Seid ihr spirituell?

  • Ja.


    Und es belastet mich massiv dass nur einer meiner Freunde auch spirituell ist. Bei allen anderen muss ich diesen riesigen Bereich komplett ausklammern aus den Gesprächen damit es keinen Ärger oder Streit oder einfach nur totales Unverständnis deswegen gibt. Das ist wirklich hochgradig deprimierend, denn in meinem Leben, Fühlen und Denken, macht das geschätzt 75% aus. Ich muss also bei allen meinen Freunden bis auf einen 75% von mir weglassen. Da wundert es einen wirklich nicht dass man sich mit diesen Menschen genau so einsam fühlt wie ohne.


    Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt auf einem langen, schwierigen und nie endenden Weg
    zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben.

  • Hey Hallo @Drachentränen
    Ja, kenne ich. Bei mir ist das ähnlich.
    Bei meinem Kumpel rufen spirituelle Themen eher sowas wie Unwohlsein oder Unverständnis aus , weswegen ich spirituelle Themen eher meide.
    An sich habe ich es auch versäumt mit spirituellen menschen bindungen einzugehen, weswegen mich dass auch massiv belastet, dass ich damit ganz allein geblieben bin mit all diesen gedanken.Außer mit Stift aufs Blatt papier kenne ich niemanden , mit dem ich über spirituelle Themen reden kann.teils glaube ich selbst verschuldet.Also ich rede hier auschließlich über mich.

  • @Pain Interessant dass es dir ähnlich geht.
    Weiß aber nicht ob man da sagen kann das "versäumt" zu haben.
    Ich fürchte es ist halt auch leider gar nicht so leicht da jemand passenden zu finden, denn je nach Temperament streitet man sich mit jemanden der auch an sowas glaubt - aber eben ganz anders als man selbst, am Ende mehr als mit jemanden der an gar nichts glaubt.
    Ich hab in dem Bereich auch schon sehr unangenehme Menschen kennengelernt. Grade wenn die so dogmatisch drauf sind und neben ihrer eigenen Wahrheit nichts anderes mehr gelten lassen.


    Oder sagen wir es mal so, es gibt nicht viele "spirituelle Menschen" die noch kein vollkommen festgefahrenes Weltbild haben. Die meisten hängen irgendeiner Richtung an und plappern da dann alles nach ohne selber mal zu denken oder eigene Erfahrungen zu machen. Mit denen kann man im Grunde auch nicht wirklich offen reden.


    Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt auf einem langen, schwierigen und nie endenden Weg
    zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben.

  • Hey @Drachentränen


    Da hast du recht, viele haben so ein festgefahrenes weltbild, sind dogmatisch oder sogar fanatisch. Ich kenne einen Christen der spirituell ist, aber irgendwie ist der auch sehr dogmatisch, dass als Beispiel. Natürlich habe ich nichts gegen den.und mit dem streiten hat du auch recht, dass kann schonmal passieren
    Hmm.. Ist wirklich nicht einfach.

  • Ich tendiere dazu Dinge ganzheitlich zu sehen.Ob das dann nach der allgemeinen Betrachtung spirituell ist sei dahingestellt.Esoterik ist gar nicht meins.Religiösität in einem vernünftigen Rahmen schon.
    Überall gibt es Fanatiker.Da ist keine Glaubensrichtung frei von.

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe die wir hinterlassen wenn wir gehen.


    Albert Schweitzer

  • Bei Glaube pflege ich zu sagen: Es ist etwas, was im Kopf des Menschen anfängt, und auch dort wieder aufhört.


    Glaube gehört zu den Emotionen, deswegen kann er auch entgegen jeglicher rationalen Argumente verteidigt werden - egal, ob es sich bei dem Glauben um erwiesenen Unsinn handelt oder um etwas, was wissenschaftlich und/oder historisch nicht bewiesen werden kann (oder wo bewiesen werden kann, dass die realen Abläufe doch etwas anders waren als die eigene Erzählung besagt).

  • @Drachentränen Ich kenne da eher die umgekehrte Seite. Mein Vater ist extrem spirituell veranlagt, ich hingegen überhaupt nicht. Leider führte das in der Vergangenheit oft zu teils heftigen Streitereien (daher habe ich auch damals meinen Nicknamen gewählt - würde ich so heute allerdings nicht mehr nehmen), und auch heute müssen wir uns beide immer wieder zusammenreißen, falls das Gespräch in diese Richtung geht. Durch Vermeidung der Themen und etwas Gelassenheit auf beiden Seiten ist es zwar seit Jahren nicht mehr zu einem heftigen Streit gekommen, allerdings ist es trotzdem schwierig.
    Spiritualität spielt für ihn leider bei fast allen möglichen Themen irgendeine Rolle, deshalb ist es oft gar nicht so einfach, sich zu unterhalten und dabei das Thema vollständig auszuklammern, und er ist auch kein Mensch, der das versteckt, genauso wenig wie ich bei meinen Ansichten nachgebe.
    Dieser Umstand belastet allerdings unsere Beziehung, manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns seit Jahren (seit das bei ihm so extreme Ausmaße angenommen hat) immer mehr entfremden.

  • @BadReligion Naja was heißt umgekehrte Seite. Ich kenn letztendlich auch beide Seiten sehr gut.
    Mit meinen einen Leuten kann ich nicht offen reden weil sie überzeugte Materialisten sind und mit den anderen nicht weil sie durchgeknallte Esofreaks (Esopathen) sind.
    Selbst in meiner Kernfamilie gibt es beides. Meine Mutter überzeugte Materialistin, meine Schwester 100% Eso.
    Kurioser Weise kommen die beiden dann trotzdem besser miteinander klar als mit mir jeweils. Aber das ist dann wohl eine zwischenmenschliche Frage und keine Frage der Überzeugungen.


    Und ja es ist zuweilen wirklich unmöglich sich überhaupt noch über irgendwas zu unterhalten außer Smalltalk.
    Ich weiß gar nicht welcher Parteien man da letztendlich die Intoleranz vorwerfen soll am Ende. Es gibt dann eben überall immer so "Reizthemen" und dann sehen alle nur noch rot. Und wenn sie nicht direkt aggressiv reagieren dann überschütten sie den anderen mit Verachtung für seine "falsche Weltanschauung".


    Aber wahrscheinlich bin ich da selber auch gar nicht besser und hab kein Recht mich deswegen zu beschweren.


    Ich leide jedenfalls auch sehr darunter dass man mit meiner Schwester hauptsächlich wegen dieser Themen quasi überhaupt gar nicht mehr reden kann. Ich hab meine Schwester dadurch praktisch verloren und die war früher meine beste Freundin, inzwischen hasst sie mich weil ich nicht ihren Glauben teile. Dabei teile ich ihn sogar zu mindestens 50% aber das reicht ihr nicht. Für sie gibt es eben nur diese eine Wahrheit und die ist absolut und alle die diesen Glauben nicht teilen sind dumm und böse und kommen in die Hölle.


    Mich nimmt das immer wieder total mit. Dieser Absolutismus innerhalb dem jeder Zweifel an "der Lehre" verboten ist. Wie in einer Sekte, nur ohne Guru.


    Früher hat meine Schwester mal zu mir aufgesehen und mich als ihre große Schwester bewundert. Aber seit ihrem tollen neuen Glauben sieht sie nur noch auf mich herab und belächelt mich milde verächtlich weil "ich halt noch nicht so weit bin die einzig wahre Wahrheit zu begreifen".


    Aber genau so rauben mir auch die atheistischen Materialisten den letzten Nerv.


    Ich möchte ehrlich gesagt mit beiden Dogmatismus-Lagern nichts mehr zu tun haben. Man kann mit beiden Parteien nicht mehr normal und ergebnisoffen diskutieren, da denen ihre Meinung schon feststeht bevor sie überhaupt wissen worum es geht. Das ist mir langsam aber sicher wirklich zu dumm.


    Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt auf einem langen, schwierigen und nie endenden Weg
    zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben.

  • Man kann mit beiden Parteien nicht mehr normal und ergebnisoffen diskutieren, da denen ihre Meinung schon feststeht bevor sie überhaupt wissen worum es geht

    Naja, bei wem ist das nicht so? Wir alle haben bei diesem Thema irgendwie unsere Ansichten, von denen wir überzeugt sind. Das Gegenteil kann niemand beweisen, generell kann die Frage nach diesen übernatürlichen Dingen wohl niemals endgültig geklärt werden (Agnostizismus - die wohl vernünftigste Ansicht bei diesem Thema). Es basiert alles nur auf Glauben, hier stichhaltige Argumente für die eine oder andere Seite zu finden ist oft schwer (Meines Vaters Lieblingsargument: Ich lasse es dich lesen - als würde alles stimmen, was irgendwo in einem Buch geschrieben steht).


    Eigentlich kann man nur versuchen, dieses Thema mit Andersgläubigen zu vermeiden, meistens gibt es ja viele andere Dinge, über die man reden kann. Wenn ich merke, dass hier jemand andere Ansichten hat als ich, dann versuche ich dieses Thema auch zu vermeiden, weil es erfahrungsgemäß schon auch ausarten kann. Selbst wenn man mit Andersgläubigen darüber reden kann, wird man nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen.


    Ich würde mir wünschen, dass es mit meinem Vater auch möglich ist, leider probiert er es immer wieder, mich auf "den rechten Weg" zu führen, indem er mir zum Beispiel "wissenschaftliche" Artikel gibt, an denen natürlich gar nichts wissenschaftlich ist - ja, manchmal lese ich es, damit niemand behaupten kann, ich würde mich schon vorher verschließen. Und nicht nur mich versucht er zu bekehren, auch bei meiner Mutter (die nimmt das recht gelassen und kommentiert es kaum) und anderen Verwandten probiert er es regelmäßig, natürlich mit geringem Erfolg bei allen, die nicht schon vorher auf dieser Linie waren. Und dieses Missionieren ist etwas, bei dem mir wirklich immer wieder der Kragen platzt. Ich kann und will niemandem seinen Glauben ausreden, warum das andere immer wieder probieren müssen, verstehe ich nicht.


    Es tut mir jedenfalls leid für dich, dass es mit deiner Schwester so weit gekommen ist. Eigentlich tragisch, dass manche Menschen so auf ihren Ansichten pochen und andere gleich abwerten, nur weil sie nicht die gleichen spirituellen Ansichten haben. Jeder kann seine Ansichten haben, aber man soll sie nicht anderen aufzwingen oder andere deshalb von oben herab behandeln.

  • @BadReligion Der Hauptgrund für das ganze ungebetene Missionieren ist letztendlich ja nur weil die Leute das gut meinen. Die wollen dass man auch "endlich die Wahrheit begreift" damit man ihrer Ansicht nach halt weiter kommt im Leben und sich spirituell vervollkommnet. Im Grunde wollen die einen nur helfen, einen retten, einen auf den rechten Weg führen damit es einem besser geht, und das macht das ganze halt besonders tragisch.
    Ich mein dass das dann immer nur zum Gegenteil führt und es deswegen dann Hass und Streit gibt.


    Im übrigen ist das auch in anderen Lebensbereichen so, wenn da jemand ein Problem hatte und dann für sich eine gute Lösung dafür gefunden hat, dann versucht er diese Lösung die ihm so toll geholfen hat auch allen anderen aufzudrängen bis hin zu aufzuwingen, ohne dabei zu berücksichtigen dass andere einfach andere Menschen sind und andere Probleme haben. Dieser Irrglaube "was mit geholfen hat muss auch allen anderen helfen" ist einfach extrem weit verbreitet. Und davon lassen sich die Leute echt kaum abbringen. Grade diejenigen die es besonders gut meinen und ganz besonders viel helfen wollen missionieren dann halt total penetrant bis zum äußersten.


    Ich weiß auch nicht wie damit umzugehen ist. Es würde aber sicher schon helfen wenn man anerkennt das derjenige es nur gut meint. Und selbst wenn mit Hölle gedroht wird, ist das letztendlich ja auch nur weil derjenige eben nicht will dass man in die Hölle kommt. (Also meistens zumindest.)


    Agnostik liefert aber auch einen Streitpunkt und ist leider nicht neutral, denn die sagt ja dass man nichts dergleichen je wirklich wissen können wird, und da sind ja zumindest einige Glaubensrichtungen strikt anderer Meinung und besagen dass man sich nur drauf einlassen muss dann kann man die Wahrheit selbst erfahren.


    Das Problem hab ich ja hauptsächlich mit meiner Schwester. Ich sag immer "ja das kann sein, oder ist wahrscheinlich, aber andere Sachen könnten genau so gut sein" und sie immer "nein es gibt nur die eine Wahrheit und es ist genau so!"
    Dabei ist meine Schwester echt hochintelligent, es ist mir absolut unbegreiflich wie sie einfach so einem bestimmten "Weisheitslehrer" hinterherrennen kann und davon ausgehen kann dass dieser eine Mensch wirklich ALLES wusste und NIEMALS sich in keinem einzigen Punkt geirrt hat. Das ist total verrückt sowas anzunehmen. Aber irgendwie rafft sie das nicht. Und man darf da auch nichts kritisieren weil sie sich zu 100% mit dem Identifiziert. Zweifelt man das Glaubenssystem an zweifelt man quasi die Person selbst an, oder besser gesagt das Ego der Person... und dann gibts Krieg.


    Naja aber es gibt zum Glück schon auch noch ein paar Menschen die nicht bereits von vorne herein eine festgefahrene Meinung haben. Und Agnostik ist wie gesagt auch eine festgefahrene Meinung denn sie legt fest dass man darüber nichts wissen KANN.
    Aber auch ob das so ist weiß man ja letztendlich nicht wirklich. Ist jedenfalls meine Meinung dazu.


    Rebellion allein macht noch keinen Menschen. Sie ist nur ein erster Schritt auf einem langen, schwierigen und nie endenden Weg
    zur Überwindung der Furcht vor der Freiheit, ein eigenes Selbst und ein menschliches Herz zu haben.

  • @Drachentränen Ja, du hast recht, es ist meistens sicherlich gut gemeint, wird aber leider oft falsch verstanden. Und es spricht auch nichts dagegen, jemandem zu sagen, was einem selbst geholfen hat, generell in allen Lebensbereichen. Es macht vor allem die Art aus, wie man es sagt und mit welchem Nachdruck man es einem aufzwängen will. Ich habe zum Beispiel kein Problem damit, wenn jemand sagt, ihm/ihr habe die Spiritualität in einer schwierigen Phase geholfen. Wenn aber jemand gleich mit der Hölle beispielsweise kommt, fällt es mir schwer, das als guten Ratschlag aufzufassen, die Art der Kommunikation macht hier sicher auch vieles aus. Es mag wohl gut gemeint sein, man erreicht damit aber oft das gegenteilige. Außerdem sollte man auch akzeptieren, wenn ein anderer andere Ansichten hat, und es nicht immer wieder aufs neue probieren.


    Zum Thema Agnostik: Ja, einen Streitpunkt findet man bei diesem Thema wohl immer, aber keiner kann widerlegen, dass sich die Gottesfrage derzeit nicht endgültig klären lässt. Von allen Ansichten ist es meiner Meinung nach die neutralste, weil sie sich nicht direkt mit der Frage beschäftigt, ob es übernatürliches gibt, sondern damit, ob diese Frage überhaupt geklärt werden kann. Würde man darüber jemals etwas definitiv wissen, dann würde man der Agnostik ohnehin ihre Grundlage entziehen.
    Es gibt übrigens verschiedene Arten von Agnostikern. Einerseits diejenigen, welche behaupten, die Frage nach Gott ließe sich derzeit mit dem vorhandenen Wissen nicht klären und andererseits welche, die eine Antwort darauf für generell unmöglich halten. Ich halte zumindest erstere Ansicht für die neutralste Ansicht, weil man es aus wissenschaftlicher Sicht derzeit einfach nicht klären kann.
    Ich selbst bin übrigens kein Agnostiker, das nur am Rande.


    So ganz verstehe ich auch nicht, warum sich manche Menschen so dermaßen auf etwas versteifen können, dass sie es direkt persönlich nehmen, wenn man es kritisiert. Aber für viele ist die spirituelle Ansicht einer der wichtigsten persönlichen Merkmale, sie definieren sich direkt darüber. Mit solchen Menschen kann man halt leider auch kaum reden, man wird sie nicht davon überzeugen können, von diesen extremen Ansichten abzurücken. Es ist nur sehr schade, wenn durch solche absolutistischen Einstellungen dann zwischenmenschliche Beziehungen beeinträchtigt werden.