Sprache und Kommunikation

  • Hallo Leute,


    Ich würde gerne ein Thema beginnen, welches mich gedanklich immer wieder beschäftigt.


    Es geht dabei um Kommunikation und eines unserer wesentlichsten Mittel dazu: Sprache.


    Wie funktioniert Sprache? Welche Wirkung hat sie auf uns Menschen? Verändern Worte unsere Wahrnehmung?


    Dazu erst mal ein meiner Meinung nach sehr interessanter Artikel:
    Sprache und Persönlichkeit



    Sprache ist komplex. Doch ist unsere Welt nicht eigentlich viel komplexer? Ein Wort ist eine Schublade für etwas, kann den Inhalt einer Sache aber nie in all seinen Facetten wiedergeben.



    Ich freue mich auf Denkanstöße, Assoziationen, Rumphilosophiererei und einfach einen netten Austausch... ;)




    Schattenstern

  • Ich melde mich mal zu Wort..


    Sprache ist ein sehr elementarer Bereich in meinem Leben und Alltag, da ich die Sprache (nicht nur die Deutsche) liebe und gerne mit ihr spiele, sie verwende und weiterentwickle.
    Ich bin in der Kernkompetenz Sprache überdurchschnittlich intelligent und daher auch sehr perfektionistisch, wenn es um dieses Thema geht.


    Sprache zu analysieren und zu verstehen sollte eigentlich das Grundprinzip vor ihrer Verwendung sein... Ist jedoch schwer umzusetzen, ich weiß.


    Ich habe die Erfahrung gemacht;
    wer sich mit Sprache auskennt und wem sie liegt, tut sich sehr viel leichter im Alltag, da es einfacher ist, seine Wünsche, Voratellungen, Bedürfnisse und Ideen präziser und differenzierter zu formulieren.
    Es fiel mir schon oft auf, dass ich durch mein "Talent" Sprache bereits einiges gewinnen und erreichen konnte. Ich kann mich beispielsweise gut bei Vorstellungsgesprächen verkaufen oder aber auch bei mündlichen Prüfungen ne 2 reden, ohne wirklich was zu wissen, weil ich es eben im wahrsten Sinne des Wortes "schönrede".


    Leider hat diese Gabe aber auch Kehrseiten;
    es ist sehr schwer, jemanden zu finden, der mit einem selbst sprachlich auf einer Ebene ist, mit dem es möglich ist, ein konstruktives und sinnvolles Gespräch zu führen. Denn wenn sich einer nicht auzsdrücken kann, ist es schwer, mit ihm zu diskutieren oder zu philosophieren ("dieses Dings da ist für mich, du weißst schon, echt krass, aber das andere Teil da auch..."), you know... :shocked:
    Es ist oft auch schwer, von anderen Menschen verstanden zu werden, da ich mich oft in einer Komplexität ausdrücke, die für Menschen mit weniger hoher Sprachbegabung leider oft nur schwer nachvollziehbar ist...


    Sprache ist jedoch zum Glück nur ein Mittel der Kommunikation, daher besteht immerhin die Option, diese unterstützund hinzuzuziehe oder diese primär zu verwenden.
    Die Hauptsache ist nämlich, dass die beiden Kommunikationspartner sich verstehen.

    Grafin bein grotna í jörðunni, eins og leyndarmálin þín sem þú hélst forðum burt frá mér.
    En blóðið þyngr´en þögnin er. Svikin orð, grjót í kjafti þér, rista dýpra en nokkur sár.

  • Liebe Fjara,


    Eines möchte ich auf jeden Fall sagen: Wenn du das Bedürfnis hast, dich hier sprachlich auszutoben - nur zu. Mir selbst wurde ebenfalls vor drei Jahren eine sprachliche (und allgemeine) Hochbegabung diagnostiziert und ich weiß, wie es ist, mit dieser Gabe und Barriere zu leben. Perfektionismus in dieser Hinsicht kann ich sehr gut nachvollziehen - wobei ich diesen Anspruch nur an mich selbst richte von was Andere betrifft eher nachsichtig bin (es sei denn, ich weiß, sie können es besser). Ich wurde auch schon mal als "Sprachfetischist" bezeichnet und habe mir so manchen schiefen Blick in der Schule eingehandelt - inklusive der Aussage einer Lehrerin, ich sei im Lehrerzimmer aufgrund meiner schriftlichen Arbeiten "bekannt wie ein bunter Hund".


    Hm, ansonsten bin ich gerade zu abgelenkt für weiteres zum Thema Sprache. Auf dieses Thema werde ich aber definitiv noch öfter zurückkommen.

  • Oh ja, Sprache ist sicher ein sehr faszinierendes und vielschichtiges Thema, das mich auch sehr interessiert.
    Ich für meinen Teil kann mich schriftlich viel besser ausdrücken als mündlich. Warum das so ist, weiß ich leider auch nicht.
    Eigentlich würde ich sogar sagen, dass Sprache ein wichtiger Bestandteil dessen ist, was uns zu Menschen macht. Natürlich haben auch Tiere ihre eigene Form von Kommunikation, allerdings auf einer anderen - nicht höheren oder tieferen - Ebene.
    Es ist einfach unglaublich, wie vielfältig Sprache sein kann. Zwar gibt es Worte, die eine ähnliche Bedeutung haben, trotzdem unterscheiden sie sich alle irgendwie. Der Mensch ist so eng damit verbunden, dass er diese feinen Unterschiede auf eine bestimmte Weise spüren kann. Diese Fähigkeit ist v.a. bei der Muttersprache sehr ausgeprägt. Um sie auch für eine Fremdsprache zu erlangen, muss man sich sehr intensiv mit dieser beschäftigen (oder sprachbegabt sein).


    Andererseits kann ein und derselbe Satz für verschiedene Personen unterschiedliche Bedeutungen haben, weshalb so oft Missverständnisse entstehen. Ich habe vor ein paar Jahren angefangen, genau darauf zu achten, und mir ist aufgefallen, dass die allermeisten kleineren Konflikte wirklich auf diesen Kommunikationsproblemen beruhen. Zu Sprache gehört auch mehr als nur Worte, auch Betonung, Körperbewegungen, Gesichtsausdrücke etc. sind Teile davon. Man versucht zwar, jedes einzelne Wort so genau wie möglich zu definieren, aber auch eine Definition besteht aus weiteren Wörtern, die ebenfalls definiert werden müssen. So entsteht eine endlose Kette. Sprache ist zu umfassend, um sie greifen zu können, wodurch sich ein breites Feld für Missverständnisse ergibt.
    Für mich persönlich ist Sprache etwas Wunderschönes und Verzauberndes. Ich liebe Bücher, Geschichten, Gedichte, Reime und einfach alles, was damit zusammenhängt.
    Und ja, auch ich schreibe sehr gerne, wobei ich sehr auf meine Wortwahl achte. Wenn sich in meinen Texten irgendetwas ständig wiederholt, (z.B. "dass") kann mich das ziemlich auf die Palme bringen.


    Da ich zudem oft chatte, merke ich natürlich, wie sehr man in die Versuchung gerät, Abkürzungen und kaum verständliche Satzfetzen zu benutzen. Ich habe mich oft gefragt, warum manche Leute solche Probleme mit Rechtschreibung haben (damit meine ich nicht Lese- und Schreibschwäche) oder nicht wissen, wo man ein Komma setzen soll. Schließlich muss man das doch im Gefühl haben, oder? - Seit ich chatte, fällt mir auf, wie oft ich in letzter Zeit darüber nachdenken muss, ob ich nun ein Komma setzen soll oder nicht; oder ob dieses Wort richtig geschrieben ist. Früher ging das ganz automatisch und ich habe kaum Fehler gemacht. Auch bringt der Deutschunterricht mich mit diesen unzähligen Grammatikregeln durcheinander. Grammatik ist ja mehr oder weniger die Erforschung der Sprache. Wenn man eine Fremdsprache lernen will, ist sie natürlich unabdingbar, aber in meiner Muttersprache verwirren mich diese vielen Regeln und Ausnahmen eher, als dass sie mir helfen.



    Auf der anderen Seite spuken mir auch oft gegenteilige Gedanken im Kopf herum.
    Sprache erweitert unseren Horizont, schränkt uns aber manchmal auch ein. Klingt das jetzt paradox? Gut möglich.
    Inwiefern sie uns bereichert, habe ich schon erwähnt, kommen wir also zum "Einschränken".
    Für mich gibt es Dinge, die zu fantastisch oder zu groß sind, um sie in Worte zu fassen, obwohl man mit Worten wahre Wunderwerke vollbringen kann.
    Das wären manche Gefühle, spirituelle Erlebnisse oder ähnliches. Ich kann mir z.B. Unendlichkeit vorstellen, könnte sie aber niemals mit Worten erklären. Und wie schwierig ist es, mal einfach an nichts zu denken, an kein einziges Wort? Wenn man das versucht, wird man es wahrscheinlich erst recht daran denken. Von daher bewundere ich alles, was mit Meditation o.ä. zu tun hat. Ich bewundere Menschen mit einer engen Verbundenheit zum Sein und zur Natur, ich bewundere Menschen, die sich von Zeit zu Zeit einfach vom Irdischen lösen, ihre Seele schweifen lassen und damit so einige übersinnliche Erfahrungen sammeln können. Aber Sprache bewundere ich auch - die mancherorts übliche Schweigepflicht wäre definitiv nichts für mich.


    Das mögt ihr vielleicht anders sehen, doch für mich ist es so, dass dieses Bedürfnis, alles in Worte fassen zu wollen, den Menschen auch zum Teil von der Natur trennt und für ihn einige Dinge unbegreiflich macht. Ich bin Atheist - sollte es irgendeine übergeordnete Macht geben, würde man sie wohl niemals mit unserem begrenzten Verstand oder mit Logik erfassen können. Vielleicht hat auch der Pantheismus recht? Und vielleicht würden wir manche Dinge besser verstehen, wenn wir keine Sprache kennen würden? Oder eher nicht, weil wir uns dann gar keine Gedanken darüber machen würden? Wer weiß.
    Daher ist für mich beides wichtig: Ein gutes Gefühl für Sprache zu haben, sich gleichzeitig aber auch davon lösen und sich mit Dingen befassen können, die darüber hinausgehen. Dies ist nicht so einfach, trotzdem habe ich mir fest vorgenommen, es zu erlernen. Zwar werde ich nie so eine tiefe Verbindung dazu haben wie beispielsweise buddhistische Mönche, die dem ihr ganzes Leben widmen; doch mein Ziel ist es eher, eine gute Mischung aus beidem zu finden.

    "If you can't fly, then run
    If you can't run, then walk
    If you can't walk, then crawl
    But whatever you do
    You have to keep moving forward."

    -Martin Luther King Jr.

  • Eigentlich würde ich sogar sagen, dass Sprache ein wichtiger Bestandteil dessen ist, was uns zu Menschen macht.

    Mit dieser Meinung bist du nicht allein.
    Bereits Aristoteles hat den Menschen als "Zoon logon echon" definiert, als ein Mensch, der den Logos (altgr. für Logik, Sprache, Rede) besitzt. Locke, Herder, Humboldt... alle haben irgendwo die Sprache als das Unterscheidungsmerkmal zwischen Tier und Mensch gesehen.

    Andererseits kann ein und derselbe Satz für verschiedene Personen unterschiedliche Bedeutungen haben, weshalb so oft Missverständnisse entstehen.

    Ich sehe in den Mehrdeutigkeiten und potenziellen Missverständnissen kein Problem, sondern eher eine Stärke der Sprache. In der analytischen Philosophie hat man versucht die Sprache auf ein Werkzeug zur Hervorbringung von Erkenntnis zu reduzieren. Anhand von bestimmten Definitionen und Analysen sei es dadurch möglich, eine klare und missverständnislose Sprache zu entwickeln, in der eindeutig geklärt werden könne, ob ein Satz wahr oder falsch ist (Frege, Russell, frühe Werke von Wittgenstein)
    Aber ich finde gerade diese Mehrdeutigkeit macht die Sprache erst zu einem gesellschaftlichen Spiegel. Und in einer Gesellschaft gehört es nun einmal auch dazu, bestimmte Sprachfärbungen auszudiskutieren und sich intersubjektiv darauf zu einigen. Wenn dies nicht auftritt, so ist es nicht das Versagen der Sprache selbst, sondern der Kommunikation zwischen den Individuen.
    Ich denke, dass wir der Sprache bis zu einem gewissen Grad unterliegen. Ich kann nicht einfach definieren, dass "Gestank" für mich "Geruch" bedeutet und mich im Nachhinein wundern, wieso mich alle seltsam angucken, wenn ich sage: "Der stinkt aber toll." Ich könnte schon - aber es würde die Funktion und den Gebrauch der Sprache verfehlen.

    Für mich gibt es Dinge, die zu fantastisch oder zu groß sind, um sie in Worte zu fassen

    Das ist sehr interessant, denn es wirft die Frage auf, ob wir Menschen sprachlich verfasste Wesen sind oder ob es ein sprachfreies, sprachunabhängiges Denken gibt. Nach dieser Auffassung können Menschen nämlich Dinge denken, ohne sie sprachlich zu erfassen.
    Es gibt Philosophen, die Denken und Sprache als ko-konstitutiv ansehen, dass wir nur denken können, was wir in Sprache ausgedrückt haben. Aber darauf mag ich nicht länger eingehen und verweise lediglich auf Herders sprachphilosophische Überlegungen.


    Verändern Worte unsere Wahrnehmung?

    Das ist eng damit verbunden.
    Humboldt hat sich dazu sehr ausführlich geäußert. Für ihn verhält sich Sprache beispielsweise ko-konstitutiv zum Denken. Während bspw. Aristoteles noch davon ausgegangen ist, dass Sprache nur die Wirklichkeit repräsentiert, bestreitet Humboldt das. Er behauptet, dass Sprache unser Denken subjektiv beeinflusst und unsere Assoziationen notwendig an unsere Einzelsprachen gebunden sind. Sprache gibt uns damit eine spezifische Weltansicht. Es gibt ja den Irrtum, dass es in der Eskimo-Sprache 23 Wörter für Weiß gibt... das wäre beispielsweise eine dieser sprachabhängigen Perspektiven.

  • Sprache verändert definitiv das denken. Es ist erwiesen, dass unterschiedliche Sprachen beispielsweise für Farben die von deutschen als eine Farbe wahrgenommen werden mehrere Bezeichnungen haben und bestimmte Töne wesentlich detaillierter wahrnehmen als wir es tun.
    Hab vor einigen Jahren mal einen sehr interessanten Artikel dazu gelesen. Kann mal gucken ob ich den wieder finde.

  • Mich würde dieser Artikel interessieren. Wenn du ihn finden würdest, wäre es echt toll.


    Es ist erwiesen, dass unterschiedliche Sprachen beispielsweise für Farben die von deutschen als eine Farbe wahrgenommen werden mehrere Bezeichnungen haben und bestimmte Töne wesentlich detaillierter wahrnehmen als wir es tun.

    Ich weiß nicht, ob ich diese Schlussfolgerung so schlüssig finde.
    Natürlich haben verschiedene Einzelsprachen andere sprachliche Ausdrücke für bestimmte sinnliche Wahrnehmungen. Aber das bedeutet zum einen nicht, dass eine Sprache diese Ausdrücke in irgendeiner Weise ersetzen könnte (Gelb - Gelb wie Zitronen - dunkles Gelb - etc) und zum anderen bedeutet es nicht notwendig, dass man sie weniger detailliert wahrnehmen kann.
    Wenn man bestimmte Differenzen von einer Allgemeinvorstellung (gelb) in der Sprache definiert, dann ist es selbstredend, dass man sich eindeutiger darüber unterhalten kann, denn zweideutig kann es nur werden, wenn man sich der Definition nicht bewusst ist oder es keine gibt. Und dann ist natürlich auch klar, dass solche, die dieses Sprach-Repertoire beherrschen, besser bei solchen Versuchen abschneiden. Wobei ich den Versuchsaufbau/Durchführung natürlich nicht kenne und dies eher nur spekulativ ist.
    Was ich damit sagen will ist: ich glaube nicht, dass die chinesische Sprache ein exaktes Adäquat zu dem Wort Bernsteinfarben hat... aber Chinesen können es ja trotzdem sehen und nehmen es sicherlich nicht anders wahr - sie scheitern nur dabei, anderen in der Eindeutigkeit und Einfachheit, wie wir sie haben, diesen Gedanken zu vermitteln/nach außen zu transportieren.


    An sich erscheint mir Sprache ebenso ko-konstitutiv für unser Denken und unser Weltverständnis. Nur diese Beweisführung war für mich nicht ganz schlüssig.

  • Die Beweisführung war vor allem zu kurz und der Artikel zu lange her (bzw. das lesen des selben). In dem Artikel wars schon ziemlich schlüssig. Ging nämlich genau darum wie Sprache eben doch durchaus die Wahrnehmung verändert. Gab auch andere Beispiele dafür, die sind mir bloß nimmer eingefallen.