft erwerbslos in einer Stadtwohnung im "Hotel Mama" wohnt. Also quasi wirklich absolut gar nichts mehr zu tun hat.


    Wobei ich mal jemanden kannte, der sogar das gemanagt hat ohne zu verkommen. Der hatte dann zwar einen umgedrehten Tag-Nacht-Rhythums weil er dann eben Gamen als sein "Beruf" gemacht hat, aber der ist trotz allem kein bisschen verwahrlost, hat sich gesund ernährt und war immer top gepflget und hatte auch keine Sozialphobie.


    Ich denke jedenfalls das hängt wirklich ganz stark vom einzelnen Menschen ab und weniger von der äußeren Situation. Solche Pauschalurteile wie Langzeitarbeitslose werden immer früher oder später zu Assis würde ich jedenfalls nicht fällen.


    Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt auf einem langen, schwierigen und nie endenden Weg
    zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben.

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