Vom Rückfall zum Fortschritt

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  • seit meinem letztem Blog hat sich viel getan. Am besten setzte ich direkt da an, wo ich aufgehört habe.

    Circa drei Wochen nach diesem Blog kam es zum Rückfall. Einen ziemlich heftigen sogar. Ich habe mich dermaßen zugedröhnt, und war auch überdosiert. Nun warum kam es dazu? Ich kam in eine emotionale Abwärtsspirale. Es ging mir zunehmend schlechter von Tag zu Tag und nicht zu wissen, was los war machte die Situation nur noch schlimmer. Ich wusste nur eins, mir ging es scheiße und ich wollte es weg haben. Und das Suchtgedächtnis hatte dann die Oberhand bekommen und wie im Autopilotmodus habe ich mir dann was bestellt. Der Rückfall erstreckte sich über 3 Tage in denen ich dauer drauf war. Wie habe ich mich währenddessen gefühlt? Es war super. Auch wenn das schlechte Gewissen an einem nagte, fühlte ich mich grandios. Bis am dritten Tag, da machte sich der Kater und die Überdosis bemerkbar und ich habe mich dazu entschlossen die Reste, die ich noch hatte zu entsorgen. In zusammenarbeit mit meiner Therapeutin und der ambulanten Reha wurde dann analysiert. In der Gruppentherapie machte ich dann die Rückfallanalyse und ich bekam viel positives Feedback, wie zum Beispiel, dass es mit dem Rückfall abzusehen war und ich es dann doch wieder geschafft habe davon weg zu kommen, und sogar die Reste zu entsorgen. Das gab mir Kraft und ich kämpfte mich wieder daraus. Dieser Rückfall machte mir klar, das ich doch ein klaren Abstinenzwillen entwickelt habe. Denn sonst hätte ich den Absprung nicht geschafft.

    Durch meine lange Fehlzeit in der Ausbildung kam es zum Konflikt mit dem Kostenträger meiner Ausbildung im Berufsförderungswerk. Aber auch diesen konnte ich recht zügig aus der Welt schaffen, sodass meine Ausbildung weiter läuft. War also ein holpriger Start. Da es in der Ausbildung zur Zeit ziemlich Rund läuft will ich auch gar nicht näher darauf eingehen. Viel wichtiger ist nämlich der Aspekt was ich derzeit an Persönlichkeitsveränderung durchlaufe.

    Ja durch die Therapie komme ich immer mehr in Kontakt zu meinem Inneren und meinen Gefühlen, quasi dem inneren Kind. Nennen wir ihn mal kleinen Chaos ^^
    Ich nahm am Anfang vorsichtig Kontakt auf, war aber auch nicht einfach. Denn eine ziemlich dicke Mauer stand noch zwischen uns. Durch immer wieder Üben und Kontaktaufnahme zum kleinen Chaos kam ich mir selbst immer näher. Dann kam der Punkt der Zweifel. Ich hatte zu dem Punkt noch ein sehr negatives Selbstbild. Fand mich unattraktiv, hässlich, machte eh alles immer Falsch und war auch in nichts gut. Ich konnte mich selbst und mein äußeres sowie mein inneres nicht ausstehen. Nun und genau dies fing ich an anzuzweifeln. Es kam zu Stimmungsschwankungen. Schnell fand ich heraus, dass die Ursache dafür der kleine Chaos war, zu dem ich immer mehr Kontakt hatte. Ich fange an wieder Gefühle wahrzunehmen. Das ist für mich verdammt ungewohnt und ich lerne mich dadurch neu kennen. Durch den ständigen Kontakt zum kleinen Chaos und dem Spüren, was er will (was ich fühle) fange ich an mich neu zu definieren. Wohin diese Reise geht weiß ich noch nicht, bin aber neugierig wo sie mich hinführt.

    Seit dem komme ich an neue Grenzen und Herausforderungen. Bis jetzt kannte ich Suchtdruck nur wenn es mir schlecht ging. Jetzt bekomme ich auch Suchtdruck wenn es mir gut oder neutral geht. Damit lernen umzugehen ist noch eine Hürde. Das Problem ist nämlich, dass ich meine positiven Gefühle und Emotionen mit denen vergleiche, die ich unter Drogen hatte, und die waren eindeutig besser. Und jetzt die Vorstellung wie genial der Rausch sein könnte, wenn ich was nehmen würde wenn es mir gut geht, reizt mich schon sehr. Das sind die neuen Hürden, die jetzt dazu gekommen sind. Jetzt muss ich lernen damit umzugehen, und eine große Hilfe dabei ist der kleine Chaos, den ich mittlerweile in meinem Herzen trage. Er hilft mir, weil ich jetzt einen besseren, zwar noch nicht vollen, Zugang zu meinen Gefühlen habe und diese auch nun ein Stück weit zulassen kann.

    Das wäre es fürs erste, und ich schaue mal wann ich diesen Blog weiter füttere.
    Bleibt allesamt Stark. :halloweencool:
    Life is strange.
    I am weirder!

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