Unsere kranke Gesellschaft gehört auf die Couch

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    • Unsere kranke Gesellschaft gehört auf die Couch

      Eine miese Politik kann gesellschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, die depressiv machen können und m.E. in einer unbestimmten (aber vermutlich hohen) Anzahl Menschen depressiv machen, davon bin ich überzeugt. Davon hört man aber in der deutschen Gesellschaft und den Medien wenig bis nicht. Dass unsere Gesellschaft bzw. die in dieser üblichen Umgangsformen in einem Zusammenhang mit Depressionen stehen können, das scheint ein Tabu abzugeben.

      Ein Beispiel:

      Unsere Gesellschaft krankt an einer Pervertierung des Leistungsgedankens. Es zählt vorwiegend das, was hohe bzw. maximale Profite einbringt (die absurderweise nur relativ wenigen Menschen etwas nutzen). Für dieses Ziel setzt sich die Politik ein, auch wenn das bedeutet kann, das viele Menschen unter einer solchen Politik dann leiden müssen.

      In Folge dieser Politik verschärft sich der Gegensatz zwischen arm und reich, es werden teil mieseste Löhne gezahlt und in besonders miesen Fällen die arbeitenden Menschen komplett um einen Verdienst gebracht. Gutverdiener lassen sich von Niedriglohnempfängern versorgen und schämen sich nicht dafür. Wenn es irgendwo einer billiger macht wird Arbeit dahin verlagert oder da, wo das nicht geht (z.B. Gastronomie, Bau und Pflege) werden Billigarbeitskräfte aus armen Ländern importiert, die dann die Arbeit zum Hungerlohn machen sollen. Und kaum jemand scheint das zu stören.

      Gleichzeitig gilt Armut als Makel und kann zur sozialen Ausgrenzung führen, aber die Bedingungen, welche diese Armut verursachen, werden meist verleugnet und sind nicht der Rede wert. Dafür sollte sich dieses reiche Land schämen,

      Die viele Abzocke und Ausbeutung ist krank und macht krank, aber die Betroffenen sollen dann mal schön sich selber für ihre Probleme verantwortlich fühlen. Das isoliert noch mehr und kann satt in die Depression führen oder Hass und Gewaltbereitschaft nehmen zu. Nur wenn es dann mal wieder (und in letzter Zeit öfter) knallt, wird von psychisch gestörten "Einzeltätern" gesprochen und nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, ob die Störungen dieser Täter auch etwas mit unserer Gesellschaft zu tun haben könnten. Dabei gehört laut meiner Wahrnehmung unsere Gesellschaft angesichts des ganzen Wahnsinns, der in dieser läuft, gleich mit auf die Couch. Es reicht nicht aus, nur immer an den Folgen bzw. Symptomen von Problemen zu doktern, die viel tiefer gehen als der Einzelfall.

      Ich würde mich freien, wenn zu diesem Thema eine Diskussion enstehen kann.
    • Ich finde unsere Gesellschaft auch total krank. Ja, das Leistungsdenken. Es ist krank, es macht krank. Aber allzu viele Leute stecken fest in diesem Leistungs-Hamsterrad.

      Ich war glaub nach der Schule gar nie mehr Teil davon. Ich entschloss mich, Tanz zu studieren und kam so in Berührung mit Menschen, die sich der Kunst verschrieben hatten, Querdenker, Alternative.
      Da muss man schon eine ziemliche Portion Idealismus haben, um so einen Weg zu gehen.
      Geld verdient man damit jedenfalls keines.

      Ich verstehe den Drang nach Karriere nicht.
      Geld hat mir nie viel bedeutet. Ich wäre kaum glücklicher, hätte ich mehr davon.

      Mir kommt dazu folgender Satz in den Sinn:

      Erst wenn der letzte Baum gerodet,
      Der letzte Fluss vergiftet,
      Der letzte Fisch gefangen,
      Werdet ihr feststellen
      Dass man Geld nicht essen kann.
      Weissagung der Cree Indianer

      Die Frage, die sich mir stellt, warum ist man denn Teil des Systems?
      Ich hatte vielleicht viel Glück in der Hinsicht. Ich weiss es nicht. In meinem allerersten Job als Kauffrau wurde ich massiv ausgenutzt. (Verhältnismässig) tiefer Lohn, grosse Verantwortung, kaum Einarbeitungszeit, oft alleine im Büro, konnte keinen um Hilfe bitten etc.
      Nach kurzer Zeit war ich so fertig, dass ich gekündigt habe. So konnte und wollte ich nicht arbeiten/leben.
      Dann wechselte ich zum brotlosen Tanz^^.
      Da war ich 20.

      Kann man sich zu einem gewissen Teil auch entscheiden, ob man mitmacht?
      Don‘t let the ugliness of the world corrupt your soul. Stay in touch with beauty.
      -J. Frusciante-
    • Ich sehe das auch so, dass sich die Gesellschaft an Leistung orientiert. Eine gesunde Gesellschaft sei eine, die ein Wirtschaftswachstum verzeichnet. Es muss immer mehr sein, schneller, besser, innovativer. Dabei wird gerne vergessen, dass dieses "mehr" auch von irgendwo kommt. Ohne Rohstoffe wird es auch kein Wachstum geben. Die Rohstoffe müssen ja auch von irgendwo her kommen und dies wird gerne vergessen. Man kann nur so viel entnehmen, wie halt da ist. Entnimmt man mehr, als man benötigt, ist irgendwann nichts mehr da und das kapitalistische Gesellschaftssystem geht unter.

      Auch die Medien leisten ihren Teil, um ein fatales Gesellschaftssystem wie wir es haben weiter zu fördern und vor allem als erstrebenswert zu vermarkten. Wir kennen so viele Erfolgsgeschichten großer Entrepreneure, Wirtschaftsnummern,...sollen streben genau wie sie für ein gutes Leben im Überfluss. Der Reichtum des Einen ist die Armut des Anderen. Dabei könnten doch alle gleichermaßen gut leben, ohne diesen Überfluss. Klar entstehen dann Ängste, Verunsicherungen oder gar Panik vor dem Scheitern, wenn es halt nicht so läuft wie in einem Bilderbuch-Lebenslauf. Nur die Besten kommen weiter, die anderen bleiben auf der Strecke liegen. Meiner Meinung nach ein verhängnisvolles Gesellschaftsbild, das nicht funktioniert, wenn es darum geht auch Teile der Gesellschaft aufzufangen, die keinen Bilderbuch-Lebenslauf vorweisen können.
      Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
      Edward D. Morrison
    • Liebe Venere, liebe anderen,

      es freut mich, dass du das Leistungsdenken auch als krank bzw, krankmachend empfindest. Aber ob wohl dieses Denken vielen Menschen schaden kann und schadet,wird es kaum bzw. viel zu wenig in Frage gestellt. Wer sich diesem Denken entziehen will, gilt schnell als sonderbarer Typ und wird ausgegrenzt.

      Es gibt zwar Menschen, die wie du beschreibst eher alternativ eingestellt sind und nach ihren eigenen Prinzipien leben (bzw. das zumindest versuchen), aber solch alternativen Lebensmodelle kommen laut meiner Wahrnehmung nur mehr vereinzelt vor. Unsere Gesellschaft stellt sich zwar gerne als weltoffen und freizügig und frei dar, ich sehe sie aber eher zwangshaft veranlagt und alles andere als frei.

      Viele Menschen trauen sich laut meiner Wahrnehmung nicht in der Öffentlichkeit das zu sagen, was sie wirklich denken. Das könnte auch erklären, warum der Leistungsgedanke von der Öffentlichkeit kaum in Frage gestellt wird. Leistung soll sein, wer damit nichts oder zumindest nicht so viel anfangen kann, soll sich was schämen. Der passt nicht in diese Leistungsgesellschaft und kann außen vor bleiben.

      Ich spitze das jetzt zu, aber in der Grundtendenz läuft es so.

      Ich versuche mal den Gründen nachzugehen. Warum steht der Leistungsgedanke in unserer Kultur so sehr im Vordergrund?

      Interessanterweise ist das nicht in allen Kulturen der Fall. Dein Hinweis auf diese Weissagung der Creek-Indianer passt da gut. Da kommt der Gegensatz zwischen der westlich abendländischen Manier und der Lebenseinstellung, welche die mehr an der Natur orientierten Völker beweisen zum Ausdruck.
      In der abendländischen Tradition wird verstärkt auf Leistung, Besitz, Status und Macht gesetzt, in den Naturvölkern mehr auf ein Leben mit der Natur und ein spirituelles Erleben gesetzt. Es ist bestimmt komplexer als ich das hetzt darstelle, aber ich denke im Grundsatz trifft diese Beschreibung.

      Schon in der Bibel bzw. dem alten Testament findet sich in dem 1 Buch Mose ((Genesis 1,28) das Zitat. „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“).

      https://de.wikipedia.org/wiki/Dominium_terrae

      Dieses Zitat kann verschiedentlich gedeutet werden, der Begriff "unterwerft" (die Welt) lässt bezogen auf unser Sprachverständnis aber erst einmal ein dominantes herrschsüchtiges Vorgehen vermuten, das von dieser Welt möglicherweise rücksichtslos Gebrauch zu nehmen versucht.

      Egal wie man das auslegt (vermutlich war die Unterwerfung der Welt liberaler gemeint) , de facto zeigt sich im politischen, wirtschaftlichen und militärischen Handeln von Staaten bzw. Teilen der Menschheit genau diese Rücksichtslosigkeit, mit der der Welt und den auf dieser Welt lebenden Menschen begegnet wird. Kriege, Ausbeutung und Schinderei von Natur, Mensch und Tieren, Betrug, Lüge.. Der Mensch als solches, Menschenrechte bzw. existentielle Bedürfnisse des Menschen können ins Hintertreffen gelangen und das war und ist in der Menschheitsgeschichte oft der Fall. Außerirdische könnten berechtigt den Kopf über unsere Spezies schütteln.

      Das ist krank und macht krank, dieses Verhalten scheint aber für große Teile der Menschheit leider typisch. Unser Wesen scheint anfällig für dieses Denken (wenn es überhaupt eines ist). Das könnte einen ersten Hinweis darauf liefern, warum so sehr viele Menschen sich nicht aus ihren Hamsterrädern heraustrauen.

      Liebe Grüße, Thomas
    • Ich bin gar nicht erst rein in die Leistungsgesellschaft. Zum Glück bin ich in alternativen Kreisen aufgewachsen. Das ist echt das einzig gute an meinem Leben. Hab auch lange in dem Bereich gearbeitet bis es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging.

      Ob wirklich alle die Möglichkeit hätten auszusteigen weiß ich nicht, denn es gibt ja auch nicht all zu viel Stellen in dem Bereich (Idealismus, Kunst, Natur etc.) und da kommt man dann auch eher über Beziehungen ran, die meisten davon werden kaum öffentlich ausgeschrieben und die Gesellschaftsausteiger bleiben so unter sich.
      Und ja, in den Bereichen verdient man so wenig, da könnte man sich nie eine Familie oder fettes Auto oder tolle Wohnung von leisten, deswegen leben die auch fast alle in Kommunen oder WGs etc.

      Naja und auch in idealistischen Jobs kann man sich totarbeiten wenn man es drauf anlegt. Wahrscheinlich sogar grade da. Ich kenn da eine die arbeitet für eine große Tierschutzorganisation und nach ihrem burn out wo sie teils gar nicht mehr aufstehen konnte, hat sie mit ihrem Laptop vom Bett aus weiter gearbeitet, also wenn man es mal so sieht dann kann viel von dem Leistungsdruck auch von innen heraus kommen.
      Das meiste wird einem aber in der Tat von außen aufgedrängt.

      Man kann aber auch den Menschen nicht dauernd vorwerfen dass sie da mitmachen und nicht aussteigen denn viele müssen eben auch noch ihre Familien ernähren oder Schulden abbezahlen oder haben sonstige Zwänge und Verpflichtungen wo sie einfach darauf angewiesen sind eine bestimmte Mindestsumme an Geld zu viedienen und dann nehmen sie eben jeden Job an und machen Überstunden ohne Ende um ihn nicht zu verlieren usw. Ich weiß gar nicht wie viele Menschen sich wirklich nur wegen ihrem Anspruch auf möglichst viel Luxus so ausbeuten lassen, ich glaub das sind die wenigsten, oder?

      Ich glaub jedenfalls man muss sehr vorsichtig sein mit Sprüchen wie "ey steig doch einfach aus aus dem kranken System, einfach kündigen und tschüß" (hör ich öfters mal in meinen Kreisen) aber so einfach ist es für die meisten leider nicht.

      Ansonsten kann ich allem hier geschriebenen nur zustimmen. Aber wer soll eine kranke Gesellschaft therapieren? Die Psychologen die wir im Moment haben reichen ja nicht mal für die ganz aktut kranken aus. *seufz*

      Wer über gewisse Dinge nicht den Verstand verliert, hat keinen zu verlieren.
      • Hey Kleinlok
      das stimmt schon, du analysierst das haarscharf.
      Die junge Generation scheint das hinzunehmen! Subkulturen verschwinden. Ja, das kommt hin. So erlebe ich das auch.
      Und Zivilcourage.... ist nicht eben viel vorhanden. Man schaut zu, wie andere öffentlich angeschrien werden zB (mir passiert vor ein paar Wochen beim Aussteigen aus einem Zug, wurde geschubst und beleidigt, der Bahnhof und Zug war voll, keiner schritt ein....).

      unsere gesellschaft denkt, sie sei fortschrittlich :halloweenlaugh: . Hochentwickelt. „Zivilisiert“ :halloweenlaugh: . Da lachen ja die Hühner.

      Borderline ist übrigens ein Phänomen der „zivilisierten“ Gesellschaft, hab ich mal gelesen. Ja klar, in Naturvölkern wird es kaum Borderline geben.....
      sehr fortschrittlich also diese westliche Welt.

      @Drachentränen
      So meinte ich das nicht. Klar kann man irgendwann nicht mehr einfach aussteigen! (Viel besser ist es, gar nicht einzusteigen.)

      Ich sag halt immer, warum setzt du kinder in die welt und jammerst danach, du lebst am finanziellen limit? Erstens gibt es mehr als genug kinder (und menschen). Und zweitens finde ich dieses denken, es muss „mein“ kind sein, krank und besitzergreifend.
      Kinder SIND teuer. Das sollte sich jeder bewusst sein..... der welche macht.
      ist jetzt wohl etwas ketzerisch.
      Da schwingt auch Wut mit, die ich auf meine Erzeuger habe.
      Don‘t let the ugliness of the world corrupt your soul. Stay in touch with beauty.
      -J. Frusciante-
    • Drachentränen schrieb:

      Ich bin gar nicht erst rein in die Leistungsgesellschaft. Zum Glück bin ich in alternativen Kreisen aufgewachsen. Das ist echt das einzig gute an meinem Leben. Hab auch lange in dem Bereich gearbeitet bis es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging.

      Ob wirklich alle die Möglichkeit hätten auszusteigen weiß ich nicht, denn es gibt ja auch nicht all zu viel Stellen in dem Bereich (Idealismus, Kunst, Natur etc.) und da kommt man dann auch eher über Beziehungen ran, die meisten davon werden kaum öffentlich ausgeschrieben und die Gesellschaftsausteiger bleiben so unter sich.
      Und ja, in den Bereichen verdient man so wenig, da könnte man sich nie eine Familie oder fettes Auto oder tolle Wohnung von leisten, deswegen leben die auch fast alle in Kommunen oder WGs etc.

      Alternative Lebenskonzepte scheint wirklich seit geraumer Zeit in unserer Welt eine Konjunktur vergönnt. Eigentlich kann man solche Konzepte verfolgen, aber z,B. habe ich da nichts in dieser Richtung in den letzten 30 Jahren geschafft. Das liegt natürlich auch an mir, aber nicht nur.Es ist kein Fehler, wenn man Mitmenschen hat oder findet, mit denen man einen eigenen Weg suchen und gehen könnte. Es ist natürlich auch was eigenständiges im Alleingang denkbar, aber das kann doch sehr schwer fallen, wenn man kein eigenes Kapital hat und wenn man solche Alleingänge nicht gewöhnt ist.

      Ich sehe es an mir, ich bin per se schon eher ein Individiualist und richte mich herzlich wenig nach den hängigen Moden und dem Zeitgeist. Ich lasse mich extrem ungern vereinnahmen bon Mitmenschen bzw. irgendwelchen Trends,wenn ich das Gefühl habe, dass die nicht mein Ding sind. Und wenn es mir zu sehr blöd wird, wie mit einem umgesprungen werden soll, dann sage ich das auch und setze mich notfalls zur Wehr. Das ist ok , auch im Hinblick, dass das scheinbar eher selten geworden ist. Zu viele schwimmen lieber mit dem Strom als den eine eigene Richtung zu versuchen, auch dann wenn der Strom aus deren Sicht nicht in die richtige Richtung strömt.

      Unsere angeblich freie Gesellschaft ist von vielen Zwängen betroffen, die aber im Gegensatz zu klar erkenntlichen r Unfreiheit in unfreien Gesellschaften (z.B. Diktaturen) subtil und eher verdeckt daher kommt. So merken die von den Zwängen in unserer Gesellschaft betroffenen Menschen nicht so schnell und nicht unmittelbar, dass sie in solche Zwänge eingebunden sind. Und wenn ein Teil dieser Menschen es merkt, dann trauen sich nur sehr sehr wenige Menschen öffentlich Kritik zu äußern bzw. notfalls Widerstand zu leisten. Ich spitze es mal polemisch zu:

      Der bittersüße Schleim unserer Wohlstandgesellschaft vernebelt unsere Hirne und verharzt das klare Denken und Reden. Teilweise soll das vielleicht so sein,denn mit des- oder fehlorientierten Menschen können korrupte Zeitgenossen leichter ihr eigenes Ding drehen. M.E. wird an allen Ecken und Enden versucht uns in einem Sinne zu manipulieren, der diesen eigensüchtigen Menschen etwas bringt, teils vollkommen unabhängig davon, ob uns das etwas nutzt oder nicht. Es kann sogar schädlich für Menschen sein, wenn es den eigenen Interessen nutzt wird auch das teils schamlos versucht und durchgezogen. Eine Gesellschaft die aber so etwas zulässt oder gar teils noch befördert, wird nie meine Gesellschaft bzw. eine sein, in der ich gerne lebe. So gesehen fühle ich mich seit 40 Jahren fremd im eigenen Land.

      Ist es überhaupt mein Land bzw. allgemeiner gefragt, ist das überhaupt unser Land?

      Ich sage erstmal nein. Wer einen deutschen Pass oder eine Aufenthaltsberechtigung hat, darf sich zwar ungehindert auf dem Territorium dieses Landes aufhalten. Sich ungehindert aufhalten dürfen bedeutet aber noch lange nicht, das man da gut leben kann, wo man physisch schon mal sein darf, also allein die formale Zugehörigkeit zu einem Staat bedeutet noch lange nicht, dass man sich in diesem wohl und heimisch fühlt.

      Jede/r Selbstmordkandidat/in wird auf diese rein formale Aufenthaltserlaubnis scheißen. Wer sich (m.E. leider) umbringt, braucht für das was nach dem Tod kommt (oder nicht kommt) keine Ausweispapiere mehr. Und im im Leben bleiben zu wollen braucht es mehr als einen Pass und das dumme Geschwafel von der angeblichen Einheit bzw. dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es braucht Respekt vor jedem Individuum, und es braucht Interesse und Einsatz für eine wirklich gemeinsame Sache, an der alle Menschen auf fairer und selbstbestimmter Basis teilhaben können.
      Daran fehlt es in diesem Land und in dieser Gesellschaft. an inzwischen fast allen Ecken und Enden. Aus jedem Mist soll ein Geschäft gemacht werden, dumme bis dümmste Werbung versucht in jeden Winkel und Sekunde unseres Lebens zu dringen und zu viele Idioten versuchen einem Scheiße für Gold zu verkaufen. Die Politik war schon immer eine Hure, aber die aktuelle Politik beweist dass da immer noch was geht um sich für verschissene Freier noch ein Stück tiefer zu bücken. Es zählt nur noch die Rendite derjenigen, die eh schon zu viel Geld gaben und nichts gescheites mehr damit anzufangen wissen, die Gier eitler Egomanen und sonstiger Selbstdarsteller. Und der Rest scheint sich an all diesen dummen Beschiss gewöhnt zu haben.

      Ich sehe dieses Land bzw. diese Gesellschaft für so satt krank, dass ich inzwischen Autismus mehr als Schutz denn als Problem werte. Wer noch nicht Autist ist und klar denken und fühlen kann, kann mit dieser Gesellschaft ein sattes Problem bekommen bzw. hat es schon längst.

      Nur wenn man diese Kritik durchblicken lässt, dann gehen 99% derjenigen, die eine solche mitbekommen, kommunikativ auf Tauchgang. Man wird wie ein Autist behandelt bzw.darf sich als solcher vorkommen (was ich inzwischen auf Grund der oben stehenden Betrachtung schon mehr als Kompliment als denn als Makel empfinde).

      Diese Gesellschaft will nicht wissen, wie sehr krank sie ist und verweigert jedwelche Diagnose in dieser Richtung schon im Ansatz. Eher werden wir tagelang mit dem in den Meiden üblichen Gejaule tagelang vollgedudelt, als denn das irgendwer endlich einmal die Sache sinnvoll auf den Punkt zu bringen versucht. Wir sollen uns im Nebel unserer dummen Befangenheit zu Tode laufen.

      Wer an dieser kranken Gesellschaft krank wird hat damit möglicherweise ein doppeltes Problem, weil bestenfalls nur an den Symptomen seines Problems gedoktert. nie aber an die eigentlichen Ursachen herangegangen wird.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kleinlok ()

    • Venere schrieb:

      Ich sag halt immer, warum setzt du kinder in die welt und jammerst danach
      Ist der Wunsch, Kinder zu bekommen, eine Familie, nach der Theorie des Threaderstellers nicht viel natürlicher und gesünder als das Gegenstück von finanzieller Fokussierung und Selbstbezogenheit? Kinder bekommen heißt ja oft schon auszusteiegen: ich verzichte auf einen lückenlosen Lebenslauf, auf kontinuierliches berufliches Leisten, ich möchte meine wenigen Ressourcen vorrangig mit meinen Nächsten teilen? Und ich nehme hin, dass ich von der Gesellschaft zusätzlich eines auf den Deckel bekomme.
    • @Hakku
      ja könnte man so auch sehen.
      aber dann ist es eher bewusstes kinderkriegen und das finde ich schön. aber wenn man einfach kinder macht und dann die verantwortung sei es finanziell, sei es emotional nicht übernimmt, damit hab ich ein problem. ich glaube es gibt viele familien, die überlegen sich den finanziellen aspekt nicht.
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      -J. Frusciante-
    • @Venere
      Klar, wenn, wie bei mir damals auch, Liebe und das enorme Bedürfnis, fürsorgen zu dürfen, im Vordergrund steht, wird der
      interne Finanzberater (falls es den je gab) schon mal kurzerhand entlassen :Halloweenshocked: . ich habe wie Du ohne viel Nachdenken ein
      künstlerisches Studium ergriffen, ohne zu planen, was ich damit leisten kann. Und dann auch noch Kinder bekommen.
      Eine reine Herzensentscheidung.
      Bin ich jetzt, gesellschaftlich gesehen, ein gutes Beispiel, weil ich idealistisch und aus dem Herzen entscheide,
      oder bin ich ein schlechte Beispiel, weil ich selbstbezogen und planlos agiere?
      (ach, hätt ich fast vergessen, psychisch krank kommt ja auch noch dazu :halloweengrin: )


      Venere schrieb:

      es gibt viele familien, die überlegen sich den finanziellen aspekt nicht
      Ich frage mich, ob man mit solchen Gedanken nicht schon den Slogans der Leistungsgesellschaft auf den Leim geht.
      Wenn nur Kinder haben darf, wer sie sich, nach Art der langfristigen Sparkassenfinanzierung, leisten kann, dann ist das,
      denk ich, nicht mehr gesund.
      In einer Alternativen Gesellschaft, zum Beispiel dem oben zitierte Indianerstamm, würde diese Verantwortung selbstverständlich
      von allen mitgetragen werden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Hakku ()

    • @Hakku
      Ich habe einfach meine persönliche Meinung. Ich masse mir nicht an zu sagen, was gesellschaftlich ein gutes Beispiel ist.....

      meine persönlichkeit ist nicht genug ausgereift, als dass mich in dieser diskussion fehlerhaft beteiligen könnte.....

      *gerade gar nicht versteh was hakku von mir erwartet *
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      -J. Frusciante-

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Venere ()

    • @Venere @Hakku
      Ich denke die Frage ob noch Kinder in diese Welt setzen was gutes oder was schlechtes ist, ist nicht primär das Thema dieses Threads. Dafür sollte man vielleicht einen eigenen aufmachen, wobei ich das nicht empfehlen würde weil das ein sehr emotional aufgeladenes Thema ist, grade hier, wo die meisten lieber gar nicht erst existiert hätten.

      In einer psychisch gesunden Gesellschaft wäre es jedenfalls auch deutlich weniger problematisch Kinder in die Welt zu setzen, weil die dort gesund und geliebt aufwachsen könnten. Was in unserer heutigen Gesellschaft leider nur noch teilweise der Fall ist, egal wie sehr sich die Eltern darum bemühen.

      @Kleinlok
      Mir scheint du hast da eine Menge Frust aufgestaut. Kann ich gut verstehen. Ich finde deine Beobachtungen und Analysen der aktuellen Zustände sehr gut. Nur was fängt man am Ende an mit diesen ganzen Erkenntnissen dass alles scheiße ist und total falsch läuft? Die nächste Frage ist ja dann immer was kann man selber tun um wenigstens selbst da irgendwie raus zu kommen oder gegen zu steuern, oder was kannman tun um sich selbst besser davor zu schützen?
      Schädliche Kontakte zu Systemmitläufern minimieren z.B. Wäre schon mal ein Anfang...

      Wer über gewisse Dinge nicht den Verstand verliert, hat keinen zu verlieren.
    • Drachentränen schrieb:

      Ich denke die Frage ob noch Kinder in diese Welt setzen was gutes oder was schlechtes ist, ist nicht primär das Thema dieses Threads

      Richtig, mir geht es um die Frage, ob eine Gesellschaft bereit ist, nicht-leistungsorientierte Lebensentwürfe, z.B. Familie, künstlerische Werdegänge,...

      zu respektieren, als gleichwertig und wertvoll zu erachten und gegebenenfalls mitzutragen.