Der fiese Klatsch

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  • Ich lebe in einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Wenn ich mir das so ansehe, wieviele Städter sich nach einem Landleben sehnen, frage ich mich immer, warum?
    Man steht im Dorf quasi unter Dauerbeobachtung. Da bekommen sie fast alles mit. Das wäre ein legitimer Grund, paranoid zu werden.
    Ja, und dann ist da der Klatsch. Er kann richtig bösartig werden. Es wird dann erfunden und gelogen, dass sich die Balken biegen.
    Wehe, man ist Aussenseiter in einem Dorf. Aussätzig fühlt man sich dann. Ich beteilige mich nicht aktiv am Dorfleben, weil es immer auf dasselbe hinausläuft, um lockerer zu werden, saufen, saufen, saufen.
    Es gibt nur Vereine mit total uninteressanten Schwerpunkten im Dorf. Wenn du aktiv an allerlei Veranstaltungen teilnimmst, dann wird gemunkelt, wie du dir das leisten kannst. Machst du aber genau das Gegenteil, dann heißt es, du seist arrogant.
    Wenn ich hier all den bösartigen Klatsch wiedergeben würde, würde das Seiten füllen. Hier ein Beispiel: man treibe es mit Männern im Wald für Geld. Das ist ehrverletzend. Eine mutwillige Verleumdung.
    Auf jeden Fall fühlt man sich wie unter einer Käseglocke. Es ist alles so muffig, engstirnig, erstickend.

    Warum sind Menschen so gemein? Weil sie einen nicht mögen? Weil sie sich langweilen? Weil sie etwas zum Erzählen haben möchten? Da läuft die Phantasie auf Touren, da kennt die Kreativität keine Grenzen, wenn es darum geht Klatsch zu generieren . Da wird sich alles regelrecht aus den Fingern gesogen.
    Alle hier sind Christen. Die wenigstens halten sich an das Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinem Nächsten. Ich wette, dass diese Klatschsünden nicht gebeichtet werden.

    Menschen, die sich am bösartigen Klatsch laben, müssen wohl wirklich ein total leeres Leben führen. Langeweile, wie schon erwähnt, ist natürlich ein wichtiger Punkt. Ich frage mich aber, warum diese Menschen sich nicht sinnvoll beschäftigen?
    Einige besonders bösartige Menschen können nur Gift und Galle spucken, sind neidisch, frustriert und was auch immer noch. Eine hat sogar Protokoll geführt, wann wir gingen und kamen. Haben solche Menschen nichts besseres zu tun?
    I'm being torn apart. I want to be free of this pain. And I know what I have to do, but I don't know if I have the strength to do it.
    Kylo Ren

    5.589 mal gelesen

Kommentare 10

  • Scuro -

    Interessante Sache. Möchte nicht wissen was hinter meinen Rücken so alles erzählt wird. Selbst in der Bäckerei wurde ich laut befragt was ich hätte, obwohl ich mit der Person nichts zu tun habe, nur entfernter Nachbar, eigentlich eine Frechheit.
    Ich habe es mir angewöhnt irgendwas zu erzählen und so vlt von der wahren (meiner) Geschichte abzulenken und etwas Futter bzw. Gesprächsstoff zu liefern. Da hilft wirklich nur A-lecken, was interessiert mich das Geschwätz der anderen, ... auch wenns manchmal schwierig ist damit zurechtzukommen.

  • Hagbard777 -

    Ich kenne das aus meiner Kindheit und Jugend. Ich wünschte ich hätte alle die Erfahrungen gemacht die mir angedichtet worden sind. Es geht einfach darum lange genug mit Dreck zu werfen, irgendwas wird schon hängen bleiben und dann kann man sich wunderbar weiter aufregen. Ich war schon ein Außenseiter und "was Besseres" weil ich ins Gymnasium ging. Das war schon ein Zeichen von Arroganz im Kaff und dann ging der Typ auch nicht studieren. Gefühlt muss sich jeder anpassen, die Freundin, die damals auf ihrem Gothic-Trip war hat da schon für Aufregung gesorgt.
    Es ist für mich ärmliche Selbstbeweihräucherung. Über einen guten Freund gab es lange Gerüchte, er wäre schwul. Wahrscheinlich hat meine Antwort "und was würde das ändern?" auf die Frage nicht gepasst. Vielleicht ist es einfach mit dem Spruch "Was der Bauer nicht kennt, ..." gesagt. Wer nicht raus in die Welt geht kommt nicht auf die Idee dass es ganz anders und möglicherweise besser sein kann. Frust und Neid können mächtige Energie entfesseln.

  • Salome -

    Diese Erfahrung mache ich gerade auch. Ich bin vor 1 1/2 Jahren in dieses Dorf gezogen und fühle mich seitdem beobachtet und in Schubladen gesteckt. Ich weiss, dass zumindest meine Nachbarn über mich tratschen. Jetzt sind wieder neue Nachbarn eingezogen und ich bin mir sicher, dass die von den anderen Nachbarn "aufgeklärt" werden, was ich für Eine bin. Von mir aus. Ich habe wohl nach dem Umzug den Fehler gemacht, mich den Nachbarn nicht vorzustellen. Seitdem gelte ich als arrogant. Ich will lieber nicht wissen, was da alles über mich in die Welt gesetzt wird. Ich habe mich fast schon daran gewöhnt und möchte nicht mehr gefallen müssen. Ich grüsse weiterhin die Nachbarn, gehe aber weiterhin meine Wege.

  • LauriiiH -

    genau das was nahuati geschrieben hat wollte ich auch schreiben
    man fühlt sich durch das mächtiger und besser, was man aber nicht ist sondern genau das Gegentil
    und schnell glaubt man Gerüchten und wenn man dann mitlästert gehört man dazu und man will ja nicht ausgeschlossen werden also macht man mit und lästert mit

    was in deinem dorf abgeht ist echt schlimm..
    hoffentlich kommst du da mal raus

  • Angelsammy -

    Danke für eure Beiträge!

  • Balam -

    Ja das Dörfliche, das kenne ich gut. Hier als homosexuelles Paar in einem bayrischen Kaff zu leben ist in etwa genauso wie Du es beschreibst. Die Leute erniedrigen gern die Anderen, weil es die einfachste Möglichkeit ist sich selbst vermeintlich zu erhöhen. Wenn Du es nicht wärst, finden sie eine andere Zielperson. Da nützt auch fein auswendig gelerntes Glaubensbekenntnis nichts dagegen... In ihrem engen Leben gewinnen sie nur durch diesen Diebstahl an Selbstwertgefühl. Der Dünkel etwas besseres und moralisch einwandfreies im Vergleich zu sein erhebt sie. Arme Kreaturen ohne nennenswertes Ego.

    Versuch' es mit Gleichgültigkeit, so gut es geht, und mit gesunder Distanz. Man macht es ohnehin stets falsch, da lohnt die Mühe nicht, gefallen zu wollen.

  • Trevor -

    Huhu Sammy,

    kannst ja hier mal schauen, vlt. findest Du da ja eine zumindest teilweise Erklärung auf Deine Fragen:
    jw.org/de/bibel-und-praxis/fam…-andere-ueber-mich-reden/

    Kannst auch hier mal reinschauen, bezügl. Gespött und Gerede im Dorf (diffuse Sanktionen), ist teileweise nicht ganz uninteressant.
    "Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft im archaischen und klassischen Griechenland.":
    books.google.de/books?id=DaxHA…ücken%20gerede%3F&f=false
    In dem Dokument kannst Du via dem Maus-Rad scrollen.

  • tenebris -

    Sehe es so, sie schämen sich davor vor ihrer eigenen Tür zu kehren und sind dem Zwang verfallen von sich abzulenken.