Obdachlose und Bettler Geld geben?

  • Gibst Du Obdachlosen und Bettler ab und zu mal eine kleine Spende oder läufst Du an ihnen vorbei?
    Machst du Unterschiede zwischen Obdachlosen und Bettler?
    Wie findest du es, wenn Obdachlose Tiere dabei haben?
    Macht es mehr Sinn, den Obdachlosen und Bettlern statt Geld Lebensmittel wie belegte Brötchen zu kaufen?

  • Als Kind habe ich gesagt bekommen,dass man Lebensmittel kaufen soll damit der Mensch das Geld nicht für Drogen ausgibt.Später habe ich Geld gegeben.Ich kann und will an niemandem vorbeigehen der um Hilfe bittet.
    In meiner jetzigen Umgebung ist es eher so,dass sich die Armut versteckt so gut es geht.
    Wenn man also erfährt,dass jemand obdachlos ist versucht man diskret zu helfen oder lädt zu sich nach hause ein um im geschützten Rahmen offen sprechen zu können.
    In der nächstgrösseren Stadt sieht man so gut wie nie Obdachlose,weil die sofort gebeten werden wegzugehen :yellowsad:
    So gibt es immer wieder Obdachlose die erfrieren...und das sind dann diejenigen,die im Obdachlosenheim keinen Platz bekommen oder es in geschlossenen Räumen nicht aushalten oder Angst vor anderen Menschen haben...und das sind gar nicht wenige.

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe die wir hinterlassen wenn wir gehen.


    Albert Schweitzer

  • @Whisperer das ist ja Schrecklich :(
    Werden sie von den Einwohnern oder der Stadt selbst gebeten?
    Hier in der Gegend tut die Stadt leider manches gegen das "Problem", wie sie es offenbar sieht, aber die Einwohner sind da sehr unterschiedlich eingestellt.
    Viele sehr positiv, andere stark negativ.
    Viele auch einfach neutral, desinteressiert.


    Hier bei mir (Großstadt) gibt es so viele Obdachlose, dass man sie teils an jeder Straßenecke sitzen sieht, die Leute oft schon richtig genervt.
    Sehen das wie gesagt häufig als "Problem" an....


    Ich habe eine Zeit lang mit einem von ihnen öfters gesprochen, er saß immer in der selben Straße, ich wusste einiges über seine Lebensgeschichte - sie war auch nicht leichter als viele, die man hier liest.
    Er hätte auch Hilfe gebraucht, aber keine bekommen: Da wäre man beim Thema Ausländerfeindlichkeit, was ja auch ein großes Problem ist.


    Ab und zu, wenn ich mich traue, gebe ich auch mal was zu essen oder habe zum Beispiel im Sommer gefragt, ob genug zu trinken/essen da ist; bei Bedarf Wasser oder Obst/ein Brötchen angeboten. Es wurde aber auch schon mal abgelehnt, wenn ich es nicht schon dabei hatte (so oft habe ich das aber auch nicht gemacht).
    Leider scheint es so, dass solche kleinen Hilfsangebote auch nicht viel helfen - klar, eine von drei Mahlzeiten ist nicht viel - aber auch vielleicht als unangenehm empfunden werden, hatte ich das Gefühl; wer nimmt schon gern Essen von Fremden an, das versteht man ja auch. Es ist halt eine unangenehme Lage...


    Ich habe mal gehört, dass die Integration sehr wichtig ist. Versuche seitdem, sie mehr zu grüßen, in die Augen zu sehen, zu lächeln. Nicht beschämt in die andere Richtung zu blicken, bewusst dem kurzen Kontakt zu suchen, eine Integration für einen Moment, Hallo, wenn ich es schaffe.
    Merke auch, dass es vielen Menschen gut tut, sie Lächeln und freuen sich richtig! Aber andere wirken überrascht, sie werden ja leider meist wie Dreck behandelt :(


    Es tut mir sehr leid, dass es so vielen Menschen in einem angeblich so "sozialen" Land wir Deutschland so schlecht geht.
    Wir sind doch alle gleich, warum also nicht helfen?
    Ich schaffe es auch oft nicht, mich so zu verhalten, gehe oft tagelang vorbei, das gebe ich zu; aber wenn ich dann wieder die Leute grüßen kann, die ich auf der Straße sitzen sehe und merke, dass es einen Unterschied für sie macht, dass einer von 500 Leuten sie positiv bemerkt, dann Versuche ich auch mal, in unsicheren Momenten über meinen Schatten du springen.
    Man würde es sich ja selbst wünschen.

  • @iussira
    Beides.Da ich selbst schon obdachlos war weiss ich,dass es schon hilft zu zeigen,dass man sich interessiert.Dein Angebot etwas vorbeizubringen an Nahrung,wenn man darum bittet bedeutet aber auch,dass man dann nochmal extra darum bitten müsste.Da ist es leichter das schon gekaufte leckere belegte Brötchen und den kaffee anzunehmen.
    Einige werfen ja nur Geld in den Becher,weil ihnen der Anblick unangenehm ist und ihnen schlechtes Gewissen macht.Darum freut man sich,wenn man einen offenen Blick ins Gesicht und in die Augen spürt und einen freundlichen Gruss.
    Für Obdachlose ist ein Hund oft der einzige Freund der geblieben ist.Um auf diese Frage von Sockenschein einzugehen.Oft geht es diesen Tieren gut und sie geniessen es immer in der Gesellschaft ihrer Bezugsperson sein zu können.Natürlich gibt es auch schwarze Schafe die ihre Tiere nur benutzen um mehr Spenden zu bekommen,aber die Mehrheit braucht den Schutz und die Freundschaft des Hundes und bemüht sich optimal für die Vierbeiner zu sorgen.

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe die wir hinterlassen wenn wir gehen.


    Albert Schweitzer

  • Das sind keine Obdachlosen, sondern Bettler. Nicht jeder der bettelt ist obdachlos und nicht jeder obdachloser bettelt.


    Ich war selbst mal 2,5 Monate obdachlos. An Geld hat es mir ehrlich gesagt nicht gemangelt. Ich hatte monatlich 374€ Hartz IV zur Verfügung. Ich hatte zwar keine Möglichkeit zu kochen, aber ich konnte mich von Brot ernähren. Eine Möglichkeit, mich und meine Wäsche zu waschen hatte ich, auf regelmäßige Rasuren musste ich nicht verzichten, one auf andere Leute angewisen zu sein und gelegentlich konnte ich mir eine Kleinigkeit erlauben. Meine Klassenkameraden haben nicht einmal geahnt, das ich obdachlos war. Das Geld hat mir ausgereicht, ich musste nicht einen Euro erbetteln und war auch nie bei der Tafel. Was ich gebraucht habe, war eine Mitarbeiterin vom Jobcenter, die mir die Erlaubnis erteilt, als unter 25 Jähriger eine Wohnung zu suchen.


    Ich weiß aus dem Milieu, in dem ich aufgewachsen bin, das einige, die in den Fußgängerzonen sitzen, eine kleine Wohnung haben und Hartz IV beziehen. Es gab auch einige, die tatsächlich Obdachlos waren, aber oft gingen beide Gruppen nicht betteln, weil sie zu wenig hatten, sondern, wie Whisperer angesprochen hat, sie mehr brauchten, um Alkohol und Drogen zu finanzieren. Auch Essen hilft da nichts. Wenn sie dadurch ihre Ausgaben für Lebensmittel verringern, bleibt entsprechend Geld übrig. Auch vor sogenannten "Bettelbetrug" wurde nicht zurück geschreckt, also das man seine Situation schlimmer darstellt, beispielsweise, indem man Krücken dabei hat, die man nicht braucht.


    Ich will nicht unterstellen, das es keine Obdachlosen gibt, die tatsächlich nichts haben. Aber auch bei denen gibt es Fälle, die nicht unverschuldet in diese Situation geraten sind. Beispielsweise die, die freiwillig auf Sozialleistungen verzichten und die, die ihre Verpflichtungen gegenüber dem Jobcenter nicht nachgekommen sind.


    Deswegen bin ich persönlich sehr skeptisch, wenn mich jemand um Geld anbettelt und gebe ehrlich gesagt nie etwas.

  • Geld gebe ich aus diesem Grund auch eher ungern, da das leider hier in der Großstadt ein bekanntes Problem ist - ich weiß aber, dass es auch diejenigen gibt, die tatsächlich darauf angewiesen sind, um Geld zu bitten.
    Es fällt mir nur zu schwer, das zu unterscheiden, und in gewissen Momenten ja oder nein zu sagen - also lieber meist nett und höflich "nein, tut mir leid, einen schönen Tag wünsche ich Ihnen aber noch" sagen und dabei lächeln.


    Es gibt hier auch Tricks, die dann in Zeitungen oder Online entlarvt werden, von ganzen Gruppen. Das finde ich echt schade, da so ein negativer Allgemeinruf entsteht.


    Mit den Tieren stimme ich zu! Ich habe mal vor Jahren von einer jungen Frau/Jugendlichen gelesen, die ihre Ratte dabei hatte - die einzige permanente Freundin, die sie hatte.
    So etwas kann eine wichtige Konstante und sozialer Bezugspunkt sein. Nicht einmal zwingend nur Hunde.

  • Ich gebe meistens auch nichts. In der Regel aus Angst, auf diese Art und Weise eine Bettelmafia oder schlechte Angewohnheiten wie Alkoholsucht etc. zu unterstützen.
    Besonders nervig sind die Bettler, die in der S-Bahn vor einem stehen bleiben und die Hand hinhalten. Oder die demonstrantiv den Münzbecher schütteln, wenn man auf der Straße an ihnen vorbeigeht. :halloweenmad:

  • Ich gebe eigentlich grundsätzlich nichts. Deutsche Obdachlose können eigentlich auf ein Recht gutes Netz zurück greifen (Die Gemeinde muss Obdachlose unterbringen und es gibt etliche Hilfsangebote). Und Drogensucht möchte ich nicht finanzieren.


    Bei ausländischen Obdachlosen weiß man nie ob man die Bettelmafia finanziert, deswegen lasse ich das auch.


    Ich spende daher an eine Organisation die Reha-/Hilfs-Programme für Obdachlose anbietet.

  • Wenn ich was gebe, dann etwas, was der Obdachlose/Bettler gebrauchen kann. Ich habe bei "Geld geben" schlechte Erfahrungen gemacht. Von daher gebe ich nur Sachspenden.

    Aber glaubt mir, dass man Glück und Zuversicht selbst in Zeiten der Dunkelheit zu finden vermag. Man darf nur nicht vergessen ein Licht leuchten zu lassen. Albus Dumbledore