Ein Stück weiter

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  • So, da melde ich mich zurück, nach etwas längerer Zeit und neuen Erfahrungen.

    Ich bin derzeit in einer ambulanten Reha, um gegen die Suchtursache vorzugehen und somit den Weg beschreite, in Zukunft auch clean zu bleiben. Ich hatte bevor ich Stationär ging und auch danach einen Rückfall. Mir wurde klar, dass ich so nicht leben will und was dagegen unternehmen muss. Ich hatte die Wahl zwischen stationärer und ambulanter Reha. Stationär hätte mir wahrscheinlich nichts gebracht, daher ambulant. Ich bekomme das auch gut mit meiner Ausbildung unter einen Hut. In der Reha lerne ich wieder Zugang zu meinen Gefühlen zu bekommen, und diese wieder zuzulassen, sodass ich eben nicht versuche diese Emotionen wieder mit Drogen auszublenden. Auch wenn ich dies gerade gerne tun würde. Es wäre so einfach, aber es ist für mich der falsche Weg. Ich lerne gerade den Suchtdruck auszuhalten und den Umgang mit den Emotionen, die diesen verursachen. Das ist ne verdammt große Herausforderung, aber das ist nun mal mein Weg.

    Um die Sucht zu bekämpfen und zu besiegen, muss man herausfinden, warum man konsumiert und bereit sein das Verhaltensmuster, lieber zu konsumieren wenn es einem schlecht geht, zu ändern. Ich bin soweit, das ich weiß warum ich konsumiert habe und bin auch bereit neue Verhaltensmuster zu erlernen, um somit meine Sucht zu bekämpfen. Das fängt an mit der Entscheidung nichts mehr konsumieren zu wollen. Bei mir waren es Jahrelang unterdrückte Gefühle, wie Wut, Hass und Trauer. Nun lerne ich, woher diese Gefühle stammen, also welche Ursache dahinter steckt, da diese Gefühle stetig vorhanden sind und diese langsam zu akzeptieren und zuzulassen. Auch wenn die Angst vor einem Kontrollverlust groß ist.

    Viele denken, das der Missbrauch von Substanzen "böse" sei, aber wer hat das zu bestimmen? Jeder ist doch in erster Linie für sich selbst verantwortlich und kann mit seinem Leben machen was er will. Es ist okay zu konsumieren, man muss dann aber auch die Konsequenzen in kauf nehmen. Keiner kann einen vom Konsum abhalten, und generell bringt es auch nicht viel sein gegenüber dazu zu zwingen. Die Entscheidung clean leben zu wollen muss jeder für sich selbst treffen.

    Im moment würde ich mir am liebsten was beschaffen und wieder alles zu dröhnen. Aber auf der anderen Seite will ich es nicht. Es ist der alltägliche Zwiespalt. Klar wäre es für den Moment leichter alles zu ertragen, aber um welchen Preis? Es ist es mir schlichtweg nicht Wert wieder zu den Drogen zu greifen. Klar es bleibt weiterhin schon etwas verlockend, den Rausch wieder zu spüren und in eine andere Welt abzutauchen. Alles um mich herum zu vergessen und mich treiben zu lassen. Daher versuche ich mich anders abzulenken. Mein Suchtdruck ist im Moment bei einer 10 von 10. Und es fällt mir echt schwer dem stand zu halten.

    Aus dem "Gefängnis" des Drogenhirn auszubrechen ist ne verdammt große Hürde. Und der Abstinenzwille zeichnet sich dadurch aus, sich so viele Steine in den Weg zu legen um eben nicht zu konsumieren. Und selbst wenn ein Rückfall kommt, was durchaus normal ist bei Abhängigen ist dies auch Okay. Man darf sich dann keine Vorwürfe geben. Denn diese verschlimmern nur die Abwärtsspirale. Man sollte nach vorne blicken und sich sagen: "Joa war kacke, aber ich will so nicht weiter machen!" Zu Konsumieren ist Okay. Niemand hat zu bestimmen ob es gut oder böse ist. Wenn ich mir dies Bewusst mache, fällt es mir wesentlich leichter fern von den Drogen zu bleiben. Sie verlieren dadurch an Reiz, und ich bin mir der Konsequenzen eher bewusst.

    Ja ich will clean leben. Rückschläge gehören dazu, sind aber nicht der Untergang.
    Life is strange.
    I am weirder!

    870 mal gelesen

Kommentare 2

  • Bradhadair -

    Oh mein Gott. So viel Respekt hatte ich lange nicht mehr für einen realen Mitmenschen. Oder einen von dem ich geglaubt habe er sei real (einige Personen bilde ich mir ein, life's strange, I'm schizophren.) Halte durch, du packst das. Und vergiss nicht, dir jeden Tag ins Gedächtnis zu rufen, wie amazing es ist, dass du schon so seit gekommen bist. Mit der Zeit wird das gute Gefühl darüber, dass du es geschafft hast aufzuhören, hoffentlich die schlechten (bzw unangenehmen, schlecht sind Gefühle eigentlich nicht) Gefühle, wegen denen du diesen Suchtdruck hast, überwiegen. Du bist wirklich beeindruckend.

  • xstormyhead -

    Fühle dich, bleibe stark.