Zu viel oder zu wenig - immer im Extrem

  • Ich habe im Kontakt mit Menschen fast immer das Problem, dass es in Extremen verläuft und kein "gesundes Mittelmaß" gibt, auf dem sich tragbare und dauerhafte Bindungen aufbauen ließen. Sei das nun bei Freundschaft oder bei Beziehungen; es ist einfach immer das Gleiche.


    Mit Frauen finde ich nur schwer guten, tiefgründigen Kontakt. In der Grundschule von einem älteren Mädchen beschimpft, verfolgt und angegriffen, von zwei besten Freundinnen "ausgetauscht" und stehen gelassen sowie bei der Arbeit von einer Kollegin gemobbt und ständig angeschwärzt worden - ich hab massive Probleme mit Vertrauen in Frauen.


    Mit Männern komme ich prinzipiell besser zurecht. Liegt vielleicht auch an den drei Brüdern mit denen ich aufwuchs. Aber auch das hilft beim Aufbau langfristiger Kontakte nicht.


    Entweder ich finde überhaupt keinen Zugang zum Gegenüber und dann verläuft der Kontakt immer schnell im Sande. Oder ich hab einen zu intensiven Zugang und der Kontakt entwickelt sich viel zu schnell.


    Oft kam es dann auch vor, dass ich mich dem Gegenüber vertraut und freundschaftlich verbunden fühlte, die andere Seite aber mehr empfand. Dann ist der Kontakt daran gescheitert. Denn ich kann und will auch niemanden mit der "Sehnsucht nach mehr" quälen, indem man einfach stur versucht einen
    freundschaftlichen Kontakt fortzuführen.


    Manchmal - das ist aber auch extrem selten - kommen mir Menschen dann auch so nahe (nicht rein körperlich gemeint), dass es mir Angst macht. Angst, dass es wieder "zu viel" wird oder dass ich der Erwartungshaltung nicht entspreche und dann wieder ausgetauscht und stehen gelassen werde. Dann geh ich automatisch auf Distanz weil ich dieses Spannungsgefühl und die Angst vor erneuter Enttäuschung nicht aushalte...


    So oder so... letztendlich steh ich dann immer allein da, weil ich einfach keine Basis finde für dauerhaften Kontakt.


    Kennt das jemand von euch und hat das vielleicht auch jemand schon überwinden können? Wie kommt man davon los? Es kann doch nicht die Lösung sein allein zu bleiben!? :halloween-16:


    - Caedys

  • Liebe Caedys,


    der Text könnte von mir sein... abgesehen davon, dass ich mit einem Bruder und einer Schwester aufgewachsen bin...
    Aber mir geht's genauso... ich kann mit Frauen nicht so gut und mit Männern ist es schwierig... außerdem wenn ich mal Zugang gefunden habe, wird es schnell zu intensiv und ich fordere zu viel... am Ende bin aber auch ich immer alleine...
    Ich kann dir deshalb keinen Tipp geben, aber du weißt jetzt wenigstens, dass du nicht alleine bist.


    Viele Grüße
    Nighti

  • ... allein ist man besser dran,
    es bedarf keine rücksicht,
    vertauen nur im sichtbereich,


    ja, so leben wir... so richtige freundschaften,
    wenn ich die von mir irgendwo geschriebenen werte zitieren würde,
    nun dann hatte ich wohl keine...


    sie waren kurz, auf geben und nehmen ausgelegt,
    meist endeten sie mit entäuschung.
    und eine die über 40 jahre bestand hatte,
    sie war letztlich mit missbrauch in meinen kindheitstagen verbunden..


    will man da, sich einen anderen überhaupt noch anvertrauen,
    sich soweit öffnen, lieben?


    nein, dass lohnt nun für die noch zu erwartenden lebensjahre auch nicht mehr.
    ja, ich verstehe dich darin....


    buddl1, daher, was soll`s, bin auch so alt genug geworden...

  • Ja, ich kenne das auch. Ich komme an sich mit Frauen weniger klar, ich weiß nicht. Aber hatte nur einen Bruder.
    Ich wünschte ich könnte dir helfen und dir sagen, was du besser machen kannst, aber wenn ich es wüsste wäre ich nicht hier. ._.


    Hoffentlich finden wir irgendwann eine Lösung.

    Ich habe Angst davor, nicht genug Zeit zu haben. Nicht genug Zeit, um die Menschen zu verstehen, wie sie wirklich sind.
    Ich habe Angst vor den Vorurteilen, mit denen jeder in dieser Welt lebt und vor den Fehlern, die jeder macht.
    Denn man hat nicht genug Zeit, um diese auszubessern.

  • Zu viel oder zu wenig. Ein mir sehr vertrautes Phänomen. Sowohl in Beziehungen als auch im alltäglichen Leben.


    Meistens reicht es schon, dass ich bin wie ich bin und damit gleichzeitig viel zu viel und gleichzeitig viel zu wenig bin. Zu viel dessen, was nicht zu ertragen scheint und zu wenig dessen, was gebraucht wird und angeblich richtig und wichtig sein soll ;-)

  • Hm ja sowas ähnliches kommt mir auch sehr bekannt vor....Beim Zusammensein mit anderen Menschen bin ich entweder der ruhige, unnahbare und schwer einzuschätzende Eigenbrötler, der fast nie was sagt oder ich bin der Freak, der einem in unverblümtem Seelenstriptease direkt sein halbes Leben aufs Auge drückt und denjenigen damit verschreckt und auf Abstand zwingt...
    Da ich eh Angst vor anderen Menschen habe, will ich in meinen sehr seltenen guten Momenten möglichst ehrlich und offen sein...einfach "alles richtig machen" und dann ists auch wieder nicht richtig.


    Das ist extrem frustrierend -.-
    Scheiß Leben

  • Auch ich kenne das Problem, nicht das richtige Maß zu finden. Ich versuche es aber in Beziehungen zu kommunizieren. Wenn beide ähnlich ticken, sollte da doch eine Gesprächsbasis sein.
    Sag mir , wenn ich dir zu nahe komme und melde dich, wenn ich dir gefühlt, zu weit weg erscheine.