Mental Illness Merchandise

  • Vielleicht habt ihr sowas ja schonmal gesehen, mich persönlich macht das irgendwie wütend. Produkte wie Shirts, Anhänger, Karten, usw. die psychische Krankheiten verharmlosen, glorifizieren und zu sowas wie einem Trend erheben wollen.
    Sowas wie das hier:


    Oder das


    Oder das


    Oder auch die hier


    Ganz allgemein Produkte, bei denen es darum geht sich mit psychischen Störungen zu schmücken.


    Das ganze geht meiner Meinung nach von dem Trend auf sozialen Plattformen wie tumblr, Instagram und Twitter aus, wo ebenfalls geistige Krankheiten immer wieder gefeiert und gefördert werden. Wo Sprüche wie "Suicidal people are just angels that want to go home" gepostet werden und weshalb der Vorwurf "Du willst ja nur Aufmerksamkeit" immer öfter angebracht wird, wenn jemand versucht seine Probleme zu thematisieren und sich Hilfe zu suchen.



    Wie seht ihr das? Kann ja auch sein, dass ihr diesen Trend völlig okay oder harmlos findet. Würde mich mal interessieren, weche Meinung ihr dazu habt.

  • Ich kenne diesen Trend und finde ihn nicht gut. Ernste Themen werden auf eine herabwürdigende Weise kommerzialisiert. Die Modeindustrie geht da, mal wieder, zu weit. Ich erinnere mich da an so Sachen wie "my first bra", die Stiefel mit Hakenkreuz-Profil oder die Auschwitz-Uniform. Jedenfalls, um zurück zu kommen: Hier wird eine klare Grenze des moralisch Vertretbaren überschritten. Die Industrie darf diese Kommerzialisierung nicht vorantreiben, da ich fürchte, dass der Konsens in der Gesellschaft in Bezug auf psychische Leiden noch mehr fehlgeleitet wird wie eh schon und alles einfach als "pubertäre Phase" abgetan und fehlinterpretiert wird.


    Ich empfinde diesen Trend als ekelerregend und bodenlose Frechheit.

    Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
    Edward D. Morrison

  • Ich finde es okay,wenn man sich selbst als psychisch kranker Mensch ab und zu ein wenig auf den Arm nehmen kann.Das kann viel Spannung herausnehmen und schützt vor Selbstmitleid.
    Glorifizieren sollte man Krankheiten nicht...genausowenig wie man Gesundheit glorifizieren sollte.
    Krankheit ist ein Zustand.Darüber sollte man sich nicht definieren.

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe die wir hinterlassen wenn wir gehen.


    Albert Schweitzer

  • Find ich auch ziemlich daneben.
    Es gibt ja schon seit Jahren z.B. diese Shirts mit dem Spruch "Nicht therapierbar" drauf... damit kann ich mich noch anfreunden.
    Aber das da oben geht in den meisten Fällen zu weit.


    Habe es auch im Arbeitsumfeld mehrfach erlebt, dass Krankheiten "erfunden / vorgeschoben" wurden, um eine Ausrede zu haben, wenn man seinen Job nicht ordentlich erfüllt hat oder schlicht und ergreifend faul war.
    Oder Fälle, in denen dann auch auf zusätzliche Aufmerksamkeit oder auch Mitleid (es soll Leute geben, die mögen und wollen das - ich finde es persönlich eher schrecklich) gehofft wurde indem man sagte man habe dies und jenes oder auch nur "die Befürchtung" es zu haben usw.


    Solche Aktionen helfen absolut nicht, eine Stigmatisierung abzubauen. Und die gibt es weit verbreitet nach wie vor.
    Erst werden alle Betroffenen über einen Kamm geschert vonwegen "alle schwach / alle jammern zu viel / alle Psychos und gefährlich" ... und jetzt ist es trendy Probleme zu haben, die einem mitunter den Alltag zur Hölle machen? Ganz großes Kino! :5:


    Was kommt als nächstes? Eine Modelinie nach dem Motto "Bataclan-Blutbad: Ich war dabei!" im Sinne von Abi-Abschluss-Shirts? *Kopf schüttel*


    Ich finde es okay, wenn man sich selbst als psychisch kranker Mensch ab und zu ein wenig auf den Arm nehmen kann.

    Da gebe ich dir recht. Als Betroffener finde ich es wichtig und richtig, dass man sich nicht selbst verurteilt und geiselt für das, womit man zu kämpfen hat, sondern auch gelegentlich mal mit etwas Humor mit sich selbst umgehen kann. Aber ein generelles "psychische Erkrankungen durch den Kakao ziehen" find ich dann doch zu viel des Guten.


    - Caedys

    It's rather easy to shine in the light. But to glow in the dark - that's mastery!

    Einmal editiert, zuletzt von Caedys ()

  • In gewisser Weise kann man ja mit Humor Dinge verarbeiten. So gesehen habe ich auch nichts gegen einen humorvollen Umgang mit psychischen Krankheiten. Eventuell können auch andere dann die Krankheiten besser verstehen, als wenn man ihnen stupide irgendetwas herunterbetet. Aber die Kleidung zieht für mich eher darauf ab, zu der jeweiligen "Gruppe" zu gehören und es toll zu finden. ("Guck mal, ich bin auch psychisch krank." - "Jo, willkommen im Club!") Nur das Shirt mit "Depression" finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. Durch die verschiedenen Schriftgrößen hat es was und wirkt mehr abstrakt und kunstvoll statt glorifizierend. (Wahrscheinlich würde ich es zwar trotzdem nicht tragen, aber egal.)


    Bei dem Shirt mit der Schizophrenie kommt noch hinzu, dass sie - wie so oft - mit einer Persönlichkeitsspaltung verwechselt wird... (Ich glaube zumindest nicht, dass mit dem Wechsel von "ich" zu "wir" irgendwelche Stimmen oder Erscheinungen gemeint sind, sondern Persönlichkeiten. Oder liege ich falsch? Dann habe ich nichts gesagt.)

  • Ich find das halb so schlimm, nur den Anhänger finde ich etwas geschmacklos und auch das "Eat less"-Shirt, aber der Rest ist doch witzig. Vllt liegt das aber auch dran, dass ich ein ziemlich sarkastischer Mensch bin.
    Aber ich sehe das wie Catdalf, man muss sich auch hin und wieder auf den Arm nehmen (lassen), das macht, für mich zumindest, alles ein bisschen leichter.

    Laut Statistik ist eine von fünf Personen verrückt.
    Wenn um dich herum vier Leute sind, die dir normal erscheinen,
    sieht's schlecht aus.


    [Jean-Claude van Damme]

  • So eine Scheiße kann nur jemand gut finden der keine psych. Probleme hat.
    Deswegen ärgert euch nicht, steht darüber. Ich glaube es ist nicht einmal boshaft gemeint.
    Denn verwechselt Boshaftigkeit niemals mit dem, was ausreichend mit Dummheit erklärt ist.


    Ich beobachte einen Trend das es wohl "schick" gilt, wenn man Depris oder Psych. Probleme "angibt".
    Zum Therapeuten rennt, positiven Krankheitsgewinn bekommt und im Gespräch ist.
    Das hat auch einen gewissen Krankheitswert.

  • Ich kann mit sowas nichts anfangen,habe Kleidungsstücke mit solchen Aufschriften auch noch nie getragen.
    Eine Freundin von mir hat auch psychische Probleme,die postet auch gerne mal solche Sprüche usw,das kann ich aber auch gut verstehen,weil es für den Betroffenen dann einfacher wird mit solchen Problemen umzugehen,wenn man selbst auch mal drüber lacht.


    Leute die aber keine solchen Erkrankungen haben und solche Dinge tragen weil sie sie super witzig finden,finde ich aber schon sehr daneben,das zeugt einfach nur von Ahnungslosigkeit.


    Aber ist eben die Modesindustrie,die muss man nicht verstehen,da wird es auch als cool und modisch angesehen wenn man wie ein Clown aussieht :facepalm:

  • Ich denke, dass man dieses Thema sehr differenziert betrachten sollte.


    Es gibt Merch, der eine klare Pro-Haltung deklariert, die für einige Altersgruppen weniger geeignet ist, da er "anstachelnd" wirken könnte. Diesen finde ich wenig angebracht.


    Dann gibt es solchen, der Dinge mit Humor betrachtet, was ich nicht zwingend verkehrt finde, da er ein wenig "Leichtigkeit" in schwierige Themen bringt.


    Und dann gibt es noch solchen, der ein Statement setzt... nach dem Motto "Hey, ich bin krank, aber ich kann damit gut leben." Und den finde ich gut!


    Meiner Meinung nach ist eine psychische Erkrankung nicht zwingend etwas, was furchtbar grausam ist und einem das Leben ruiniert. Es gibt Erkrankungen, die kann man nicht ändern und mit denen MUSS man zwangsläufig sein Leben verbringen. Warum diese nicht annehmen und das Beste draus machen? Warum nicht dazu stehen und zeigen "Hey, das Leben geht weiter... trotz der Tatsache, dass ich xy habe."
    Wir Menschen neigen dazu alles in ein sehr negatives Licht zu rücken, uns schnell von Dingen angegriffen zu fühlen usw. Aber es geht auch anders.


    Und wie immer im Leben gilt für mich bei allem das Grundprinzip:
    Wenn es anderen nicht schadet (siehe mein erstes Beispiel), dann sollte jeder das tun, tragen, sagen und was auch immer machen dürfen, wonach ihm der Sinn steht.
    Wer also solchen Merch tragen mag: Bitteschön. Go for it!