Existenzialismus

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    • Existenzialismus

      Jannis Puhlmann schrieb:

      Wir sind zur Freiheit verurteilt. Mit der Geburt werden wir ins Leben geworfen – ohne, dass jemals jemand nach unserem Einverständnis gefragt hätte. Und es liegt allein an uns, unserem Leben einen Entwurf, einen Sinn zu geben – als Autorinnen und Protagonistinnen unserer eigenen Lebensgeschichte. Dieses schon damals nicht unumstrittene Konzept von radikaler menschlicher Freiheit klingt heute realistischer, als noch zu Sartres Lebzeiten. Denn die Wahlmöglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens – von der Berufswahl, dem Lebensstil, dem Beziehungsmodell bis zur Weltanschauung – sind heute freier und zahlreicher als noch in den 50er Jahren.
      Doch schon Sartre wusste: Diese Freiheit kommt zu einem hohen Preis. Sie ist schmerzhaft und anstrengend. Sie konfrontiert uns mit einer tiefen, existenziellen Angst. Denn wenn allein wir selbst dafür verantwortlich sind, eine Antwort auf die Frage nach dem guten Leben zu finden, können wir niemand anderen beschuldigen, wenn wir scheitern. Stattdessen müssen wir immerzu in dem Bewusstsein handeln, dass wir auch anders leben könnten; dass das Leben, das wir führen, nur eines von unendlich vielen möglichen ist. Die Kapitulation vor dieser Omnipräsenz der freien Wahl nennt Sartre „Mauvaise foi“ (wörtlich übersetzt etwa „schlechter Glaube“). Gemeint ist eine Flucht in die Unaufrichtigkeit: Wir reden uns ein, das Leben, das wir leben, sei notwendig. Dass wir in jener Stadt, in jenem Beruf, mit jenem Partner in jener Wohnung leben, wollen wir dann als Vorbestimmung, als das Resultat unserer Erziehung und äußerer Umstände, oder schlicht als das einzig denkbare Leben verstanden wissen. So geben wir unsere Freiheit auf, um der quälenden Frage, wer wir sind und wer wir sein wollen, zu entkommen. Doch so beängstigend der Gebrauch unserer Freiheit auch sein mag: Für Sartre ist die Mauvaise foi keine Alternative. Ein authentisches Leben kann nur führen, wer sich seiner Selbstbestimmung bewusst ist.
      Eure Gedanken dazu?

      Ist Existenzialismus für alle Menschen möglich?
    • Hm. Ich hatte zu dem Thema Fatalismus/Determinismus oder freier Wille schon mal folgenden Text ausformuliert:

      "Das eigene Schicksal ist meiner Meinung nach so eine Mischung aus spirituellem kosmischem Karma, kollektivem Unterbewusstsein, Epigenetik, gesellschaftlicher und familiärer Prägung, geistiger und körperlicher Schwäche, sowie allgemeiner Menschheits-Erbsünde, die in die eine Richtung ziehen, und der eigenen Herzens-, Willens- und Lebenskraft, inneren Stärke und Sehnsucht nach dem Guten und Richtigen die in die andere Richtung ziehen. Oder eben auch nicht ziehen, je nach dem."

      Kurz um, ich denke nicht dass man von Natur aus frei ist in seinen Entscheidungen und ich glaube auch nicht dass man jemals wirklich ganz frei sein wird von allen innen und äußeren Zwängen, aber ich denke dass es die Entwirklungsaufgabe von uns Menschen ist, dass jeder einzelne sich auf den Weg macht für sich selber mehr innere und äußere Freiheit zu eringen.
      Man wird das Endziel nie erreichen können, es gibt keine "abolute Freiheit" keine "absilute Wahlmöglichkeit" wie alle sind immer von irgendwas und irgendwem abhängig und sei es auch nur von der Luft zum Atmen, aber wir können uns dem Ziel eines freien und selbstbestimmten Lebens wenn wir Glück haben und hart daran arbeiten im Laufe der Zeit immer mehr annähern.

      Und ein besonderes Merkmal der Freiheit ist es auch, dass man sich auch absichtlich entscheiden kann sich in eine bestimmte Abhängigkeit zu begeben. Nur mit dem Unterschied dass man es dann frei gewählt hat und jederzeit auch wieder gehen könnte. Das ist wichtig, denn wenn nur noch absolute Freiheit da wäre, würde die Menschliche Gesellschaft nicht mehr zusammenhalten können und nichts mehr funktionieren und es würde auch keine Paarbeziehungen mehr geben und keine Familien mehr weil ja alle frei sind und jeder jederzeit gehen könnte.

      Also zunehmende Freiheit muss gleichzeitig aber auch mit zunehmender Verantwortung einher gehen seine Freiheit sinnvoll zu nutzen und sie nicht zum Schaden anderer einzusetzen, sonst landen wir bei Anarchie und Satanismus.

      Okay das war jetzt voll grunsatzphilosophisch, ich schätze du wolltest eher darauf hinaus ob wirklich alle Menschen die absolute Wahlfreiheit haben können ihr Leben so zu gestalten wie sie es wollen. Da sag ich ganz klar Nein. Jeder hat meiner Meinung nach nur einen ganz bestimmten gesellschaftlich, psychisch und genetisch vorgegebenen persönlichen Rahmen innerhalb dessen er seine Freiheit entfalten kann. Aber ich glaub bis man an die echten "karmischen Grenzen" stößt wo es wirklich für einen persönlich auf Grund äußerer Bedingungen nicht mehr weiter geht, da ist noch unendlich viel Luft nach oben. Also ich glaub nicht dass das hier irgendwer wirklich sein ganzes mögliches persönliches Potenzial an Freiheit voll ausschöpft. Das sollte man aber unbedingt anstreben zu tun, finde ich.

      Wer über gewisse Dinge nicht den Verstand verliert, hat keinen zu verlieren.
    • Was ist "Freiheit"?Ein Begriff,der nur wenigen Menschen zukommt.Wie kann ein Mensch frei sein,von Allem,was ihn bedrängt?Kein Mensch kann sich von seiner Natur befreien,noch weniger von seinen Lebensumständen.Es gibt einen Unterschied,den sich Niemand aussuchen kann - man verhungert als Kind oder studiert in Paris,New York,London oder sonstwo........ Die größte Freiheit des Menschen besteht darin,seinem Leben selbst ein Ende setzen zu können.(Amery,frz. Philosoph) Zuviele Dinge haben mein Leben von außen beeinflußt,als das ich von einer Freiheit reden könnte,selbt in einem relativ freien Land.Ich habe als Kind,irregeleitet(14) mich freiwillig einer Unfreiheit unterworfen,in der ich zumindest zeitweise bessergelebt habe,als in totaler Freiheit.Ich denke,man braucht Lebenserfahrung,um den Begriff "Freiheit" verstehen zu können......... :Ratte:
      Noch ist nicht aller Tage Abend