Was habt ihr in eurer Schulzeit gelernt?

  • Mich würde interessieren, was ihr so im Laufe eurer Schulzeit fürs Leben gelernt habt. Dabei muss es auch nicht unbedingt um inhaltliche Dinge, wie das schreiben einer Gedichtanalyse oder Stochastik gehen, kann es aber natürlich auch.
    Je nachdem, was ihr aus dieser Zeit mitgenommen habt. :007:


    Bei mir sind es zwei Dinge.
    Erstens: Die Welt der klassischen Literatur habe ich in der Oberstufe für mich entdeckt, auch wenn diese Begeisterung kaum einer in meiner Klasse geteilt hat.
    Zweitens: Es klingt zwar doof, aber ich habe primär in der Schule gelernt, wie man sich am effektivsten und mit möglichst geringem Aufwand durchs Leben mogeln kann. Eine Fähigkeit, die mir nach meinem Abitur schon öfter weitergeholfen hat. :grin:

  • Die meisten meiner aktuellen Sozialängste habe ich in der Schulzeit erworben, aber die wohl wichtigste Lektion aus der Schulzeit ist ein Misstrauen und eine Verschlossenheit gegenüber Arbeitskollegen. Man weiß nie wem man wirklich trauen kann und wer einem ein Messer in den Rücken treibt.
    Im Grunde genommen war viel von dem Schulwissen für meinen aktuellen beruflichen Werdegang recht sinnfrei, da ich alle nützlichen Fächer für mein Studium bereits in der Unterstufe abgewählt habe (zumeist weil die Lehrer meinten ich wäre völlig talentfrei). Ich bin selbstverständlich dankbar dafür die Möglichkeit einer Schulbildung genossen zu haben und habe auch interessante Charaktere in der Schule getroffen, aber dennoch blieb in meinem Gedächtnis eigentlich nur zurück, dass das deutsche Schulsystem nichts Halbes und nichts Ganzes ist und veraltetes Wissen und überholte Modelle lehrt.
    Vielleicht stammt meine Erkenntnis, dass man im Leben mindestens eine Kampfsportart (oder zumindest Selbstverteidigung) gelernt haben sollte ebenfalls aus dieser Zeit.

    Es kann ebenso Alltag sein, wenn man nicht mehr weiß wo das Ich aufhört und das Du beginnt und sich alle Gedanken im Raume zu drehen scheinen.

  • Mir hat die Schulzeit hauptsächlich gezeigt, wie der Mensch immerzu "vermessen" wird.
    Intellekt beurteilt anhand von Noten. Die aber absolut nicht vergleichbar sind, da nicht alle die gleichen Lehrer mit dem gleichen Leistungsanspruch haben. Es gab Leute die hatten eine 1 weil deren Lehrer immer Multiple-Choice-Tests gemacht hat für die man einfach nur auswendig lernte. Andere Lehrer haben hingegen Transferleistung gefordert, etwa durch Quellen-Analysen. Da war es weitaus schwerer, eine so gute Note zu schaffen. Hinterher zählt dann aber nur die 1, die im Zeugnis steht... Und je nachdem was da so drin steht, bekommt man für die Ausbildungssuche (oder auch für ein Studium im Fall von NC) Steine in den Weg geworfen oder sämtliche Türen aufgehalten. Ich fand das sehr ernüchternd...

  • @ Winnie Puh.
    Ja ne? Irgendwie war die Schulzeit für mich die langweiligste und sozial anstrengendste Zeit meines Lebens. Nach der Schule (sei es Arbeit oder Uni), habe ich mich immer wesentlich nützlicher und geforderter gefühlt. Gerade das kollegiale System in diversen Arbeitsbereichen hat mir mehr gefallen, da ich immer irgendwo fest eingebunden war und nicht mehr soviel Inkompetenz gesehen habe (gabs zwar teils immernoch, aber doch wesentlich seltener und zumeist nicht ungestraft ;) ).
    Ich denke in der Schulzeit lernt man auch meistens nicht mit sich selbst im Reinen zu sein. Ich war damals immer sehr unzufrieden mit mir uns wollte immer mehr. Mittlerweile hat sich das geregelt.

    Es kann ebenso Alltag sein, wenn man nicht mehr weiß wo das Ich aufhört und das Du beginnt und sich alle Gedanken im Raume zu drehen scheinen.

  • Heute weiß ich, dass ich mehr gelernt habe als ich damals wahrnehmen konnte.
    Es war für mich immer schwierig mit Personen in meinem Alter (also zur damaligen Zeit) eine Freundschaft aufzubauen. Ich ging nicht gerne feiern, habe nicht eine Beziehung nach der anderen geführt, mich nicht geschminkt und aufgrund meines Gewichtes auch nicht den aktuellsten Trends nachgegeiert.
    Dadurch lehrte mir die Schulzeit, dass ich das auch nicht brauche, um irgendwo Anschluss zu finden. Denn die Leute, die sich mit mir umgeben haben, haben das auch so akzeptiert - es waren nicht so viele Freunde wie andere hatten, aber dafür Ehrliche.
    Und dieses Prinzip fahre ich bis heute. Gerade durch mein Studium durchlebe ich zwar gerade nochmal eine Persönlichkeitsentwicklung, aber an diesem Prinzip des "Umgib dich nur mit den Leuten, die dich mögen und nicht die, die dich nutzen" halte ich fest.


    Desweiteren denke ich oft an meinen Mathelehrer, der mich immer "ungeschliffener Rohdiamant" nannte. Heute weiß ich, was er damit meinte und ich bin ihm sehr dankbar für diese Worte.
    Ebenso mein Sowi-Lehrer, der mein Potential früh erkannte und mich darin stärkte, das zu tun was ich liebe.
    Insgesamt, wenn ich heute auf meine Schulzeit schaue, ging es mir gut, auch wenn ich das anders wahrnahm. Ich wurde gemobbt und habe Schulmobiliar im 4 Stelligen Bereich zerkloppt - trotz allem gab es die Menschen, die an mich geglaubt haben und das möglich machten, was heute ist.


    Ich bin dankbar.

    Trying. I’m trying. I swear that I'm trying.
    But it's hard when you know that you're ugly,
    and [...] when you know that you'll fail.

    I swear I tried.


    Dear mama
    - Cøzybøy + Le Play.

  • Viel von dem was man danach nicht mehr braucht: Brüche teilen und ähnlichen Quatsch, "Bundesjugendspiele", "Wahlpflichtunterricht" - aber durchaus auch Dinge die mir nützlich waren und sind: allein sein, nicht irgendwelchen schnellebigen Trends folgen und unehrliche Leute relativ schnell erkennen können.
    Muß aber auch sagen daß ich während des Studiums dann viel besser und damit viel mehr lernen konnte als zur Schulzeit. Aber rückblickend war Schule nicht die allerschlechteste Zeit:-)

    I`ve seen a lot of Sights and travelled many Miles;
    shook a thousand Hands and seen my share of smiles.
    Caused one too much concerns and told one too many Lies- and now I see this World through those sad old jaded Eyes....

  • Für mich war Schule Krieg...doch auch im Krieg lernte ich...


    Negativ:
    Alle Menschen sind böse (es gibt auch Ausnahmen, doch erwarte sie nicht).
    Vertraue niemandem außer dir, denn man wird dein Vertrauen nur missbrauchen für egoistische Zwecke.
    Wehre dich, denn etikettierst du dich als Opfer, werden dich andere missbrauchen, um ihren Selbstwert zu steigern.
    Niemand interessiert sich emotional für dich, denn alle spielen einfach nur ihre Rollen, verdienen ihr Geld und lassen dich kaputt stehen.
    Aufgezwungene Religion und Rituale wollen normalisieren, nicht eigenständiges, logisches Denken fördern.


    Gut:
    Geschichte ist toll und faszinierend, denn es ermöglicht die Gegenwart zu verstehen und Prognosen für die Zukunft zu formulieren.
    Es gibt kein richtig und böse, bloß eine multiperspektive Ansicht auf einen Sachverhalt verschiedener Betrachter.
    Schlechte Menschen können Vorbilder sein, um zu wissen, wie man selbst nicht sein will.
    Konsumenten von Suchtmitteln sind geistig schwach und rational/logisch dumm, denn sie schaden sich bei vollem Bewusstsein nachträglich und lassen ihren Körper verwesen, was mich animiert hat solche Leute für ihre Schwäche zu verspotten.
    Damit Mobbing erfolgreich ist, verlangt es 2 Parteien: Die jenige Partei, die das Mobbing abgibt und die jenige Partei, die das Mobbing annimmt. Entsteht kein Konsens, kommt es nicht zum Mobbing.
    Lässt du einen emotionalen Zugang zu dir nicht zu, kann dir niemand ernsthaft weh tun.

    Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
    Edward D. Morrison

  • Die jenige Partei, die das Mobbing abgibt und die jenige Partei, die das Mobbing annimmt. Entsteht kein Konsens, kommt es nicht zum Mobbing.

    Du gibst dem Gemobbten die Mitschuld daran, dass er gemobbt wird. Findest du wirklich, jemand ist schuldig, nur weil er sich nicht wehren kann, aus welchem Grund auch immer?


  • Liebes @KleinesWesen


    Es braucht ganz grundsätzlich diese 2 Parteien, damit das Mobbing theoretisch und praktisch stattfinden kann. Die Schuld ist dabei jedoch beim Täter,...alleine beim Täter...zu suchen. "Leben und leben lassen". Oft wird gemobbt, weil die gemobte Person ein der Norm divergierendes Verhalten an den Tag legt. Das "Leben lassen" im eigentlich gegenseitig vorherrschenden Grundrespekt "Nächstenliebe" wird dabei gebrochen. Bei einer Vergewaltigung ist das Prinzip das selbe, genauso wie die Schuld alleine vom Täter ausgeht. Die Motivation einer Vergewaltigung ist freilich eine andere als beim Mobbing - ein Vergleich beschränkt sinnvoll.


    Ich hoffe, dass es jetzt deutlicher ist =).

    Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
    Edward D. Morrison

  • Die Motivation einer Vergewaltigung ist freilich eine andere als beim Mobbing

    Der Täter will in beiden Fällen Macht ausüben?

    Eine jede zwischenmenschliche Beziehung wird in einem gewissen Macht- und Herrschaftsanspruch ausgeführt. Die Frage ist nur, ob diese Ansprüche juristisch legitim sind. De facto aber ja...es geht ganz klar um einen egoistischen Motivator, den nur der Täter kennt, und die Durchsetzung dieses Motivators wird erst durch Macht ermöglicht. Durch Exekutive, Legislative und Judikative wird eine etwaige ungerechtfertigte Machtausübung zur Rechenschaft gezogen.


    Ganz grundsätzlich möchte ich aber nochmal ausdrücken, dass der Titel des Threads lautet "Was habt ihr in der Schule gelernt". Eine Beleidigung wegen meiner korporierten Lerninhalte liegt mir nicht nahe.

    Truly, if there is evil in this world, it lies within the heart of mankind.
    Edward D. Morrison