Wie geht Ihr mit Selbstmitleid um?

  • Mich würde interessieren wie Ihr mit Selbstmitleid umgeht.


    Ich empfinde Selbstmitleid als wichtigen ersten Schritt zur Selbstreflektion. Der Dauerzustand kann aber äußerst anstrengend sein, da Argumente und Hilfsangebote abprallen, was irgendwann sehr ermüdend wird.


    Wie schaut es bei Euch aus?

    When you can't find the words to say,
    it's hard to make it through another day.
    And it makes me want to cry,
    and throw my hands up to the sky.
    -Adrian Smith-

  • also.. ich beantworte die Frage mal aus der Sicht "Wie geht ihr mit Selbstmitleid bei euch selbst um" (bin mir nicht ganz sicher, wie du es gemeint hast)


    Ich.. hasse Selbstmitleid. Ich kann es ganz und gar nicht ab. Und ich scheisse mich auch jedes Mal gehörig zusammen, wenn ich merke, dass ich mich selbst bemitleide und versuche, es so gut wie möglich zu unterbinden.
    Selbstmitleid empfinde ich als völlig.. unhilfreich und zerstörerisch.
    Eine Situation mag für mich scheisse sein, und ich gestehe es mir auch absolut zu, zu weinen oder/und traurig zu sein, aber Selbstmitleid geht für mich noch einen Schritt weiter und zwar: wenn ich einfach traurig bin oder weine wegen etwas, verwehr mir das nicht die Handlung. Wenn ich selbstmitleidig bin, bedeutet das für mich, dass ich die Situation so hinnehme und mich als das arme kleine Opfer sehe, dass ja gar nichts dafür kann und oh und ah und "halt die Fresse -.-*"
    Was ich damit meine ist dass wenn ich in diesem Zustand des Selbstmitleides bin, ich die Situation akzeptiert habe, nicht glücklich mit ihr bin, nichts dagegen tue und mich einfach voll meinen schlechten Gefühlen hingebe - statt zu probieren, etwas zum Besseren zu ändern oder mich immerhin irgendwie auf andere Gedanken zu bringen/meine Stimmung zu heben.


    Das soll jetzt bitte niemand als Vorwurf auffassen! - um Gottes Willen...
    Das ist einfach nur, wie ich über Selbstmitleid bei mir selbst denke und wie ich (probiere) damit umzugehen
    Das heisst nicht, dass ich irgendjemandem einen Vorwurf mache, wenn er sich dessen hingibt, oder dass meine die beste/einzige/richtige Art ist, damit umzugehen.

    "Ich bin

    Ich bin wie ich bin

    Und ich hab' dich nicht drum gebeten, mich zu versteh'n!"

    ~Nachtmahr~

  • Ich kann es bei mir selbat nur schwer zulassen, einfach mal jammerig zu sein.
    Kommt vor..klar..dann versuch ich aber so schnell wie moeglich wieder aus der Phase herauszukommen und etwas gegen den Zustand zu unternehmen. Wenn das nicht so schnell klappt, helfen meine mitbewohner wunderbar dabei. "Stell dich doch nicht so und nerv uns nicht damit" sind da noch die nettesten Varianten ^^


    Bei anderen.. Ja.. Das ist so eine Sache. Ich finde jeder sollte das so halten, wie es ihm guttut bzw wie er meint das es ihm guttut. Dann aber bitte irgwndwann ohne mich. Ich habe nichts dagegen mir jeden Tag dasselbe anzuhoeren, wenn ich denn merke das die Person etwas dagegen tun moechte.
    Aber wenn jemand die ganze Zeit nur da sitzt, rumweint weil es ihm ja so schlecht geht, man ihm Monatelang versucht Tipps zu geben, man ihm jegliche Hilfe zusichert und dann kommt ein "Ach neeein.. Mir gehts so schlecht.. Das kann bzw will ich nicht..ich warte ab". Ja, dann ist fuer mich irgendwann genug. Es zieht mich ja auch runter, wenn ich miterlebe wie die Person bon Tag zu Tag mehr versumpft in ihrem selbstmitleid.
    Gehilfen ist dadurch nunmal niemandem.


    Also kurzgefasst - schlechte Phasen hat jeder, die stehen auch natuerlich jedem zu. Aber muss auch iiirgendwann etwas aendern wollen, sonst bringt das alles nicht und das Selbstmitleid machts irgendwie nur noch schlimmer, weil man den ganzen Tag nur sein Problem vor Augen hat, und das ausmasse annimmt, die man irgendwann nivht mehr Kontrollieren kann.


  • Bei anderen.. Ja.. Das ist so eine Sache. Ich finde jeder sollte das so halten, wie es ihm guttut bzw wie er meint das es ihm guttut. Dann aber bitte irgwndwann ohne mich. Ich habe nichts dagegen mir jeden Tag dasselbe anzuhoeren, wenn ich denn merke das die Person etwas dagegen tun moechte.
    Aber wenn jemand die ganze Zeit nur da sitzt, rumweint weil es ihm ja so schlecht geht, man ihm Monatelang versucht Tipps zu geben, man ihm jegliche Hilfe zusichert und dann kommt ein "Ach neeein.. Mir gehts so schlecht.. Das kann bzw will ich nicht..ich warte ab". Ja, dann ist fuer mich irgendwann genug. Es zieht mich ja auch runter, wenn ich miterlebe wie die Person bon Tag zu Tag mehr versumpft in ihrem selbstmitleid.
    Gehilfen ist dadurch nunmal niemandem.


    Ja, das geht mir da genauso
    /sign

    "Ich bin

    Ich bin wie ich bin

    Und ich hab' dich nicht drum gebeten, mich zu versteh'n!"

    ~Nachtmahr~

  • Also Selbstmitleid kann schon mal sein bzw. muss manchmal auch sein, und finde ich an sich gar nicht Schlimm, Solange es nicht anhaltend ist!
    bezüglich tipps geben und bla, ist es davon abhängig, möchte der andere was tun, bzw. ist er schon bereit dazu? wenn man merkt nein, dann einfach in ruhe lassen.
    Meist wissen diejenigen sowieso eig. schon wie sie aus einer Problematik rauskommen könnten, es ist wirklich nur die frage ob sie Psychisch schon bereit sind.
    (Ironischer weise hatten wir diese Thema neulich in der Ausbildung, wobei meine meinung sich damit dennoch deckt)


    Übrigens, ich verfalle ab und an gern in Selbstmitleid, niemand ist ja verpflichtet mir zu helfen, bzw. möchte man das ja nicht,
    Manchmal möchte man ja auch gar keine Tipps, und auch kein mitleid von den anderen, manchmal möchte man doch auch nur das jemand sich die Probleme kommentarlos anhört oder?
    naja vllt. bin ich auch der einzige.


    Lg Martienju


  • Manchmal möchte man ja auch gar keine Tipps, und auch kein mitleid von den anderen, manchmal möchte man doch auch nur das jemand sich die Probleme kommentarlos anhört oder?


    Hmm... Irgendwie tue ich mich damit gerade schwer
    Ich finde, über seine Probleme zu sprechen ist völlig normal, das tut/möchte doch fast jeder
    Aber für mich hat das nichts mit Selbstmitleid zu tun
    Oder zumindest nicht per se
    Vielleicht je nach dem in welchem Stil man das tut, ist es ein Ausdruck von Selbstmitleid
    Aber allgemein würde ich "über ein Problem sprechen" nicht unter "selbstmitleidig sein" abstempeln, egal, ob der Erzähler jetzt um Hilfe bei dem Problem bittet oder nicht


    Nur... meine eigene Meinung.. und vielleicht habe ich dich ja auch einfach nur völlig falsch verstanden.. ^^''

    "Ich bin

    Ich bin wie ich bin

    Und ich hab' dich nicht drum gebeten, mich zu versteh'n!"

    ~Nachtmahr~

  • Ich hasse Selbstmitleid bei mir... echt, da könnte ich mich selbst für ohrfeigen, wenn es mal wieder soweit ist. Vorallem im Nachhinein betrachtet frage ich mich dann immer "Wie blöd bist du eigentlich?"


    Selbstmitleid bei anderen ist immer sehr schwer zu beschreiben, da die Fälle doch schon extrem individuell sind. Was ich auf gar keinen Fall möchte ist, hier irgendjemandem auf die Füße zu treten. Manchmal kann auch ein länger anhaltender Zustand von Selbstmitleid hilfreich sein, um zu erkennen, dass es so nicht weitergehen kann.


    Selbstmitleid ist für mich der Zustand, in dem man über dieselben Probleme anhaltend oder immer wieder redet, sich jedoch weigert eigentlich umsetzbare Tipps für sich in Erwägung zu ziehen, diese abschmettert und sich dann weiter oder erneut über seine Probleme beklagt. Dieses Verhalten ist nicht vewerflich! Manche Dinge müssen einfach erst einige Male erzählt werden, bis man bereit ist, daran zu arbeiten. Das sehe ich eigentlich als ganz normalen Entwicklungsprozess an. Ich muss auch erst manche Dinge mehrfach durchgehen, bis ich sie wirklich realisiere, den Ernst der Lage erkenne und bereit bin daran zu arbeiten. Das mache ich aber meist mit mir selbst aus.


    Den Prozess an und für sich finde ich also gar nicht mal schlimm. Wichtiger ist es wie er auf uns als Außenstehende wirkt und wie wir damit umgehen. Für Zuhörer kann es sehr ermüdend werden, immer mit derselben Geschichte konfrontiert zu werden und sich immer wiederholen zu müssen was die Tipps betrifft, nur um dann zu merken, dass die Ratschläge nicht richtig ankommen. Für Außenstehende ist es kein schönes Gefühl helfen zu wollen und dann mit Floskeln a lá "Das kann ich nicht", "Das ist für mich zu schwer" und "Aber mir geht es so schlecht" abseviert zu werden. Man macht sich Mühe, hört zu und bietet Hilfe an, die jedoch nicht angenommen wird. Da fühlt man sich als helfende Person auch erstmal echt blöd.


    ABER: ich empfinde solche Gespräche dennoch als hilfreich für den Betroffenen. Einerseits weil er ja bereits die Tipps bekommen hat, die er braucht und sie dann umsetzen kann sobald er bereit dazu ist. Andererseits wird auch der Betroffene irgendwann merken, dass das Interesse seiner Gesprächspartner schwindet, wenn er anfängt in Selbstmitleid zu versinken und kann für sich selbst den Schluss daraus ziehen, dass es so nicht weitergehen kann. Somit kommt der Betroffene an den Punkt, an dem er sich genügend selbstreflektieren kann und merkt, dass er etwas ändern sollte.


    Auch wenn es für helfende Menschen schwer ist mit dem Selbstmitleid anderer auf Dauer umzugehen, so sollte man nicht den langfristigen Prozess außer Acht lassen, den man anregen kann.

    "Ich wette, wir sollten daraus lernen, aber ich will verdammt sein, wenn ich wüsste was" - Al Bundy

  • Ich finde Melu hats recht gut getroffen.
    Shadowdancer, ich meine wenn jeder (wie Melu erwähnte) immer wieder über die selben Probleme redet.


    Aber du hast mich auch auf den gedanken gebracht dass es (wie bei eig. alle Themen) darauf ankommen wie man (in dem Fall Selbstmitleid) sachen definiert. ^^

  • Hallo ihr,


    Ich kann sowohl Samira als auch Melu großteils zustimmen,
    Das auch für mich Wichtigste zu dem Thema wurde schon gesagt.


    Ich persönlich muss sagen, dass ich mich unter Menschen, die relativ häufig oder intensiv Selbstmitleid zu erleben scheinen (ohne dies grundsätzlich zu verurteilen), inzwischen sehr unwohl fühle. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als auch ich viele Ratschläge nur schwer umsetzen konnte und mit "einfach alles zu viel war". Deshalb liegt es mir fern, die Situation anderer Menschen zu verurteilen. Trotzdem fühle ich mich mit Selbstmitleid auf Dauer nicht wohl - weder bei mir, noch bei anderen. Ich habe hart und intensiv bei mir gearbeitet und wünsche mir inzwischen nichts mehr als konstruktive oder auch kritische Denkansätze meinen Problemen gegenüber.
    Selbstmitleid ist daher für mich kein besonders großes Thema mehr. Ich habe Mitgefühl mit mir angesichts der Dinge, die ich erlebt habe und zum Teil noch erlebe, aber Mitleid empfinde ich dabei als etwas, was mich kleiner macht, als ich bin... schließlich bin ich trotz allem an meinen Erfahrungen gewachsen.


    Das bezieht sich wie gesagt lediglich auf meine eigene Einstellung zum Thema Selbstmitleid. Dass man mal jammert oder sich einfach auskotzen muss, ist völlig klar - so gehts mir auch. Trotzdem finde ich als Gesprächspartner andauerndes Selbstmitleid als sehr ermüdend und versuche daher grundsätzlich, Ideen zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung zu vermitteln - z. B. Skills, Tagebuch schreiben etc.




    Schattenstern

  • Sehr spannendes Thema - vermutlich auch eines bei dem man Leuten schnell auf den Schlips tretet.


    Bei mir selbst kann ich Selbstmitleid auf Dauer nicht aushalten. Habe da eine gute Freundin, die mir mit ihrer Sicht auf das Leben sehr weitergeholfen hat. Ich nehme was kommt und mache was aus der Situation, anstatt ständig zurück zu schauen und mir die „was wäre wenn“ Frage zu stellen. Auch meine Arbeit in der palliativpflege hat meine Art zu denken da nachhaltig verändert.


    Wenn ich mich in meinem eigenen Leid verliere, gehe ich mir meistens relativ schnell selbst auf die Nerven und bemerke dann doch recht schnell, dass nur ich es bin, der die Situation jetzt ändern kann.


    Ich glaube auch, ehrlicherweise, dass ich zu viel Selbstmitleid bei anderen deshalb nur schwer nachvollziehen oder aushalten kann. Das lässt mich manchmal wohl auch ein wenig unsensibel und ruppig rüberkommen, weil ich den Menschen dann mit Ratschlägen meiner Sichtweise auf die Nerven gehe. Da muss ich mich wohl noch kontrollierter zurücknehmen. Mein Weg ist nicht deren Weg.

  • Ich glaube, es ist "immer" ein inneres Nicht-Können, auch wenn es von außen betrachtet noch so sehr wie ein Nicht-Wollen anmutet.


    Irgendeine elementar wichtige Zutat fehlt, um weitere, andere Schritte zu gehen, gehen zu können. Dem ist mit Logik kaum beizukommen. Oft ist das, was fehlt, nicht auf Anhieb erkennbar. Manchmal scheint alles da zu sein - und trotzdem, es geht einfach nicht "weiter".


    Es hat viel mit inneren Zuständen zu tun, mit dem Fehlen von innerem Zusammenhalt. Wenn ein Mensch in Auflösung ist oder sich permanent am Rande der Auflösung befindet, dann ist alles schwierig, selbst das banal Scheinende.


    Für mich hab ich festgestellt, dass eine "Lösung" dann auf ganz anderer Ebene zu suchen ist.., in solchen Zuständen oder Lebensphasen klappt es nicht, ein Problem frontal anzugehen - alles Murks oder von vornherein sowieso unmöglich..


    Lange Zeit dachte ich, eiserne Disziplin sei das probateste Mittel. Nein, manchmal genau das Gegenteil, bis es wieder klappen kann mit der Disziplin.., sonst tötet sie Stück für Stück..


    Nicht falsch verstehen, ich bin durchaus jemand, der sagt, "ein bisschen anstrengen muss man sich schon", sich überwinden, sich einen Ruck geben und dann hat etwas Positives die Chance, von einem Besitz zu ergreifen und weiterzuwirken.


    Raum ist wahrscheinlich wichtig, Freiraum, aber ohne Halt ist auch der tödlich. Wenn man sich selbst nicht (mehr) halten kann, ist man auf äußeren Beistand fast schon angewiesen, wie auch immer der ausschauen mag. Manchmal hilft ein offenes Ohr, ein gutes Wort, eine ausgestreckte Hand, ein bisschen Beisammensein, Friedlichkeit und Wärme.


    Ja, gut, das trägt nicht ewig, hilft aber vielleicht eine Untergangsstrecke zu überbrücken, bis man selbst (wieder) gehen kann.. und im besten Falle selbst Halt und Wärme geben kann, sich und anderen.


    Ganz schwierig, wenn das Laufen nie wirklich gelernt wurde, weil die haltende Hand viel zu früh entzogen oder auf nicht liebevolle Weise oder Schlimmeres eingesetzt wurde.


    All die zu früh aus dem Nest Gefallenen haben es gar nicht mal so leicht mit der Selbständigkeit und der Selbstverantwortung.


    Trotzdem!! ............

  • Vermutlich gehört etwas Selbstmitleid auch dazu, abhängig davon wo man im persönlichen Werdegang im Umgang mit einer Krankheit steckt. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen es mir sehr schlecht ging und ich die Aufmerksamkeit brauchte. Ich musste darüber reden wie schlecht es mir geht und wie sehr es mich belastet. Am liebsten sollte es die ganze Welt wissen.


    Heute ist es anders, denn ich kenne meine Möglichkeiten eine Quasi-Heilung zu erfahren bzw 100% der für mich möglichen Lebensqualität zu erreichen. Trotzdem gibt es vereinzelt noch Stimmungsschwankungen, in denen ich dann auch zeige, dass es mir schlecht geht und ich mich mitteilen möchte. Es sind Bedürfnisse da, die gedeckt werden wollen.


    Bei anderen Personen betrachte ich Selbstmitleid differenziert. Wie schon gesagt: es hängt meiner Meinung davon ab wo und wie man steht zu einer Krankheit. Ich erkenne, dass es anderen schlecht geht und sie das auch kommunizieren.


    Wo ich Selbstmitleid aber nicht mehr ganz so okay finde ist, wenn man selber nicht in der Lage ist zumindest Ansätze zu zeigen, dass man seine Situation verändern möchte, damit es einem besser geht. Also permanent wirklich nur "rumheulen". Das geht für mich gar nicht. Denn von alleine wird es sicher nicht besser. Man muss was tun, viel tun.

    Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
    Edward D. Morrison

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