Hat jemand schreib Tipps?

  • :huhu1:


    Ich könnte einmal Hilfe gebrauchen, Tipps... falls jemand der selbst schreibt das gleiche Problem hat.


    Ich werde gerade wieder von Frust und Selbstzweifel aufgefressen.
    Ich schriebe schon seit Jahren und doch habe ich bis heute nie etwas wirklich beendet. Ok, vielleicht damals als Kind die Mini Geschichten.
    Ich kann einfach nicht durch schreiben. Meine Gedanken springen so schnell hin und her.
    Wenn ich dann mal einen Anstatz gefunden habe und gerade mal ein paar Zeilen geschafft habe, driffte ich entweder weg und hänge im leeren fest oder aber ich hab eine ganz neue Idee wie es weiter gehen könnte.
    Dann habe ich mal Angefangen das was ich an Ideen im Kopf habe auf zu schreiben und wollte versuchen es dann alles zu verbinden, womit ich gloreich gescheitert bin, weil immer neue Sachen dazu kammen.
    Plötzlich hatte ich ne Story zu neben Charakteren im Kopf, so das meine Hauptstory föllig in den Hintergrund gerückt ist und ich da dann was neues aufgemacht habe.


    Wie kann ich es schaffen mich besser zu fokusieren und nicht alle 2-5 Min ab zu schweifen und auch mal durch stellen kommen die vielleicht nicht ganz so spanend sind.
    Und wie geht ihr damit um wenn euch Selbstzweifel kommen? Ich werde von diesen Mist Dingern regelmäßig fast aufgefressen, so das ich immer wieder kurz davor bin komplett aufhören zu wollen.


    :00000659::danke1:

  • Versuch es mal mit einem Storyboard und Charakterbögen.
    Struktur bringt Sicherheit in ein Projekt.


    Das erste was Du in dem Fall tun kannst ist ein Konzept skizzieren. Du fängst also ganz grob an und erstellst erst einmal einen Fahrplan, inklusive Spannungsbogen, der den Rahmen der Handlung festlegt.


    Sagen wir beispielhaft etwas drastisches...
    Ort: Kosovo; Zeit: April 1998 bis Juni 1999; Stil: Kriegsdrama/Liebesdrama, ich-Form, Tagebuch/berichtend. Wechselnde Perspektiven verschiedener erzählender Personen.


    Dann legst Du die grobe Handlung fest: Verwaistes Mädchen (16) auf der Suche nach Schulfreund, der mit seinen Eltern zusammen verschleppt wurde. Flucht vor Häschern. Hilfreiche Milizen. Entpuppen sich als potenzielle Vergewaltiger. Erneute Flucht. Perspektivwechsel NATO-Soldat aus Britannien. Einsatztagebuch. Beschreibung der flüchtenden Massen. Hunger, Krankheit, Elend. Machtlosigkeit des Soldaten gegen Verbrechen vorzugehen - keine Erlaubnis durch Befehlsstand. Massaker von Reçak. Forderung nach Aufdeckung des Kriegsverbrechens. Tätersuche. Perspektivwechsel zurück zu Mädchen. Überlebende. Zeugen des Massakers. Mädchen erhält finale Botschaft. Freund ermordet. Ende.


    Du versuchst also das unglaublich komplexe Format Deiner Geschichte in möglichst wenige, aussagekräftige und logisch schlüssige Worte zu fassen. Je oberflächlicher es wirkt, desto besser kannst Du Dich daran orientieren und später den Faden wiederfinden. Das bedeutet natürlich absichtlich Details zu vermeiden und das ist auch gewünscht. Bei dieser Methode kommt es auf Schnelligkeit an, damit man nicht in vermeintlich guten Ideen ertrinkt.


    Mir hilft es die zu skizzierende Handlung wie einen Kinofilm vor dem Auge ablaufen zu lassen und einen aussagekräftigen Trailer daraus zu schneiden, der Hunger darauf macht ins Kino zu gehen. Vergeude keine Zeit mit langatmigen Schilderungen von Kleidung, Wetter und Musik aus dem Radio. Das ist eventuell beim späteren Klarschreiben wichtig. Es soll ein Leitfaden sein.


    Wichtig ist das Ganze komplett bis zum bitteren Ende durchzuziehen, also bis Deine Geschichte ihr Ende findet und sie muss eines finden, sonst ist sie keine Geschichte sondern nur eine Kette unzusammenhängender Worte. Also ein Ende muss her. Du kannst es im Verlauf der Projektarbeit noch abändern - aber da wäre ich vorsichtig. Je mehr man zulässt dass man dran herum pfuscht, desto eher verrennt man sich in Perfektionismus. Und nicht nur beim Programmieren ist verfrühte Optimierung die Wurzel allen Übels, sondern auch beim Schreiben.


    Charakterbögen sind das was man aus der Film und Spielbranche kennt. Es sind Skizzen-bögen, die sowohl die optische als auch die charakterliche Form einer Figur beschreiben. Kennt man auch unter style bzw. model sheet.


    Wenn Du des Zeichnens mächtig bist, fertigst Du Dir Zeichnungen Deiner Charaktere an und beschreibst sie in Stichworten. Also: Mädchen, 16jährig, lange nußbraune Haare, schmale Lippen, ovale graublaue Augen, längliche Gesichtsform, 1,60m groß, üppig. Schüchtern, kleinlaut, schwache Stimme. Neigt zur Dramatik. Betont lässig gekleidet, graues Sweatshirt, Jeans, Lederstiefel. Kein Schmuck, ungeschminkt.


    Wenn Du nicht zeichnen kannst, such Dir Vorlagen. Also Fotos von Menschen die Deinem Charakter so ähnlich sehen wie nur möglich. Du wirst öfter Bezugspunkte brauchen die der Geschichte Tiefe geben. Dazu zählen auch Örtlichkeiten, selbst wenn Du keine reale Örtlichkeit wählst. Schau Dir Gebäude und Stilrichtungen an die in Dein Set passen, um später nicht den Faden zu verlieren oder aus Unsicherheit Zweifel aufkeimen zu lassen.


    Leg Dir ein Notizbuch zu und sobald Dir während des Schreibens eine gute Idee für ein Nebenprojekt kommt, schreib es in 10 Wörtern oder weniger hinein. Leg das Buch weg und schreib weiter an Deinem Projekt.


    Schaff Dir eine feste Arbeitsumgebung. Ich arbeite ausschließlich nachts, von 22 bis 6 Uhr. In dieser Zeit stört mich niemand und ich kann zeichnen, musizieren und schreiben ohne Ablenkung. Halte Dich an Deine Zeiten und mach' regelmäßige Pausen. Man sollte nie länger als 3 Stunden am Stück arbeiten - das laugt die Kreativität aus.


    Rituale helfen die Blockade und die Angst vor dem weißen Blatt Papier zu überwinden. Einmal ausgiebig strecken, einen Schluck Tee trinken, Chopin oder Beethoven auflegen und laut sagen: Los gehts.


    Um Selbstzweifel zu vermeiden meide Vergleiche wie die Pest. Lies Dir nichts von anderen Autoren durch und frage auch keine anderen Autoren um spezielle Hilfe oder Ratschläge, wenn Du irgendwo hängst. 75% der Leute sind Arschlöcher und Neider. Du wirst dort keine Hilfe bekommen. Der Rest sind Typen die in ihrem Leben noch keinen Cent mit geschriebenen Worten verdient haben oder die gerade von der Uni gestolpert sind und meinen sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.


    Verkauf Dich nie unter Wert. Wenn Du nur einmal sagst "Ist nichts besonderes" dann werden das die Leute gnadenlos ausnutzen um Dich fertigzumachen. Wenn Du also von Deinem Projekt berichten musst, dann in den schillerndsten Farben und als würdest Du gerade an einem Krieg und Frieden Ver. II sitzen.


    Erwarte niemals Anerkennung. Die meisten Menschen konsumieren ohne Dank. Sie wollen bedient werden und dafür zahlen sie Geld. Wenn Du Menschen erreichen, inspirieren möchtest dann musst Du von vornherein mit dem Gedanken herangehen, dass Du vermutlich sehr selten mal Lob und Anerkennung erntest. Es wird vielmehr so sein dass sich Fremde mit Deinen Federn schmücken.


    Wenn es Dir vornehmlich um humanistische Ziele geht, dann musst Du Dein Werk in entsprechenden Kreisen veröffentlichen. Da sich aber so gut wie jeder für einen begnadeten Autor hält wird es aufgrund dieser vermeintlich allwissenden Konkurrenz schwer werden mit einer Aussage wie: Ach, ich wollte Euch nur mal was schönes zum Lesen schenken. Würde mich freuen wenn es Euch gefällt".


    Am ehesten kann man eine mehr oder weniger dauerhafte Fangemeinschaft aufbauen, wenn man den Lesern etwas vermittelt, was sie sich sehnlichst wünschen. Also etwa Identifikation. Das ist das Prinzip "Tribute von Panem". Gib den Lesern eine Leitfigur die sie und ihre innersten Ängste berührt und du kannst selbst den großen logisch fehlerhaften Bockmist verzapfen - merkt keiner.


    Hier zieht derzeit im Trend liegende Thematik super. Japan-Krempel zum Beispiel. Die typische Story von einem genervten überforderten japanischen Schulmädchen aus der Oberstufe die insgeheim irgendwelche Kräfte besitzt und/oder geisterhaften Erscheinungen nachjagt, möglichst auf dem Niveau von Teenagern.


    Wenn Du das alles nicht möchtest und trotzdem Zweifel an Deinem Tun hast, dann hilft nur harte Selbstüberzeugung. Nach 12 Jahren im mehr oder minder professionellen Schreiben, vornehmlich als Werbeautor, kann ich Dir sagen dass Du ohne einer großen Portion Überheblichkeit keinen Meter weit kommst.


    Zweifel haben sie alle... ausnahmslos... alle. Die zerfließen vor Angst.
    Das ist auch der Grund weshalb sie die Arbeiten anderer fertigmachen und kritisieren.
    Kritik zu üben ist was für Feiglinge. Wer Dir wirklich helfen will, der gibt Dir 'kostenlos' Tipps und verlangt nicht dass er damit unumstößlich recht hat.
    Deshalb: Wenn Dir etwas von mir vorgeschlagenes nicht gefällt, lass es einfach bleiben. Sind nur gut gemeinte Ratschläge.


    Gerade junge Autoren haben noch Idealismus im Herzen. Der wird meist durch Schule und später die Konkurrenz vernichtet.


    Deshalb: Schaffe Dir Träume. Nutze Die Imagination, die Dir in den Zweifeln so zu schaffen macht, als Werkzeug um Dir Mut zu machen. Stell Dir vor wie Dein Werk einmal gedruckt wurde, Du einen Verlag gefunden hast. Wie Du in einem Buchladen oder bei Amazon ein Exemplar kaufen kannst. Stell Dir vor wie jemand nachts im Bett Deine Geschichte liest und an den Stellen, an denen Du es wolltest, lacht oder weint, oder was auch immer er tun soll... nutze Deine Fantasie zu Deinem Vorteil.


    Ob Du Spiele designst, Musik komponierst oder Texte schreibst, alles fußt auf der Fantasie. Vergleiche sind immer ein zweischneidiges Schwer. Du kannst Dich über irgendwelche Pimpfe lustig machen die den größten Müll der Literaturgeschichte verbrochen haben. Das wird Dir persönlich kurzfristig vielleicht Genugtuung verschaffen. Aber es wird Dich nicht der Angst berauben auch einmal vermeintlich "dort zu landen". Denn davor haben wir alle Angst, wenn wir ehrlich sind (was die wenigsten natürlich sind).


    Hüte Dich vor Heilsversprechen und Quacksalbern. Es gibt überall Ausbeuter und Betrüger. Selbst hier winken so manche mit vermeintlich tollen Versprechen und wollen Dir doch nur ein Ei auf die Schiene nageln.


    Wenn Du beharrlich bleibst, dann wird es was.
    Ich hoffe das Beste. Für uns alle.

  • @Balam ich danke dir wirklich von herzen für deine ausführliche Antwort.
    Das hilft mir hoffentlich weiter. =)
    (Sry, das meine Antwort so lang dauert. Je ausführlicher meine Antwort um so mehr schweife ich ab und verlier mich in anderen Dingen. ;/)



    Ich hab viel über das was du geschrieben hast Gedanken gemacht und gestern endlich angefangen Charakterbögen zu erstellen. Gar nicht so einfach, im Kopf hab ich eigentlich ein genaues Bild, aber das dann richtig zu beschrieben, sei es auch nur mit Stichpunkten fällt mir schwer.
    Ich hab vor einiger Zeit mal angefangen meine Charaktere in die Sims zu erstellen, versucht soweit es dort möglich ist. Bei einigen hat es wirklich gut funktioniert, bei anderen weniger.^^ Auch die Häuser der Familien, hab ich dort erstellt oder andere Wichtige Gebäude, um eine bessere Vorstellung davon zu haben. Was zwar hilft die Geschichte im Kopf Bildlicher werden zu lassen, aber die schriftliche Beschreibung nur in manchen Dingen einfacher macht. Oder ich hab im Inet nach bestimmten Gebäuden Gesucht die passen könnten.
    Was mir auch klar geworden ist, so gern ich meine Geschichte die ich damals angefangen habe, so nie beenden werden kann, da ich absolut keine Ahnung mehr habe wie ich das eigentlich genau anstellen wollte. Ich habe schon so viele Enden davon im Kopf und doch irgendwie kein klares.
    Mein Problem wenn ich mir Gedanken darum mache was ich nun eigentlich schrieben will, rutsche ich viel zu schnell in Details und dann beleuchte ich die Situation die ich gerade im Kopf habe, von viel zu vielen Seiten und häng mich daran wieder auf und kom mal wieder nicht vorran. :broken soul3::facepalm:
    Aber das bin ich und meine Unkonzentriertheit, es nervt, aber ich kenne es ja mittlerweile nicht anders und da sich das nicht so schnell ändern wird, muss ich damit leben.
    Mich mit anderen vergleichen tu ich glücklicherweise selten, weil jeder seinen eigenen Stil hat und ich will nicht wie jemand anderes sein. Ich will das man meins lesen mag, weil sie meine Art zu schreiben mögen und nicht weil ich jemanden kopiere, nur wenn meine Selbstzweifel wieder überhand nehmen, ja dann kann ich das schwer lassen.
    Und was das Veröffentlichen angeht, soweit bin ich noch lange nicht, nicht nur weil nix fertig ist, auch weil ich mir noch nicht vorstellen kann jemanden etwas von mir zu lesen zu geben. Auch wenn der Gedenke schon irgendwie schön wäre.
    Mir geht es in erster Linie darum endlich mal für mich etwas fertig zu bekommen und nicht wie immer alles irgendwann ab zu brechen. Wenn ich das tatsächlich schaffe, dann mache ich mir Gedanken darüber wie es damit weiter geht.
    Hm, das mit den festen Zeiten zum schreiben wird wohl etwas sein das bei mir nicht funktionieren wird, da ich weiß das ich mich da eh nicht dran halten werde. Mir selbst Zeiten für bestimmte Dinge zu setzten schaffe ich nie wirklich. Mich dann dazu zwingen zu müssen da dann zu schrieben würde mich nur nerven und reizen. Oder ich versuche es mal, ohne mich selbst damit unter Druck zu setzten das ich auch schreiben muss, aber das ich wenigstens in Kontakt damit bleibe. Mal sehen wie ich damit verbleibe.