So wie ich die Sache sehe

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  • Wäre mir damals bewusst gewesen, dass sich das ganze so entwickelt, hätte ich nie damit angefangen. Jetzt ist es zu spät und mein Gehirn ist verseucht. Nun muss ich damit leben und klar kommen. Wenn das Gehirn einmal in einer Abhängigkeit drin war, gibt es kein entkommen. Man hat damit ein Leben lang zu tun. Allerdings kann man sich den Konsum abgewöhnen. Das ist aber auch schon das einzige was man da tun kann. Aber es funktioniert. Man braucht nur die richtige Motivation um es sein zu lassen.

    Genau da ist das Problem. Ich habe diese Motivation nie wirklich gehabt. Ich wurde damals zum clean werden gedrängt. Naja dann dachte ich mir Okay, ich nehme die Herausforderung an und probiere es mal mit clean sein aus. Eine schlechtere Motivation kann es, glaube ich, nicht geben. So hielt ich es für ein paar Jahre aus ohne zu leben. Zwar kam immer wieder mal Suchtdruck auf, aber nicht so schlimm. Kannte es ja und wusste das kommt und geht. Es lief auch alles drumherum gut, bis wieder eine Krise kam. Ich weiß bis heute noch nicht den Auslöser, aber sie kam, und hält an.

    Jetzt das tückische am Drogengehirn. Wenn es einem schlecht geht meldet es sich sofort wieder: " HUHU HIER BIN ICH. ich habe gemerkt dir geht es nicht gut. Nimm doch wieder was, dann geht´s dir besser!" Dieser penetrante Gedanke lässt dann einen nicht mehr los und verfolgt einen Tag und Nacht. Ich zittere bin unruhig, das verlangen nach dem Suchtmittel ist enorm, kaum auszuhalten. So kam es wie es kommen musste. Ich habe mir wieder was beschafft, und konsumiert. Es war wie ein automatisch ablaufendes Programm. Ich war wehrlos. Jetzt bin ich wieder voll drin, versuche mich mit allen mitteln abzulenken, weil ich derweil nichts da habe. Aber es funktioniert nicht. Nichts hilft. Auch keine Skills.
    Ich stehe derweil kurz vorm Nervenzusammenbruch. Das was mich momentan bei Laune hält ist der versuch sich was zu beschaffen. Und sobald ich dann wieder was habe, werde ich Konsumieren.

    Ich will das aber nicht. Ich will nicht das es so endet. Ich will ja Hilfe, aber gegen dieses Drogengehirn mit seinen Konsumverhalten ist einfach zu stark um weiter dagegen anzukämpfen. Vor allem wenn man eine Krise hat und sowieso Mental geschwächt ist. Es hat mich unter Kontrolle und treibt mich in den Ruin. Es ist für Außenstehende unvorstellbar. Aber ich kann versuchen den Suchtdruck zu beschreiben, zumindest so wie ich ihn wahrnehme.

    Stellt euch vor, ihr freut euch auf etwas, auf etwas ganz Besonderes. Aber ihr bekommt es einfach nicht. Dazu dann eine Unruhe und dabei so eine Anspannung, als ob ihr vor was großem steht, so etwas wie ein Konzert/Achterbahn/Party aber das ganze um ein vielfaches verstärkt. Dann die Enttäuschung das gewünschte nicht zu bekommen. Und Oben drauf den Eindruck ohne nicht Leben zu können, als ob es was essentielles wäre, wie Nahrung.

    Versucht das mal Wochen auszuhalten ohne Rückfällig zu werden, weil man eben nur als Motivation das "ich Probiere es mal ohne" habe. Da ist es kein Wunder, dass das Drogengehirn gewinnt.

    Und jetzt stehe ich da, habe nichts, bekomme auch so schnell nichts organisiert und mir bleibt nicht anderes Übrig als es auszuhalten. Ich bin auf der Suche. Auf der Suche nach einer Motivation, die mich clean halten kann. Da ich mich ja selbst nicht leiden kann, kann ich es nicht für mich tun. Für andere clean zu sein ist auch so eine Sache. Weil eben dem drogenverseuchte Gehirn alles egal ist. Es scheißt darauf wie andere dann über einen Denken, es wehrt sogar jegliche Hilfe ab. Die Konsequenzen können da noch so gravierend sein. Es ist ihm schlichtweg egal. Es hat nur ein Ziel, die Substanzen wieder zu bekommen. Und weil es einen so unter Druck setzt, geht es einem schlechter und schlechter, dies wiederum kurbelt den Suchtdruck an. Ihr merkt schon es ist ein bestialischer Teufelskreis, aus dem man nur sehr schwer und allein schon mal gar nicht raus kommt.

    Ja, ich habe mir Hilfe geholt, ärztliche Hilfe, professionelle Hilfe. Aber wie das so in unserem Gesundheitswesen ist, alle Kliniken haben Wartezeiten. erst wenn es zu spät ist kann man schnell aufgenommen werden. Und dann meist auf der Geschlossenen. hatte ich schon öfters, aber was will ich da. Wenn man einigermaßen klar ist und alles mitbekommt geht es da einem nur schlechter, und man wird unnötig mit Medis zugedonnert um dem Personal ja nicht auf die Nerven zu gehen. Aber Geholfen wird da einem nicht wirklich. Deswegen habe ich Angst davor nicht schnell genug an was dran zu kommen, einfach damit ich nicht durchdrehe und wieder da lande, wo ich nicht hin will und auch nicht hingehöre.

    Reell gesehen bleibt mir da doch nichts anderes als den Konsum zu wählen. Ausserdem sehnt sich mein Kopf und Körper so sehr nach der Wirkung. Dieses Aushalten macht mich noch Wahnsinnig.

    Ich rate allen, die in Versuchung kommen, ja die Finger davon zu lassen, auch wenn die Versuchung groß ist. Einmal drin kommt man nicht mehr raus und hat damit ein Leben lang zu tun. Es darf euch nicht egal sein, es darf kein Ausweg sein, Drogen zu nehmen. Wie heißt noch gleich die Kampagne: Keine Macht den Drogen? Drogen haben Macht über einen, wenn man ihnen verfallen ist. Es liegt dann nur an euch, ob ihr euch der Macht beugt oder nicht. Denn einmal Abhängig sind die Drogen eine Diktatur in der man lebt, wie eine Sekte, aus der man nur sehr schwer raus kommt und keinen eigenen Willen mehr hat.

    Klar kann die Wirkung schön sein, und man kann damit Wunderbar seine Probleme ausblenden. Allerdings nur für den Augenblick. Danach geht es einem wieder schlecht. Das veranlasst wieder zur Substanz zu greifen und schon ist man im Drogenkreislauf gefangen. Das kann dann soweit gehen, bis man sich dermaßen abschießt, dass der Körper dies nicht mehr verarbeiten kann und dann sein System abschaltet. Auch wenn das alles einem bewusst ist, scheißt das Drogengehirn drauf, denn es will nur ein KONSUMIEREN.
    Life is strange.
    I am weirder!

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Kommentare 2

  • Geppetto -

    Darf ich fragen, welche Drogen du in deinem Leben in welcher Reihenfolge konsumiert hast? Also womit hat es angefangen und wo stehst du jetzt?

  • Frequenzstörung -

    Ich kenne das Problem von früher selbst noch viel zu gut. Die Gedanken begannen in jedem stillen Moment zu kreisen und wie mit kleinen Hammerschlägen markiert wurde jeder einzelne Vorteil des Konsums durch die Sucht proklamiert. Es erschien immer wieder logisch den einfachen Schritt zu wählen, statt sich dem Problem zu stellen. In der akuten Situation ist man aber auch nur selten in der Lage tatsächlich die Entscheidung treffen zu können. Entweder ist der Druck schon wieder so stark, dass gar kein gegenteiliger Gedanke aufkommen kann, oder man ergibt sich einfach kommentarlos, weil man mit der Zeit des kämpfens müde geworden ist.

    Wie oft ich mir gesagt habe, dass dann und dann Schluss sein wird? Viel öfter als ich selbst überhaupt anlügen konnte? Waren mir Freunde und Familie noch wichtig, wenn ich drauf sein wollte? War ich mir selbst noch wichtig? Ich denke nicht. Vermutlich lag der einzige Antrieb in dieser Zeit allein im Konsum und alles andere waren Begleiterscheinungen, die ich in Kauf nahm.

    Ein, für mich persönlich, einschneidendes Erlebnis hat für mich damals alles verändert. Es hat viel verändert. Nicht nur meine Einstellung gegenüber der Drogen, sondern auch ich wurde damals verändert. Du kennst als einer der wenigen die Geschichte, die ich meine.

    Ich wünsche dir von ganzen Herzen, dass du es schaffen wirst davon wieder wegzukommen. Du wirst es schaffen, egal was diese hässliche Fratze noch für Spielchen mit dir treiben möge. Ich glaube an dich.