Willensfreiheit

  • Hallo Leute,
    ich möchte meine Examensarbeit über die Frage nach dem freien Willen schreiben und soll dazu auch eine eigene Stellungnahme abgeben. Daher würde ich gerne Meinungen sammeln. Glaubt ihr, dass der Wille frei ist?


    Ich vertrete eine Zwischenposition, da das Libet-Experiment beweist, dass unsere Entscheidungen vom Unbewussten beeinflusst werden. Die Umstände beeinflussen uns auch, sodass man in gewissen Situationen nicht wirklich eine Wahl hat. Ich würde also sagen, dass man in alltäglichen Situationen (z.B. was ich anziehen soll) eine freie Willensentscheidung treffen kann. Aber man muss sich an die Umstände (z.B. das Wetter) anpassen.

    Auch wenn du glaubst, dass wir verloren sind, steh auf, mein Freund

    und wenn der Frost in unsre Seelen dringt, halt durch, mein Freund!

    Gleich, was das Schicksal hier am Rand der Welt uns noch entgegensetzt,

    wir kehrn nicht um, das Ziel ist nah von hier. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

    Santiano - Steh auf

  • Der Wille ist frei. Aber die konsequenzen nicht.
    Da die meisten Entscheidungen aber konsequenzen haben nehme ich, das wo für mich am besten ist.Du schreibst man muss ( zb Wetter ) sich anpassen, ich denke es sollte aber sollte heißen . Ich kann im Winter bei minus 10 Grad in Badehose spazieren gehen oder warme kleider anziehen ,das ist mein Wille.Nur ob ich erfriere oder nicht, ist dann nicht mehr mein Entscheidung sondern sind die konsequenzen von meinem freien Willen . :halloweenhappy:

    Das Biest erblickte das Antlitz der Schönheit und von diesem Tag an war es dem Tod geweiht.

  • Zusätzlich zu diesem Experiment spricht auch die Tatsache dagegen, dass es keinen vernünftigerweise annehmbaren Übergang gibt zwischen - zum Beispiel - einem einfach Strickleiternervensystem und dem menschlichen Gehirn.
    Wenn wir voraussetzen, dass die Evolution stattgefunden hat und wir religiöse Hypothesen außer Acht lassen, dann hat sich unser Gehirn zwangsläufig aus einer extrem einfach Struktur heraus entwickelt, die definitiv keinen freien Willen hatte. Die Evolution macht diese Struktur nun stückweise komplizierter, aber wo genau soll der Übergang stattgefunden haben zwischen einer reinen reizgesteuerten Maschine und einem Gehirn, dass plötzlich in der Lage ist, Gedanken zu fassen, ohne "dass es das Fleisch eigentlich so vorschreibt"?


    Um eine biologisch komplett falsche Kette zu skizzieren:
    - Bakterien nehmen ihre Umwelt extrem rudimentär wahr - womit weiß ich nicht. ^^
    - Ringelwürmer haben ihr Strickleiternervensystem
    - Mäusen mit einem Gehirn sprechen wir mit Sicherheit keinen freien Willen zu
    - bestimmte Vögel haben bereits ein Bewusstsein, aber ob wir denen freien Willen einräumen...?
    - bei Hunden und Elefanten könnte man schon eher streiten


    Wann genau ist was passiert, dass wir Menschen plötzlich einen freien Willen bekommen haben? Hatte der Neanderthaler einen? Welcher der ganzen Homo-Spezies hatte einen freien Willen und welcher nicht?
    Wir sind aus etwas Mausartigem entstanden und irgendwo - wenn wir wirklich über freien Willen verfügen - muss der Sprung stattgefunden haben. Und nicht nur ein Übergang, sondern ein Sprung, denn ein Bisschen freien Willen kann ich mir nicht vorstellen...

  • Ich studiere Theologie. Bei der Willensfreiheit, über die ich eine Arbeit schreibe, geht es um die Frage, ob der Mensch sich für Gott entscheiden kann oder ob dieser dazu nachhelfen muss. Das wird dich nicht interessieren.
    Trotzdem frage ich mich auch, ob der Mensch im Alltag einen freien Willen hat. Das Unbewusste entscheidet viel mit. Aber das ist ja auch ein Teil von mir. Also habe ich mich dann trotzdem entschieden.

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    Santiano - Steh auf

  • Ich denke der Wille ist frei jedoch unbewusst auch sehr leicht manipulierbar. Dies zeigen z.B. die Werbepaktiken in den USA wo entsprechendes unterschwellig angepriesen wird und so auch das Kaufverhalten gesteuert wird. Das heist in diesem Fall ist der Wille durch die Werbung manipuliert. Auch Menschen im Umfeld die gewisse Erwartungen haben können nur durch ihre offen ausgedrückten Erwartungen den eigenen Willen in eine Richtung lenken und ihn so manipulieren. Für einen wahrhaft freien Willen ist meiner Meinung auch eine gewisse Willensstärke nötig um eben diese Freiheit des Willens aufrecht zu erhalten.


    "Bei der Willensfreiheit, über die ich eine Arbeit schreibe, geht es um die Frage, ob der Mensch sich für Gott entscheiden kann oder ob dieser dazu nachhelfen muss"


    Auch hier würde ich auch aus persöhnlicher Meinung sagen Jain. Zwar gibt es durchaus den Willen an etwas höheres zu glauben jedoch wird auch hier viel durch Gläubige, Priester, Ordensmitglieder ect eingewirkt wodurch es schwer ist die Entscheidung zum Glauben an Gott selbst zu finden. Bei manchen wird so der Glaube zerstört und andere werden teilweise sogar fanatische Gläubige.

    Ich atme Einsamkeit und werde sentimental. Die Nacht neigt sich dem Ende zu, meine Stimmung ist katastrophal...

  • Meine Examensarbeit ist vor Monaten fertig geworden. Das Ergebnis deckt sich mit dem, was hier bereits geschrieben wurde: Es gibt begrenzte Willensfreiheit. Ich finde das Modell von Harry Frankfurt schön, er unterscheidet zwischen Volitionen niederer (ein einfacher Wunsch) und höherer Ordnung (der Wille, etwas zu wollen/sich zu seinen Wünschen zu verhalten). Das Problem: Man kann ohne Ende Volitionen aufeinander bauen (infiniter Regress). Aber es erklärt, warum man manchmal mehrere Sachen gleichzeitig will.


    Es gibt drei Grundpositionen zur Willensfreiheit: Libertarismus (total frei), Kompatibilismus (sowohl frei als auch unfrei) und Determinismus (total unfrei). Im Libertarismus gibt es die Prinzipien CDO (could have done otherwise) und PAP (Principle of alternate possibilities). Aber da uns nicht immer alle Möglichkeiten gleichermaßen offenstehen, würde ich wie die Mehrheit der Philosophen zum Kompatibilismus tendieren: Es gibt Faktoren, die die Willensfreiheit einschränken: Zeit, Geld, Wünsche, Emotionen, Beziehungen...

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