Fremdüberschätzung?

  • huhu. ich wusste jetzt leider nicht wohin mit dem thema... hoffe ich bin hier richtig...


    kennt ihr das? eine oder mehrere personen, die euch viel zu viel zutrauen? mehr, als dass ihr euch selbst zutraut?
    ich hör so oft den satz *du kannst das! das ist perfekt für dich!*


    wie manche wissen, bin ich ehrenamtlich im roten kreuz aktiv. wir haben einen neuen kreisgeschäftsführer (kgv), der im gegensatz zu seinem vorgänger, sehr aktiv ist und viel bewirken will. find ich auch sehr toll. unser kreisverband hat sich nach seiner einstellung im märz sehr zum positiven verändert.
    nun bin ich grad dabei meinen erste hilfe ausbilder zu machen. seit beginn steh ich mit dem kgv in einem sehr engen kontakt und wir arbeiten hand in hand. u.a. bauen wir bei uns im kreisverband nun den suchdienst (ein arbeirskreis des DRKs) auf. nun hab ich aber dezent das gefühl, und das bekomm ich auch von vielen zu hören, dass unser kgv sehr hoch über mich redet. von meiner arbeit scheint er wohl sehr begeistert zu sein und auch von meinem engagement, welches ich im kreisverband an den tag lege... obwohl das alles nur ehrenamt für mich ist.
    nun hat er mir offenbart, dass er mich gerne als schatzmeisterin hätte... in der position verwalte und kontrolliere ich u.a. die einnahmen und ausgaben unseres kreisverbandes. sozusagen kontrolliere ich ihn auch ein stück weit. das ist doch eine sehr grosse verantwortung... er lässt aber auch einfach nicht locker... und wieder der satz *du bist wie gemacht dafür. du könntest das wirklich perfekt meistern!* aber sonsicher bin ich mir da selbst eben nicht.
    so geht es mir aber auch in vielen bereichen. selbst in meinem beruf... auf dem rettungswagen von den notärzten :*was sagst du dazu? hast du dir das ekg schon angeschaut? welche medikamente erachtest du jetzt für am besten?* dabei bin ich ja nur ein pobliger rettungssanitäter. nichts besonderes... auch in meiner ausbildung: ich lerne grad gesundheits- & krankenpflegerin. da bekomm ich oft zu hören *ach du bist erst anfang 2. abj? egal, du kannst das!*
    die menschen trauen mir viel zu viel zu. dabei hab ich oft das gefühl, dass ich das nicht kann. aber so direkt wehren kann ich mich nicht dagegen... sag dann häufig nichts und tue, was von mir verlangt wurde.


    kennt die situation jemand? wie geht ihr damit um?

    ' Es gibt Dinge die wir akzeptieren müssen, von verkraften war nie die Rede.'


    'Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.'


    'Es gibt keine wirklichen Lösungen. Und auch keine wirkliche Antworten. Am Besten atmet man tief ein und aus.... und hofft, dass der Schmerz nachlässt.'


    :nagori.:


    :hirn1:

  • Hey du,


    ich kenne das bedingt.
    Manchmal sprechen mir Menschen wesentlich mehr Stärke zu, als ich habe.
    Mich störte dies bisher aber selten, da ich mir meinen Teil denke und ich weiß, dass ich selber mich wohl am besten kenne.
    Zumindest in einigen Belangen.


    Wenn du es dir wirklich nicht zutraust, sag es doch so. Geh zu den Leuten und sag "Hey, ich denke, du schätzt mich da falsch ein. Ich fühle mich noch nicht so weit."


    Manchmal ist es allerdings auch gut, außer der eigenen "Komfortzone" raus zu kommen und zu sagen "Hey, ich kann nicht versprechen, dass ich es packe, aber ich versuche es." Im Grunde können wir uns nur weiter entwickeln, wenn wir Dinge tun, die wir bisher noch nicht getan haben. Das Leben ist ein Lernprozess. Man kann auch sagen "Hey, ich brauche da noch Unterstützung, aber ich werde versuchen, mcih da rein zu finden."


    Um Coldplay zu zitieren (Ja, ich tue es..aus dem Lied "Fix you") "When you never try, you'll never know"


    Ab und an trauen wir uns vllt. auch zu wenig zu. Möglich das andere in uns sehen, was wir selber nicht sehen können.
    :)

  • ich kenne das was du beschreibst gerade bei Ärzten ich wirke oft sehr stabil weil ich im Alltag gut funktioniere und auch Strategien habe
    Das macht auch in Klinik Alltag den Eindruck als wäre ich stabiler als ich bin (bin zur Zeit in der Psychiatrie )
    das nervt oft weil mir deine Leute Sachen erwarten die ich aber nicht leisten kann und oft werde ich auch viel früher entlassen als ich eigentlich möchte und brauch
    Einen Tipp habe ich dann leider aber auch nicht weil ich da ja das selbe Problem habe und ich auch traue mich oft nicht das dann anzusprechen weil es dann so rüber kommt als würde ich simulieren

  • Das beschriebene Problem kenne ich leider auch seit Jahren. Wenn ich jedes Mal nen Euro bekommen hätte sobald der "Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!" Spruch kam wäre ich jetzt reich!


    Irgendwie sehen die Leute häufig Dinge in mir, die ich absolut nicht sehe. Und dann fühle ich mich schnell unter Druck, weil ich deren Bild von mir entsprechen und sie nicht enttäuschen will. Daraus entsteht dann wiederum Überforderung und Angst. Und ab einem gewissen Punkt auch Selbsthass weil ich mich immer ungenügend fühle. Es ist nie gut genug...


    Ich leide auch derzeit wieder darunter im Job. Zwei Chefs "nötigen" mich regelrecht dazu, mich zu "entwickeln" und aus der Assistenz raus hin zur Referentin zu agieren. Ich scheue mich aber vor der Verantwortung und der Erwartungsdruck setzt mir sehr zu. Und wenn ich dann aber NEIN sage kommen diese "Sie können doch aber nicht Ihr Leben lang im Vorzimmer versauern wollen" Spitzen - und dann fühl ich mich irgendwie "bemängelt / verurteilt" und minderwertig. Je mehr Druck gemacht wird, dass ich mir mehr zutrauen soll, desto "kleiner" werde ich irgendwie...


    Dann kommen oft auch noch von anderen Leuten, denen ich davon erzähle, diese "freu dich doch! Die trauen dir was zu / wollen dich fördern / sehen dass du mehr kannst!" und die machen es nur noch schlimmer. Irgendwie häng ich dann immer an diesem Empfinden fest, dass die alle gar nicht sehen wollen wer ich bin, sondern wer ich deren Ansicht nach zu sein habe. Und ich kann und will nicht existieren, um so zu sein wie andere mich gern hätten...


    In der Therapie ist es nicht besser. Die Therapeutin nimmt mich ganz anders wahr als ich mich fühle. Aber da hat sie es auch nicht leicht gegen meine Maske und das Theaterspiel im Alltag anzukommen. Und wenn ich die Maske ablege sagt sie oft, dass ich nach außen einen komplett anderen Eindruck vermittele...


    - Caedys

  • Manchmal ist es bei mir schon noch immer so, dass mich andere überschätzen, aber ich kann mich da inzwischen recht gut abgrenzen, merke aber auch, dass es so ein Mittelding ist. Ich traue mir selbst zu wenig zu und die anderen zu viel. Ich staple aber lieber zu tief als zu hoch muss ich ganz ehrlich sagen.

    Laut Statistik ist eine von fünf Personen verrückt.
    Wenn um dich herum vier Leute sind, die dir normal erscheinen,
    sieht's schlecht aus.


    [Jean-Claude van Damme]