Das Juwel der Einsamkeit

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  • Heute zitiere ich mal einen Artikel von Veit Lindau:
    "Wir leben, was Verbundenheit und Einsamkeit betrifft, in widersprüchlichen Zeiten(. ..) Alles wirkt unverbindlicher, schneller, größer, komplexer. Der Einzelne kann sich da schnell über fordert, unwichtig, winzig - ja, einsam - fühlen.
    Einsamkeit. Was löst dieses Wort in dir aus? Kannst du gut mit dir einsam sein oder fliehst du vor dieser Erfahrung?
    Einsamkeit ist für die meisten von uns doch wohl eine unangenehme Erfahrung.(...)
    Viele Menschen glauben, sie würden sich einsam fühlen, weil ihnen ein anderer Mensch fehlt. Doch das ist ein Irrtum. In der Einsamkeit Fehler du dir selbst . Wenn wir nicht mit uns verbunden sind, missbrauchen wir die physische Anwesenheit anderer Menschen oder unserer Arbeit oder die Medien, um das Vakuum zu füllen. Doch etwas Essentielles bleibt so in der Tiefe ungestillt.

    SICH DARAUF EINLASSEN
    Einsamkeit entspringt nicht dem Mangel an zwischenmenschlichen Kontakten, sondern einer gestörten Beziehung zu uns selbst Gerade wenn dir ein anderer Mensch sehr nahe kommt, wirst du dich manchmal so einsam fühlen wie nie zuvor.(...)
    Wir wachen aus der Illusion der Verschmelzung auf und fühlen uns an der Seite des anderen plötzlich sehr einsam. Manche Menschen über spielen
    diese unangenehme Erfahrung mit geheuchelter Harmonie oder lassen sich gar nicht mehr auf Beziehungen ein, damit sie nicht mehr enttäuscht werden können.
    Denn wir haben nicht gelernt, gut und wahr und innig mit uns zu sein. Wir fühlen uns einsam, weil wir nichts oder wenig mit uns anfangen können. Wenn wir aufhören, davor wegzurennen und uns der Erfahrung bewusst stellen, stehen wir vor dem aufregendsten Date unseres Lebens - mit uns selbst.(...)
    Was wir in solchen Momenten überlebensnotwendig brauchen, ist die Vereinigung mit uns selbst. Die Bereitschaft, unseren drängenden Fragen und allen Gefühlen - den schönen und den unbequemen - ein offener Gastgeber zu sein. Wenn du dich auf dich selbst einlässt, erlebst du etwas Erstaunliches. Wenn es dir gelingt, dich der Einsamkeit bewusst hinzugeben, verwandelt sich Einsamkeit in Alleinsein und Alleinsein in AllEinsSeins. Du kommst dir näher als nah. Du kommst in dir zu Hause an. Endlich! Denn hier wartet ein wunderbares Geschenk auf dich. Du findest in dir das, was du die ganze Zeit angestrengt im Außen gesucht hast - eine echte Verbindung zur gesamten Welt.
    Kämpfe nicht dagegen. Alleinsein ist dein natürlicher Zustand. Du bist allein auf diese Welt gekommen. Du wandelst allein auf deinen Pfaden durch dieses Leben(...)und du wirst allein sterben(...)
    Renne nicht mehr vor der Erfahrung der Einsamkeit weg. Suche sie freiwillig auf. Verzichte regelmäßig, für eine gewisse Zeit, auf alle Zerstreuungen, die du normalerweise benutzt, um dir aus dem Weg zu gehen. Na, wirst du schon bei dem Gedanken unruhig? Kein Smartphone, keine Arbeit?(...) Welche Gefühle löst dieses Bild in dir aus? Erleichterung oder Stress?

    FREIWILLIG ALLEIN SEIN
    Freiwilliges Alleinsein fühlt sich zu Beginn oft gar nicht angenehm an, weil
    wir erst einmal alle möglichen Entzugserscheinungen erfahren: Unruhe, destruktive Gedanken , Traurigkeit, Leere...Doch es lohnt sich, diese erste Phase auszuhalten, bis sich unsere Widerstände entspannen und wir etwas sehr, sehr Schönes entdecken. In diesen kostbaren Minuten, frei von Gesprächen, Medieneinflüssen und anderen Ablenkungen, begegnen wir uns ehrlich und nah (...)
    Du entdeckst in dir einen stillen, klaren Bergsee des Bewusstseins.(...)
    Die ganze Welt erzählt dir ständig, was du denken, fühlen und tun solltest.
    Familienangehörige, Chefs, Politiker, Werbeplakate , alle wollen etwas von dir.(...) Wenn du nicht aufpasst, lebst du schnell das Leben eines Anderen .

    INTIMITÄT MIT DIR
    (...) Es lohnt sich, ein freiwillig einsames Date mit dir zur heiligen Pflicht zu machen. (...)Höre dir selbst zu. Lies in den Seiten deines Wesens. Wahrscheinlich wird dir nicht alles gefallen, was du in dir entdeckst. Doch wenn du nicht wegrennst, erlebst du folgendes Phänomen:
    Die Erfahrungen - angenehm oder unangenehm - kommen und bauen sich auf. Wenn sie sich zeigen dürfen, offenbaren sie dir ihre Botschaft , ihren Wert, ihre Lektion.
    Und dann...ja, dann gehen sie wieder. Je öfter du das erlebst, desto mehr wirst du deine Einsamkeit für diese ausgleichenden Prozesse wertschätzen lernen. Denn deine innere Weisheit weiß genau, was und wie viel du vertragen kannst und was du jetzt erkennen und fühlen sollst . Sie strebt nach Ausgleich und heilt alte Wunden. Dies schenkt dir Souveränität im Umgang mit anderen. Du begegnet ihnen nicht mehr als ein Bettler, sondern als König.Doch das größte Geschenk ist eine neue Form der Intimität mit dir selbst. Zarter als zart. Näher als nah. Du erlebst dich eins mit dir selbst.(...)
    Nur jemand, der sich selbst gut kennt, kann die anderen sehen, wie sie sind, und nicht, wie er sie will. Geh immer wieder in die Einsamkeit. Für dich und für uns alle."


    VEIT LINDAU
    Der ungekürzte Text erschien in der Ausgabe 1/2016 in der Zeitschrift AUSZEIT

    Wie findet ihr den Artikel? Kommentare ausdrücklich erwünscht!!!
    I'm being torn apart. I want to be free of this pain. And I know what I have to do, but I don't know if I have the strength to do it.
    Kylo Ren

    2.593 mal gelesen

Kommentare 7

  • Wanderer+.+ -

    Schöner Artikel über das Alleine-Sein, vielleicht etwas einseitig.

    Wenn man, vor allem als junger Mensch die Zweisamkeit sucht und diese nicht findet, wird man die Einsamkeit oft als etwas sehr belastendes empfinden, etwas was das Leben schwer und düster machen kann, egal ob man mit sich selbst etwas anfangen kann oder nicht.
    Der Mensch ist ja eigentlich ein soziales Wesen und hält ungewollte Einsamkeit schwer aus.

    Wenn man etwas älter wird, gemerkt hat, das man auch in der Zweisamkeit oder in der Gruppe einsam sein kann, fällt es schon leichter mit sich alleine zu bleiben. Man hat dann vielleicht erkannt, dass das, was man außen sucht, oft nur in einem selbst zu finden ist.
    Es braucht gewisse Erfahrungen, um die Ruhe und Stille, die z.B. auf einem Berggipfel oder an einem abgelegenen See herrscht, für sich alleine genießen zu können, sie mit niemanden teilen zu müssen oder aller Welt zu zeigen, wo man gerade ist, man ist einfach da.....

    Einsamkeit zu suchen, kann auch irgendwann zu einer Lebenseinstellung werden, ob gewollt oder ungewollt, vielleicht auch aus Ereignissen heraus, die nicht geplant waren.
    Die Einsamkeit ist die einzige Zeit, in der wir unseren Gedanken freien lauf lassen können, ohne Ablenkung durch andere. Trotz allem sind bestimmt sehr, sehr wenige Menschen für die absolute Einsamkeit geschaffen. Jeder sucht doch irgendwie immer nach einem Menschen der ihm etwas bedeutet, der ihm das Gefühl gibt, liebenswert zu sein, der auf ähnlicher Wellenlänge ist.

    „Kämpfe nicht dagegen. Alleinsein ist dein natürlicher Zustand. Du bist allein auf diese Welt gekommen. Du wandelst allein auf deinen Pfaden durch dieses Leben(...)und du wirst allein sterben(...)“
    Kann ich so bestätigen, man ist im Endeffekt doch immer alleine, muss sein Leben und sich selbst leben und ertragen, denn auch in einer Beziehung versuchen die meisten oft nur das herauszuziehen, was sie selbst weiter bringt und wenn das nicht mehr uneingeschränkt funktioniert, wird die Beziehung beendet oder zumindest angezweifelt. Kämpfen gegen das Alleinsein bereitet Schmerzen, bringt Unruhe und Stress. Zu gewissen Zeiten muss man sich damit abfinden, alleine zu sein, aber nicht mit dem Gedanken, dass das für immer und ewig so bleiben muss, sondern es als einen Abschnitt des Lebens sehen. Mit 16 dachte ich, ich würde keine Freundin finden, ja ich war überzeugt davon, alleine durchs Leben gehen zu müssen, schrecklicher Gedanke damals, der sich aber nicht bewahrheitet hat....

    "Wir leben, was Verbundenheit und Einsamkeit betrifft, in widersprüchlichen Zeiten(. ..) Alles wirkt unverbindlicher, schneller, größer, komplexer. Der Einzelne kann sich da schnell über fordert, unwichtig, winzig - ja, einsam – fühlen.“
    Das kommt meiner Meinung nach daher, das viele Menschen meinen mithalten zu müssen mit dem Tempo, das unsere Zeit vorgibt, am Vergleichen mit anderen, die einen besseren Job, eine scheinbar perfekte Beziehung haben, die schönsten Urlaubsreisen machen, ja, das kann einsam und traurig machen. Der wichtigste Mensch auf der Welt ist man aber selbst, das hat aber nichts mit Egoismus zu tun, man muss sein eigenes Tempo finden, mit sich und seinen Fehlern auskommen lernen und vor allem nicht nur anderen verzeihen, sondern auch sich selbst.

    „Einsamkeit entspringt nicht dem Mangel an zwischenmenschlichen Kontakten, sondern einer gestörten Beziehung zu uns selbst. Gerade wenn dir ein anderer Mensch sehr nahe kommt, wirst du dich manchmal so einsam fühlen wie nie zuvor.(...)Denn wir haben nicht gelernt, gut und wahr und innig mit uns zu sein.“
    Zwischenmenschliche Beziehungen sind aber eine Voraussetzung dafür, das man sich wohl fühlt und sich dann, zu gewissen Zeiten bewusst in sich selbst zurückziehen kann und dabei nicht das Gefühl der trostlosen Einsamkeit empfindet, sondern eine innere Ruhe einkehrt, die sehr glücklich machen kann.

    Mein Fazit zum Artikel:
    Alles sehr schön geschrieben, auch mit sehr viel Wahrheitsgehalt aber relativ unbrauchbar für einen Menschen, der nach Nähe und Zweisamkeit sucht. Für mich, als etwas älteres Semester, trifft der Artikel in den meisten Passagen zu, ich suche aber auch nicht nach Beziehung, nach Menschen die mir die Bestätigung geben, das ich gut bin so wie ich bin. Ich komme mit meinem Alleinsein sehr gut zurecht, (aber auch nicht immer) was mir als junger Mensch aber sehr schwer gefallen wäre, hätte damals auch bestimmt nicht gedacht, das ich diese Ansichten, dich ich jetzt habe, jemals haben werde.
    Für mich persönlich stimmt der Artikel, für viele andere, die nicht alleine sein wollen, wird er aber den gleichen Effekt haben wie wenn jemand sagt: „du musst positiv denken, dann geht es dir schon gut“

    Danke Dir für den Artikel Angelsammy, er regt zum Nachdenken an....

    • Angelsammy -

      Danke dir Wanderer, für deine Stellungnahme. Ich habe diesen Artikel bewusst hier eingestellt, um zu sehen, was ihr davon haltet.

  • Trevor -

    Leider bezieht sich der Artikel nur auf "freiwillige" Einsamkeit.

    Bei unfreiwilliger, dauerhafter, zwangsläufiger Einsamkeit, schaut das Ganze nämlich total anders aus. Speziell darüber hätte ich gerne etwas erfahren gehabt, mehr halt, als ich selber darüber schon weiss.

    Dennoch ist der Artikel nicht uninteressant.

    Danke fürs Teilen somit.

  • LauriiiH -

    Ich find den Artikel sehr gut!!
    Ich habe mir das so noch nie überlegt, wenn ich ehrlich bin
    dass man sich einsam fühlt, weil man selber nicht mit sich klarkommt und es nicht in erster Linie mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat. Das hat mich zum Denken angeregt. Danke!
    Ich habe in letzter Zeit auch gemerkt, dass ich nicht immer am Handy sein will, nicht immer erreichbar sein will
    Als mein Handy kaputt ging, habe ich mich sogar erleichtert gefühlt
    Danke fürs Teilen! <3

  • Bloodangel -

    Sehr wahr der Artikel.. :) Ich sehne mich auch nach dem Alleinsein.. Mich selbst finden, mich selbst erforschen.. Auf mein innerstes hören.. Danke für den Artikel :)

  • DestinysLoop -

    Schön beschrieben, kann ich sogar bestätigen vieles, im Moment sehne ich mich stark nach viel ruhe u Einsamkeit aus ganz unterschiedlichen gründen. Irgendwo auf Kamtschadtka am liebsten mit den Bären umher tollen. Ein Chat würde ab u an mir reichen mit ein paar menschen da draußen bei den Bären.
    Jedoch versteht das im Moment niemand.

    Angelsammy, kannst du ruhig an allen öffentlichen Plätzen so aushängen im Land. Vllt verstehen es ja ein paar. :) Hast du gut rausgesucht!!!