Der Fall Peggy Knobloch

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    • Der Fall Peggy Knobloch

      In dem Fall Peggy Knobloch verschwand ein neunjähriges Mädchen mit eben diesem Namen aus Lichtenberg, Oberfranken am 7. Mai 2001 spurlos.

      Der geistig behinderte Ulvi Kulaç wurde verhaftet und wegen Mordes angeklagt. Das Aufsehen erregende und umstrittene Verfahren endete am 30. April 2004 am Landgericht Hof mit einem Schuldspruch und einer lebenslangen Haftstrafe. Außergewöhnlich daran war, dass die Verurteilung allein aufgrund eines Geständnisses von Kulaç erfolgte, das dieser jedoch widerrufen hatte. Eine Leiche oder sonstige Beweisspuren für den Mord gab es nicht. Am 9. Dezember 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens an; am 14. Mai 2014 wurde Kulaç freigesprochen.

      Tathergang und Ermittlungen
      Am 7. Mai 2001 verschwand die neunjährige Peggy Knobloch aus Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule. Sie wurde an jenem Abend gegen 19 Uhr zuletzt gesehen. Die Ermittlungen, die bis nach Tschechien und in die Türkei, das Heimatland ihres Stiefvaters, führten, brachten trotz einer Belohnung von 55.000 DM keine Erkenntnisse zu einer Tat. Bei der Suche nach der Drittklässlerin arbeitete die Sonderkommission Peggy 4800 Spuren ab. Trotz intensiver Suche blieb das Mädchen unauffindbar. Ulvi Kulaç, der nach Hinweisen von Peggys Mutter vernommen worden war, konnte zunächst ein Alibi vorweisen, das ihm seine Mutter verschafft hatte.

      Im Februar 2002 wurde eine siebenköpfige Ermittlungsgruppe eingesetzt, die sämtliche Spuren erneut untersuchte. Im März 2002 wurde die Kleidung Kulaçs ohne Befund untersucht. Im Oktober 2002 wurde er in der Klinik festgenommen und erneut verhört. Dabei gestand Kulaç, das Mädchen am 3. Mai 2001 in seiner Wohnung missbraucht zu haben. Am 7. Mai habe er es auf dem Heimweg abgepasst und sich entschuldigen wollen. Peggy sei jedoch weggelaufen und habe damit gedroht, ihn zu verraten. Auf dem Lichtenberger Schlossplatz habe er sie eingeholt. Nachdem er sie niedergestoßen habe, sei sie schreiend am Fuß einer Treppe liegen geblieben. Er habe ihr Mund und Nase zugehalten, bis sie erstickt sei.

      In Telefonaten mit seinem Vater (die abgehört wurden) belastete Kulaç diesen mit der Aussage, er habe ihm dabei geholfen, die Leiche zu beseitigen. Daher wurde der Vater vorübergehend festgenommen.

      Später widerrief Kulaç das Mordgeständnis, die Geständnisse in Bezug auf die Missbrauchsfälle erhielt er aufrecht. Anwalt und Eltern waren überzeugt, dass das Geständnis durch seine Erschöpfung nach stundenlangen Vernehmungen sowie durch Suggestivfragen und falsche Versprechungen seitens der Polizei zu erklären sei. Das Geständnis erfolgte in Abwesenheit eines Verteidigers; außerdem gibt es davon keine Tonaufzeichnung, es stützte sich auf das Gedächtnisprotokoll des Ermittlers. In der Urteilsbegründung wurde allerdings davon ausgegangen, dass Kulaç nicht in der Lage gewesen wäre, eine solche Geschichte zu konstruieren, so dass man annehmen konnte, dass er Erlebtes geschildert habe.

      Sterbliche Überreste von Peggy Knobloch wurden bislang nicht gefunden.

      Sonstige Ermittlungen
      2007 war das Haus des in der Nähe wohnenden vorbestraften Sexualstraftäters Robert E. untersucht worden. Dabei wurde ein Kinder-Unterhemd gefunden, DNA-Spuren von Peggy ließen sich darauf aber nicht nachweisen. Für die Tatzeit hatte der Mann ein Alibi vorweisen können. Neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führten dazu, dass ab 22. April 2013 eine weitere Hausdurchsuchung und Grabungen auf dem Gelände vorgenommen wurden, da es sich um einen „Leichenablageort“ handeln könnte. Robert E. wurde erneut befragt. Bei den Grabungen wurden – wie bereits bei früheren Straßenbauarbeiten in diesem Areal – Knochenteile gefunden. Im Mai 2013 gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Knochen nicht von Peggy stammen.

      Seit Anfang September 2013 gab es neue Ermittlungen gegen einen Mann aus Halle, der wegen sexuellen Missbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden ist. Der Mann war öfter zu Besuch im Haus der Familie des Mordopfers und war im Umgang mit Peggy unangenehm aufgefallen. Durch Recherchen der beiden Journalisten Ina Jung und Christoph Lemmer waren die Ermittler wieder auf den Mann gestoßen, der damals zwar vernommen wurde, aber gegen den nicht weiter ermittelt wurde.

      Am 13. Dezember 2013 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen einen weiteren Mann, den Adoptivbruder des Tatverdächtigen aus Halle, ermittelt. Die Ermittler prüften, ob er bei der Beseitigung der Leiche geholfen haben könnte. Zwar konnte er zunächst für den fraglichen Zeitraum ein Alibi vorweisen, allerdings stellte sich dieses später als falsch heraus. Am 8. Januar 2014 wurde auf dem Friedhof in Lichtenberg (Landkreis Hof) ein Grab geöffnet. Polizei und Staatsanwaltschaft Bayreuth hatten erwogen, dass die Leiche von Peggy in dem Grab einer damals 81-Jährigen, die zwei Tage nach Peggys Verschwinden beerdigt wurde und deren Grab zu diesem Zeitpunkt bereits ausgehoben war, versteckt worden sein könnte. Das Grab enthielt die Knochen der dort bestatteten Rentnerin, allerdings keine Kinderleichenteile.

      Im April 2015 suchten Taucher an der Talsperre Pirk im Stausee nach Peggys Schulranzen, der kurz nach ihrem Verschwinden dort gesehen worden sein soll. Die Suche ergab jedoch keine neuen Anhaltspunkte.

      Quelle: Wikipedia

      When you can't find the words to say,
      it's hard to make it through another day.
      And it makes me want to cry,
      and throw my hands up to the sky.
      (Adrian Smith)
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