Leute, die ihre Krankheit als Vorwand benutzen

  • Ich habe keine Ahnung, ob das jetzt der richtige Bereich dafür ist aber bei den anderen hat es in meinen Augen nicht so hingepasst. ^^'


    Wir kennen sie bestimmt alle - Leute, die ihre Krankheit als Vorwand benutzen.
    Ich habe schon Kontakt mit Personen gemacht, die sich mit ihrer Krankheit wegen allem rechtfertigen.
    ,,Ich bin nur so nervig weil ich ADHS habe." (Ich habe selbst ADHS und ich weiß, dass man sich unter Kontrolle haben kann, wenn man will.)
    ,,Ich kann dies und das nicht erledigen, weil ich Depressionen habe."
    etc.


    Natürlich kann man einen schlechten Tag haben und es ist nicht möglich, irgendwas zu unternehmen, weil die Depressionen zuschlagen.
    Natürlich bemerkt man oftmals nicht, dass man anderen auf die Nerven geht, weil es für Leute mit ADHS (jedenfalls für mich) normal ist, sich so zu verhalten.
    Natürlich kann eine Krankheit eine Erklärung sein, solange man sie nicht als Vorwabd missbraucht.
    Diese Leute die ich kenne, nehmen es immer als Ausrede und nach einiger Zeit rollen die Leute in der Umgebung genervt mit den Augen.
    Fazit: Ich werde nicht ernst genommen, wenn ich wirklich einen schlechten Tag habe und nicht kann, weil andere ihre Krankheit immer wieder als Vorwand genommen haben und von mir das Gleiche behauptet wird.


    Was meint ihr dazu?
    Habt ihr auch Erfahrungen in diesem Bereich?

  • Ich habe mir noch nie ein Urteil über den Gesundheitszustand anderer Menschen gebildet. Ich denke nur der betroffene Mensch selbst kann wissen, wie er sich wirklich fühlt und was er sich gerade zutrauen kann. Sollte es Menschen geben, die ihre Krankheit als Ausrede missbrauchen, hat das in meinen Augen eher was mit Selbstaufgabe zu tun. Boshaftigkeit würde ich eher nicht dahinter vermuten... :halloween-18:

    When you can't find the words to say,
    it's hard to make it through another day.
    And it makes me want to cry,
    and throw my hands up to the sky.
    -Adrian Smith-

  • Naja wenn´s chronisch, sprich stets schlecht ist, dann verändert man sich. Also eine Krankheit bzw. deren Symptome als Erklärung heranzuziehen finde ich nicht so verkehrt. Klar wird es bedenklich wenn dies über einen längeren Zeit geschieht und nichts unternommen wird. Dann trifft langsam das Wort Vorwand zu. Allerdings verstehe ich Dich, wenn Du sagst Du wirst aufgrund der Häufigkeit anderer nicht mehr ernst genommen. Das ist dann schon bedenklich.

    Aushalten ist die Kunst nicht Suizid zu begehen. Die Art der Ablenkung ist der künstlerische Ausdruck vom Aushalten. ©Endzeit

  • Hey,


    sicher mache ich mich nicht gerade beliebt, wenn ich jetzt was dazu schreibe. Aber das ist mir, ehrlich gesagt, so ziemlich egal.


    Seit nunmehr fast 10 Jahren bin ich in Selbsthilfeforen unterwegs. Ich war das eine oder andere mal in der Klinik. Und in solchen Kreisen lernt man die unterschiedlichsten Menschen kennen. So war es bei mir auch. Ich kenne inzwischen eine ganze Menge Menschen mit seelischen Erkrankungen.


    Als ich für 9 Jahren meine Diagnose bekam, habe ich auch erstmal alle Viere gerade sein lassen, mich in ihr gesuhlt und sie auch oft als Vorwand genommen, wenn was war.
    Aber irgendwann habe ich begriffen, dass ich zwar erst in der Diagnose aufgegangen bin, jedoch im weiteren Leben untergehen werde, wenn ich SO weiter mache. Nicht zuletzt, weil es auch Menschen gab, die mir in den Allerwertesten getreten haben.


    So habe ich angefangen, zu kämpfen. Nicht gegen die Diagnose, sondern für ein doch halbwegs erfüllendes Leben mit der Erkrankung - denn wegzaubern kann ich das nicht.


    Im Laufe der letzten Jahre habe ich für mich festgestellt, dass ich mit Menschen, die sich in ihrer Erkrankung suhlen und diese als Ausrede für alles nehmen, nicht klarkomme. Da distanziere ich mich auch ganz schnell. Nicht, weil ich die Leute verteufele, sondern weil mir so ein Umgang eher schadet. Und oft macht es mich auch wütend.


    Kein Mensch sagt, dass das Leben einfach ist. Erst recht nicht mit so Voraussetzungen wie eine seelische Erkrankung. Im Gegenteil. Wir sind alle mal ganz unten. Aber wir sind immer noch da! Und ich glaube nicht, dass es damit was zu tun hat, weil wir da sein müssen, sondern, weil wir es wollen. Ich nenne sowas Kampfgeist.


    Ich wurde schon einige Male als arrogant bezeichnet, weil ich jemanden knallhart gesagt habe, er solle mal seinen Allerwertestens hochkriegen, dass von nichts nichts kommt, dass er/sie sich selbst doch längst aufgegeben hat. Einige waren sauer, andere bezeichneten mich als "dumm", der Nächste hielt mich für arrogant. Die Wenigsten haben ernsthaft darüber nachgedacht und begriffen, dass nur sie selbst die Zügel in der Hand halten und sie für ihr Leben selbst verantwortlich sind.


    Ich sage auch ganz klar: Wenn ich mich nach außen hin hinter einer Krankheit verstecke und diese immer als Vorwand nehme, dann brauche ich mich auch nicht zu wundern, dass es nicht vorwärts geht. Und daran sind NICHT die Therapeuten schuld. Aber zu oft höre ich sowas wie "die bösen, bösen Menschen, die unfähigen Therapeuten"...etc. pp. Und dabei weiß ich ganz genau, dass es auch unter dem Hilfspersonal schwarze Schafe gibt.


    Deshalb habe ich für mich entschieden: Ich gehe MEINEN Weg. Und ich bin froh, dass ich irgendwann angefangen habe, ihn zu gehen. Denn anderenfalls wäre ich heute nicht hier.


    Vielleicht war das etwas am Thema vorbei. Vielleicht versteht auch der eine oder andere meine Worte. Sicher fühlt sich auch der eine oder andere von mir jetzt auf den Schlips getreten. Fakt ist aber, es wird seinen Grund haben, wieso man sich angesprochen fühlt. Persönlich meine ich hier niemanden - denn ich kenne hier niemanden.

    Mal bist du der Hund,
    mal bist du der Baum.
    So ist das Leben.
    Aber Bäume sind meist stärker als Hunde.

  • Es gibt halt auch bei psychischen Krankheiten Krankheitsgewinne, primäre und sekundäre gleichermaßen.
    Die Frage ist immer: wovor schützt einen das? Oft ist es ja so, dass man einen Sinn für sein Leid sucht und braucht. Das ist das ureigenste von den Menschen und somit wird in einer (psy.) Krankheit auch etwas Gutes entdeckt das benutzt werden kann, bewusst oder unbewusst. Nerven tun mich Leute die das absichtlich benutzen um Vorteile zu bekommen, weil sie selbst aus sich nichts mehr ziehen wollen, also selbstständig. Oder wenn sich Leute daneben benehmen, menschlich und sozial und dann sagen, es sei halt ihre Krankheit und sie können nichts dafür. Oft bei Borderlinern gesehen und erlebt. Damit will ich hier niemanden angreifen, aber das habe ich eben gerade bei dieser Störung ( dessen Existenz ich ohnehin bezweifle) oft erlebt, mehr als bei anderen Störungen. Und das hat mich schon sehr genervt.
    Ich denke das es daran liegt das sich jemand zu sehr mit seiner Krankheit identifiziert und keinen Abstand mehr sieht zwischen sich selbst und seiner Person und zwischen der Krankheit und dadurch fühlt sich so jemand vielleicht zum ersten mal in seinem Leben als jemand, er bekommt durch die Krankheit eine Identität. Solche Menschen nutzen dann ihre Krankheiten wirklich öfter als Vorwand. Was anderes haben sie ja nicht.


    Stahlwittchen: deinen Text finde ich gut und verständlich! Finde gut wie du dich entwickelt hast und deine eigene Selbstwirksamkeit entdeckt und vor allem auch genutzt hast!

  • Hallo Americana:


    Danke dir für deine Worte. Ich bin froh, dass es hier doch Menschen gibt, die verstanden haben, dass ich hier niemanden angreifen will oder sonst was.


    Gute Frage...wovor schützt einen das? Das habe ich mich auch schon gefragt. Im Grunde vor nichts - nicht mal vor sich selbst. Vielleicht glaubt der psychisch Erkrankte aber auch, sich ständig erklären zu müssen - man sieht seine Erkrankung ja nicht. Ein Rolli-Fahrer muss immerhin niemals erklären, wieso er nicht die Treppe nimmt, stattdessen den Fahrstuhl. Blöder Vergleich, aber sicher verstehst du, was ich damit meine.

    Nerven tun mich Leute die das absichtlich benutzen um Vorteile zu bekommen, weil sie selbst aus sich nichts mehr ziehen wollen, also selbstständig. Oder wenn sich Leute daneben benehmen, menschlich und sozial und dann sagen, es sei halt ihre Krankheit und sie können nichts dafür. Oft bei Borderlinern gesehen und erlebt. Damit will ich hier niemanden angreifen, aber das habe ich eben gerade bei dieser Störung ( dessen Existenz ich ohnehin bezweifle) oft erlebt, mehr als bei anderen Störungen. Und das hat mich schon sehr genervt.
    Ich denke das es daran liegt das sich jemand zu sehr mit seiner Krankheit identifiziert und keinen Abstand mehr sieht zwischen sich selbst und seiner Person und zwischen der Krankheit und dadurch fühlt sich so jemand vielleicht zum ersten mal in seinem Leben als jemand, er bekommt durch die Krankheit eine Identität. Solche Menschen nutzen dann ihre Krankheiten wirklich öfter als Vorwand. Was anderes haben sie ja nicht.

    Nun, ich habe selbst diesen Borderline-Anteil, aber ich verstehe, was du meinst. Auch mir ist dieses Verhalten häufig in Begleitung mit Borderline begegnet.
    Allerdings gestehe ich auch, dass es bei mir damals genauso war - ich bekam mit der Diagnose eine Identität - ich hatte ja nichts anderes. Dass ich damit falsch lag, erwähnte ich ja bereits. ^^

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    So ist das Leben.
    Aber Bäume sind meist stärker als Hunde.

  • Sollte es Menschen geben, die ihre Krankheit als Ausrede missbrauchen, hat das in meinen Augen eher was mit Selbstaufgabe zu tun. Boshaftigkeit würde ich eher nicht dahinter vermuten...

    Das trifft den Nagel auf den Kopf, dieses Verhalten erleb ich all zuf bei uns hier BeWo.
    Nur diese Menschen bleiben am Boden kleben da sie sich nicht bewegen. Das heißt in der BeWo Sache sie werden nie mehr ausziehen und mit 65 gehts ab ins Altenheim - da sind sie dann mit 65 zusammen mit demenzkranken 90 jährigen. Naja das Problem ist das wenn man sich, das man dann halt auch instabil ist. Sie gehen in die Behinderten Werkstatt arbeiten, nehmen Medis und Essen und Schlafen, das wars dann auch schon.


    Unsere Arbeit ist mit der Psyche wieder klar zukommen,gerade wenn man in nem BeWo wohnt. Das is unsere Arbeit,doch das wollen diese Menschen nicht - Therapie machen - und dann haben sie noch den Nerv zu sagen - nujoa das is halt so bin ja zwangsgestört oder was auch immer. Gut das jemand eine OCD hat, das ist eben so wie es ist - nur daran kann man wenn man will was ändern und es kotzt mich an wenn sie es nicht tun und dann kommen das sie nix für können. Klar können sie nix dafür,aber wenn man nichts versucht um es zu verbessern.... naja das bringt mich aus der Fassung teilweise. Denn ok dann lass ich mein Trauma auch unbehandelt.... und will aber in eigene Wohnung ziehen und die Nachbarn haben dann als bei mir ebenfalls auch die Fresse zu halten - die stört es doch - es steht ihnen frei zu gehen wenn denen was an mir aufn Sack geht.


    Doch so geht es doch nicht, muß doch an mir arbeiten und mein Trauma so gut es geht auf die Reihe bekommen. Naja das fängt immer bei einen selber an. Insofern kann ich Gene´s Gedanken



    Ich werde nicht ernst genommen, wenn ich wirklich einen schlechten Tag habe und nicht kann, weil andere ihre Krankheit immer wieder als Vorwand genommen haben und von mir das Gleiche behauptet wird.


    verstehen.
    Deswegen gibts bald ein Gespräch mit dem Vorstand des BeWo´s.

  • Ich kenn das Problem nur so vom hören, Ne Freundin von mir hat mir erzählt das auf ihrer damaligen Schule es "cool" war Depressionen zu haben. Diese Leute sind dann aber nicht krank, sondern reden es sich nur ein oder so. So nach dem Motto: "Ey lass mich in Ruhe, ich hab Depressionen!" oder so was.



    Ich kenn es aber auch, dass zb viele Sachen, die ich mache, andere stören. ZB im Unterricht stören oder irgendwie so was. Laut reden und total aufgedreht sein und so. Das schieb ich dann für mich selbst immer auf meine Störung (Adhs), sag dass aber nicht laut, höchstens aus Spaß. Aber für mich selbst ist das dann irgendwie ne Ausrede, irgendwie aber auch nicht. Weiß nicht.


    Bei mir ist es momentan auch so, dass ich einfach total fertig bin und nichts auf die Kette Kriege und nicht mehr kann. Deswegen sag ich halt den Lehren in der Schule, dass ich wegen meinen Problemem gerade einfach nicht kann. Da seh ich auch momentan keine Besserung. Aber eigentlich sollte ich ja auch in Behandlung sein. Naja.



    Das mit dem dauernd als Ausrede benutzen Kenn ich jzt nicht von mir, oder von einer Krankheit, aber von Personen, die dass oftmals als Vorwand nutzen, irgendwelche Sachen gar nicht erst zu versuchen. Ich finde zu sagen: "Ich schaff das höchstwahrscheinlich nicht" finde ich okay, aber es nichtmal versuchen ist doof.


    (Viel schlimmer finde ich diese Ausreden aber bei anderen Sachen (auch wenn das jzt n bisschen off-Topic ist), zb wenn eine Person die ich kenne immer gesagt hat, dass sie körperlich nicht in der Lage ist dieses oder jenes zu verbringen, weil sie ein Mädchen ist, und dass ja für Jungs biologisch viel einfacher wäre. Da könnte ich kotzen)




    Lg
    Yonas

  • (@OT und Yonas: Jaaa, da krieg ich auch immer 'n Rappel. "Mach du das mal, du bist doch n Mann"... ggrrr)


    BT: Ich finde es gibt bei dem Thema kein schwarz und kein weiß. wie eigentlich schon aus dem Startpost klar werden dürfte wenn man ihn genau liest.


    Ich persönlich habe dazu 3 Aspekte im Kopf und betrachte die "Wahrheit" als irgendwo dazwischen/drum rum/ oder eventuell auch wo ganz anders liegend, aber letztlich geht es ja um meine persönliche Wahrheit.


    1. Mir persönlich geht es wie Stahlwittchen. Ich hab mich früher auch in meinen Diagnosen gewühlt und mich damit jeder Handlungsgrundlage beraubt. Statt Dinge einfach mal ernsthaft zu probieren und mich drauf ein zu lassen nur überlegt warum das sowieso nicht funktioniert oder einfach es garnicht zu probieren weil ich das Gefühl hatte dass sowieso nichts hilft usw und mich dem "Elend" hingegeben hab.
    Irgendwann bin ich auch an den Punkt gekommen an dem ich mir an den Kopf gepackt hab und angefangen habe, Probleme aus der Welt zu schaffen und Verhaltensweisen zu ändern oder zu trainieren usw. Ein Problem war nicht mehr ein nächster Grund für Suizid/-gedanken sondern nur ein Problem was einer Lösung bedurfte.
    Nachdem ich das so für mich erkannt hatte, gingen mir Leute, die das so überhaupt nicht sehn konnten auch ziemlich auf die Nerven. Weil es einfach nicht drum geht oder niemandem hilft nur rum zu heulen ohne jemals irgendetwas ernsthaft zu probieren. Nach dem Prinzip "Wasch mich, aber mach mich nicht nass". Konnt ich eine Weile schier hoch gehn. Aber ich weiß eben auch, dass es diese Phasen gibt. Grade zu Beginn größerer Tiefs oder die ersten Jahre der Erkrankung braucht man vllt auch einfach um das zu lernen. Und vllt hilft es ja, wenn ich glgtl Tritte verteile. Inzwischen bringt es mich auch nur noch dann auf die Palme, wenn über Monate lang am besten täglich geschrieben wird, am besten noch immer mit "bitte hilf mir" und ich dann schreiben kann was ich will und nur gegen eine Wand rede. Weil xyz gehn aus (mitunter sehr fadenscheinigen Gründen) nicht oder man mag nicht oder.. was weiß ich. Irgendwann kann ich dann einfach selbst nicht mehr und sag so, ich helf gerne wenns erwünscht ist, aber ich packs nicht mehr, mir jeden Tag Gedanken zu machen und mich rein zu denken und Lösungen oder Ideen zu suchen und vorzuschlagen wenn diese zwar gefordert aber eigentlich garnicht gewünscht sind. Ich kann zuhören, aber dann geb ich weiter keine Hilfen mehr, weil ich mich dann dran aufreibe.


    2. TROTZ dieser Einstellung, habe auch ich Phasen, in denen ich einfach wirklich nicht mehr kann. In denen ich grade vielleicht auch an anderen, wichtigeren, Baustellen permanent arbeiten muss und dann zbsp der Haushalt einfach überhaupt nicht mehr geht. So sehr ich es versuche endet es in Heulanfällen und Zusammenbrüchen oder schlimmeren. Da kann ich einfach wirklich nicht. Und es gibt Situationen, da weiß ich auch einfach nicht mehr, wie ich daran was ändern soll, weil zu viel Energie für etwas anderes drauf geht oder es tatsächlich auch noch andere Gründe gibt oder vielleicht auch weil ich grade einfach keine Idee mehr habe, wie ich daran was ändern soll, weil ich alles was ich kenne bereits probiert habe und mir die Ideen ausgehn.
    Damit habe ich selbst tierisch zu kämpfen. Weil es mir so grundlegend gegen meine (mich vor allem am kritischsten betrachtend und dadurch stärksten betreffende) Einstellung aus Punkt 1 geht. Gelegentlich kriege ich es dann hin, auch mal um Hilfe zu bitten, dass sich wer dazu setzt bspw beim Haushalt. Weil es dann einfacher geht. Aber daran habe ich zu knacken. Weil ich mir dafür eingestehn muss, dass ich depressionsbedingt einfach nicht mehr kann und mir das nicht schmeckt. Trotzdem ist es eben nu mal so. So sehr man ein "Macher" und "Problemlöser" auch für sich selbst geworden ist, ist es nun mal auch eine Utopie zu erwarten, dass man deshalb nie mehr an den Punkt kommt, an dem etwas wg einer Krankheit / Überlastung einfach nicht mehr geht.


    3. Leute die ständig Aussagen fallen lassen wie "Kann ich nicht wg Depressionen. Ist wg Borderline. Ist wg.. xyz". Manche haben vielleicht wirklich irgendwo komplett aufgegeben. Oder fast komplett. Vielleicht zeigt die Aussage sogar n Stück weit noch den Wunsch, aber muss ja nicht. Vielleicht haben sie auch einfach keine Idee mehr, wie sie an dem Zustand etwas ändern können. Vielleicht hatten sie auch niemanden, der mal geholfen hat, dass die Person ma runter kommt, sich auf n Poppes setzt und die Probleme mal ernsthaft angeht. Vielleicht hat die Person auch schon x ernsthafte Versuche hinter sich und beim nächsten Rückschlag irgendwann einfach keine Kraft mehr gehabt um es noch ein xi. mal zu probieren. Vielleicht ist es auch nur eine temporäre Geschichte. Vielleicht zieht die Person einen Nutzen daraus. Weil ihr Dinge abgenommen werden oder weil sie gewisse Freiheiten dadurch erlangt. Sei es bspw die Distanzierung von einer Gruppe Menschen in denen ein Täter ist. Um, grade im stationären Rahmen, an ein bestimmtes Medikament zu kommen. Um schlimmer dran zu sein als andere und deshalb Aufmerksamkeit zu kriegen. Oder um generell Aufmerksamkeit zu kriegen. Oder...
    Ich finde, dass das ganze ein bisschen in die Richtung geht, wie das viel verschriiene "SVV "nur" für Aufmerksamkeit". Ich denke mir, kein zufriedener und gesunder Mensch würde ernsthaft sich freiwillig eine psychische Erkrankung "an dichten" um sich davon etwas zu erhoffen. Ich kann nur mutmaßen, was eine Person letztlich dazu führt. Vielleicht ist es auch was (aus einem anderen Blickwinkel betrachtet) garnicht so dramatisches. Oder vielleicht ist die als Ausrede verwendete Ausrede die falsche Diagnose zum dazugehörigen Verhalten.


    Also gut, letztlich könnte man es also auch ganz runter brechen auf einmal ich gebe die Aussage von mir weil ich (irgendeinen) positiven Effekt dadurch erziele und es sich ja auch so anfühlt obwohl man als außenstehende Person den Eindruck gewinnen könnte, dass die Lösungen auf der Hand liegen oder im anderen Fall ich gebe die Aussage von mir weil ich wirklich überhaupt nicht mehr kann und selbst nicht mehr weiter weiß, wie ich da raus kommen soll.
    Ich persönlich finde aber auch eher die Frage wichtig, wie dann reagiert wird, wenn man versucht zuzuhören und zu unterstützen. Nicht, dass es nicht auch vollkommen legitim ist sich mal "nur" auszuheulen und danach die Krone zu richten und wieder klar zu kommen. Aber meist ist es ja doch anders. Und inzwischen zieh ich den Unterschied eher dort. So sehr es vielleicht gute Gründe für die Person selbst gibt entsprechend zu handeln, komm ich erfahrungsgemäß iiirgendwann an meine Grenzen. Dann find ichs auch anstrengend bis nervig. Auch wenn mir die Person irgendwo letztlich Leid tut. Wenn man allerdings zusammen noch überlegen kann und vielleicht sogar auf was kommt und man merkt, dass es probiert wird, dann kann 'ne Person noch so oft sagen, dass sies nicht mehr packt, dann stört mich persönlich das überhaupt nicht mehr.
    Und wenn eine Person sagt, sie habe Verhalten xy wg Diagnose ab dann sag ich halt auch, wie das denn zustande kommen könne, schließlcih würde Diagnose cd viel besser passen oder frage nach inwiefern das passen soll bis das nicht mehr als Diagnosen-Ausrede verwendet wird oder der Person selbst auffällt, dass das irgendwie nicht stimmen kann. Zumindest jetzt auf den Umgang mit den permanent - "ich kann nicht weil depressionen"-sager direkt bezogen.


    Auf deine andere Frage bezogen: Kommt find ich etwas drauf an, wer dir dann nicht glaubt und ggf ebenfalls genervt reagiert.
    Wenn es eine vertraute Person ist vielleicht das Gespräch suchen und erklären, dass du damit zu kämpfen hast auch wenn man es dir in den meisten Fällen nicht ansieht und du dir Mühe gibst, dich davon nicht zu sehr einschränken zu lassen, aber es eben Tage gibt, an denen du trotz alle dem zu erschöpft und zu fertig bist und einfach nicht mehr kannst?
    Ist es wer fremderes: Einfach die Diagnose weg lassen? Letztlich spielt es doch keine Rolle ob du wg einer Depression völlig fertig und erschöpft bist oder ob du "nur" etwas wenig Schlaf hattest und einfach an diesem Tag total müde bist. Ist doch jeder mal hunde müde. Reicht das nicht als Aussage? Klar, die Müdigkeit die man manchmal im Zuge einer Depression erlebt und die einen lähmt ist eine andere als "einfach mal 'n Tag müde", aber letztlich ist es doch trotzdem egal? Die Konsequenz (dass du zbsp deshalb wo absagst) ist doch die selbe. Und wenn die Leute bei dir genervt reagieren weil sies von wem anderes schon x mal gehört haben, wage ich mal die Behauptung aufzustellen, dass sie sich sowieso nicht sonderlich gut in psychische Erkrankungen reindenken können. Grade dann ist es doch vollkommen egal, was du sagst, sie werden es sowieso nur als "sehr müde" und nicht als "depressiv müde" verstehn. Außer du erzählst, dass du lebensmüde bist, aber dann hast du daraus wieder Konsequenzen die du selbst nicht haben möchtest.


    Ich muss auch zugeben, dass ich das auch erstmal lernen musste. Ich hatte früher auch den Anspruch, dass die Leute wirklich verstehn sollten, wenn ich sage ich kann irgendwas nicht tun weil es mir zu schlecht geht. Vielleicht auch, dass sie mir helfen, vielleicht damit sie besser verstehn, warum ich es nicht kann oder rücksichtsvoller sind oä. Oder sich für mich Zeit nehmen und mit mir reden einfach. Aber letztlich erhoffte ich mir davon wieder was anderes (Hilfe/Rücksicht/Verständnis) als ich auch einfach direkt hätte sagen können ohne mich entsprechend darzustellen und zweitens versteht es ein großer Teil so oder so nicht. Damit kann man find ich entsprechende Reaktionen oder Fragen auch ganz gut umgehn. Oder du sagst zur Not sowas wie dass du tierische Kopfschmerzen hast oä. Irgendwas was jeder versteht.
    Bin jedenfalls inzwischen dazu übergegangen, dass wenn ich Hilfe / Anregungen möchte weil ich am Ende bin und nicht weiter weiß auch einfach danach zu fragen. Grade raus. Natürlich ergibt sich daraus ein Gespräch in dem ich auch schildere wie es mir geht. Aber es ist eine klare Frage mit der die entsprechenden Personen was anfangen können und bei der niemand sonst wie mit den Augen rollt. Und wenn ich mal irgendwas wirklich nicht pack oder absage weil ich zu fertig bin dann sag ich halt, dass ich zu erschöpft von der Arbeit bin oä und es heute einfach nicht schaffe. Oder dass ich gesundheitlich grade etwas arg angeschlagen bin. Oder. so. Seitdem hab ich da auch weit weniger Probleme mit.

  • Kann ich so nicht bestätigen.
    Mir wurde oft gesagt ich würde meine Depressionen als Ausrede nutzen um mich so wenig um was zu kümmern. Aber es ist ja so, das mich die Depression wirklich lähmt bzw. ich so unmotiviert und kraftlos bin.


    Meiner Erfahrung nach kommen solche Vorwürfe immer von Menschen die selber keine Depression haben.


    Was anderes ist es wieder wenn man sich (auch schon erlebt) wie ein asoziales A......loch verhält und das mit Borderline entschuldigt.
    ich weiss nicht ob das Verletzen von Menschen wirklich so zwanghaft erfolgen muss, oder ob man die Krankheit nicht als Freibrief benutzt. Bin selber kein Borderliner.


    Im Bereich der körperlichen Krankheiten kenne ich das schon eher.
    Ach ja mein Rücken tut so weh, da kann ich dies und das nicht machen.
    Aber komischerweise immer nur wenns passt. Ganze Nacht durchtanzen ist wieder kein Problem.
    Naja..... Durchschaut man schnell wer sich nur die Arbeit abnehmen lässt.

  • "Im Bereich der körperlichen Krankheiten kenne ich das schon eher.
    Ach ja mein Rücken tut so weh, da kann ich dies und das nicht machen.
    Aber komischerweise immer nur wenns passt. Ganze Nacht durchtanzen ist wieder kein Problem.
    Naja..... Durchschaut man schnell wer sich nur die Arbeit abnehmen lässt."


    Beim tanzen werden aber auch Endorphine ausgeschüttet und man ist abgelenkt, man spürt die Schmerzen weniger, vielleicht hat man auch ein bisschen was getrunken und hat deshalb noch weniger Schmerzempfinden.. Während man dann am nächsten morgen völlig demotiviert auf der Arbeit sitzt, vielleicht auch noch müde ist, vielleicht auch früher als man wollte von der Party gegangen ist usw und man dann logischerweise die Schmerzen auch viel stärker wahr nimmt.
    Nicht, dass das zwangsläufig immer dann entsprechend auch alles abgegeben werden muss zwangsläufig. Aber die Schmerzwahrnehmung ist in beiden Situationen eine völlig andere. Unbewusst. Deshalb aber nicht weniger wahr. Und deshalb find ich das jetzt kein mehr oder weniger verachtenswertes Beispiel ehrlich gesagt als wg Depressionen sich um Arbeit zu drücken ;)
    Also außer es ist dauerhaft so dass Party jede Nacht geht und Arbeit nie. Dann wär ich auch angefressen. Aber dass das im Einzelfall durchaus mal so passieren kann kann ich mir auch ohne jeden bösen Willen durchaus vorstellen.


    Und ich sage auch nicht, dass es bewusste Ausreden sind mit den Depressionen oä. Im Gegenteil, mir ist oft erst Jahre später klar geworden, wofür das eigentlich die Ausrede war. Wäre es wirklich so bewusst, müsste man es ja nicht verwenden. Zum einen. Und zum anderen sage ich ja ebenfalls, dass es trotzdem durchaus auch möglich ist, dass es auch tatsächlich "nur" wg der Depression nicht geht. Deshalb bin ich mir auch nicht 100% sicher wogegen du gesprochen hast wenn beide Optionen enthalten waren ;)


    Ich glaube, das etwas schwierige an der Geschichte ist einfach, dass die Wahrnehmung so variabel ist und aber auch so wahnsinnig viel Einfluss auf unsere Gefühlswelt hat. Wenn ich einen depressive Phase habe, dann ist alles anstrengend zu machen, ja. Aber die Sachen die ich gerne mache oder zu denen ich wenigstens minimal motivierter bin oder von denen ich mir etwas positives erhoffe gehn dann doch noch etwas leichter von der Hand als Dinge die ich prinzipiell eher lästig wahrnehme, vor denen ich Angst habe oder die ein vielleicht auch erstmal nur sehr unbestimmt mulmiges Gefühl erzeugen. Da fühlt sich das durchaus auch nur noch lähmend und überfordernd und unfassbar kräftezehrend an. Die Gefühle sind ja durchaus real. Kein Wunder also, dass gesagt wird, dass die Depressionen Schuld sind. Aber ich denke, dass die Depressionen durchaus gelegentlich eben auch die "einfachere" Erklärung sind um sich nicht sich selbst zu stellen. Ich wollte, vllt war das oben auch das Missverständnis, auch nie sagen, dass das bewusste Entscheidungen sind! Nur dass ich die Erfahrung gemacht hab, dass sehr häufiges sagen von Aussagen wie "ich kann dies, jenes, das , oder sonst was wg Diagnosen wie Depressionen nicht" oft eben eigentlich was ganz anderes bedeuten. Nicht bösartig, nicht bewusst. Meistens auch erst im Nachhinein erkennbar. Kann ja auch sowas banales sein wie "Keine Lust auf dies oder jenes". Kann aber eben auch weit mehr Hintergrund haben. Schließlich ist es auch vor einem selbst tlw angenehmer sich zu sagen "ich bin zu depressiv um an der und der Aktion mit den und den Leuten teil zunehmen" als sich einzugestehn, dass in der Gruppe dazu 2 Leute sind die einen permanent belästigen und man unter absolutem Dauerstrom steht. Die Depressionen sind dann im Zweifelsfall natürlich trotzdem irgendwo da, aber sie sind die einfacherere Erklärung, als sich darum Gedanken zu machen, das Problem zu realisieren und sich dem Problem zu stellen oder Konsequenzen zu ziehn. Quasi eine Erklärungsflucht im eigenen Kopf.


    Naja. Nicht sicher, ob überhaupt noch irgendwer versteht, was ich meine. Ich weiß auch nicht, ob man das nachvollziehn kann, wenn man es a nicht selbst n par mal erlebt hat und b nicht im Umfeld mehrmals beobachtet hat. Ich schicks trotzdem mal ab.


    (edit: Wobei ich mich grade Frage, obs nicht fast das Grundproblem der Depression ist. Vielleicht mach ich mir Feinde, aber ich finde die Neurotransmitter "Thesen" die es zu Depressionen gibt alle reichlich schwammig und widersprüchlich oder nur dann "eindeutiger" wenn mehr Interessen hinter standen und mehr bezahlt wird. Will nicht sagen, dass da garnichts dran ist, das nun auch nichtglaube aber nicht daran, dass es so viel Einfluss hat wie die Pharmariesen oder auch manch ein ahnungsloser Psychiater uns glauben lassen möchten. Ich glaube, dass Depressionen meistens ein Ausdruck dafür sind, dass irgendwas mehr oder weniger schlimm schief läuft. Aber statt das Problem zu erkennen oder zu verhindern oder zu umdenken oder besser mit umzugehen oder wie auch immer wird man schließlich ja auch depressiv. Was überhaupt kein Vorwurf sein soll. Und bevor wieder kommt, dass sowas nur von nicht-depressiven Leuten kommen kann: falsch, ich kann mich da überhaupt nicht ausnehmen. Dh oft genug eh schon in irgendeiner Form genau die Probleme eine Rolle spielen, die letztlich die Depression überhaupt erst auslösen. Also bei den oben genannten Aussagen. Oder andersrum formuliert. Vielleicht merkt man einfach erst wenn man eine Depression oder mindestens eine depressive Phase überwunden hat welchen Grund oder viel mehr welchen Gewinn man davon hatte und versteht erst dann, für welche Aussagen das im Nachhinein besser hätte stehn können.
    Und ich denke, dass es das auch eher ist was ich meine. )

  • Ich würde sagen es gibt solche und solche,kommt immer drauf an wie man damit umgeht.


    Ein ehemaliger Freund von mir hat auch ADHS,früher als er noch klein war hat man das auch extrem gemerkt,da war er echt anstrengend,aber in den Jahren hat es sich gebessert so das er sich eigentlich recht normal verhält,er bindet es auch niemanden auf die Nase das er es hat,hier und da wird es vielleicht mal erwähnt,aber das war es dann auch.


    Auch in Beziehungen habe ich schon beide Seiten erlebt,die die ihre Krankheiten als Entschuldigung und Vorwand für alles nehmen und die die sie mehr oder weniger verschweigen,wo man dann aber am Verhalten merkt das sie krank sind.


    Man muss aber bedenken das manche Krankheiten eben schon sehr das Leben bestimmen können.Ich konnte mir auch schon oft anhören von wegen "Du hast ja keien Lust !" "Du bist faul !",hat damit aber gar nichts zu tun gehabt,sondern einfach weil ich psychisch so am Ende bin das es schlicht und einfach nicht geht,ich denke einige hier kennen u.a das Gefühl wenn man sich jeden Morgen regelrecht zwingen muss aufzustehen,selbst wenn man hellwach ist.
    Wenn ich dann aber sagen das es krankheitsbedingt ist und nichts mit keine Lust oder Faulheit zu tun hat,heißt es auch oft ich brauche die Krankheit nicht als Vorwand benutzen,nur leider ist es nun mal so das ich dadurch im Leben beeinflusst werde.


    Solche Sprüche kommen aber meist auch nur,weil eben einige Leute ihre Krankheiten als Ausreden missbrauchen,sowas habe ich auch schon erlebt,eine Freundin hatte kein Job,dann hat man mit ihr geredet das sie ja zumindest dies und jenes VERSUCHEN könnte,da kam dann auch alle möglichen Begründungen von Tattoos über diese und jene Probleme,wo man einfach gemerkt hat das es nicht daran liegt weil sie nicht kann,sondern weil sie es einfach nicht will,obwohl sie es könnte.
    Genauso gibt es genug Leute die schnell aus einer Mücke ein Elefanten machen.
    Einfaches Beispiel habe ich da schon mit Leute gehabt die sich über Wochen einfach nicht mehr gemeldet haben und dann am Ende irgendwas kam von wegen "Sry mir ging es nicht gut!",wo ich mir dann auch denke *Ahja und deswegen kann man nicht kurz bescheid sagen und gut ist ?! Aufwand von 2-3 Sekunden !*.

  • Hallo,


    Heikles Thema! ;) Sowas ist ja mal genau mein Ding! :D


    Aaalso, ich versuche zuerst immer, Verständnis zu haben. Gerade bei Menschen, die ihre Diagnise noch nicht so lange haben. Das kenne ich auch von mir, eine Zeitlang hatte ich mich aufgegeben und einfach nur behandeln lassen. Ist ja auch einfach und bequem, wenn man nur die Rolle als Patientin hat.
    Allerdings muss ich sagen, dass bei mir irgendwann recht schnell der Punkt kam, wo ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein?! Und obwohl sämtliche Psychologen, Therapeuten und Betreuer mir gesagt haben, dass ich bestenfalls mein Leben lang auf dem zweiten Arbeitsmarkt tätig beziehungsweise eine Ausbildung in einem geschützten Rahmen machen könnte, habe ich nicht aufgegeben und gekämpft.


    Des Rätsels Lösung war ein anderes Umfeld und mir Menschen, zu suchen, die an mich glauben und mir gut tun. Klar geht es mir immer noch manchmal schlecht, aber zumindest habe ich eine Tagesstruktur und eine Ausbildung.


    Für diejenigen, die sich jedoch ihr Leben lang auf der Krankheit ausruhen, ohne sichtbare oder bemerkbare Bemühungen, irgendetwas an ihrem Zustand zu ändern, habe ich kein Verständnis. Im Gegenteil, davon distanziere ich mich recht schnell.


    Beispiel: Im ABW war eine junge Frau in meinem Alter mit der selben Diagnose. Wir kamen anfangs auch in die selbe Maßnahme. Während ich wenigstens probiert habe, meine Aufgaben zu erledigen und Hilfe gesucht habe, wenn ich bemerkt habe, dass es nicht geht, hat diese Person von Anfang an gar nichts gemacht und nur gejammert, wie scheiße es ihr doch ginge.
    Wenig später kam ich nach einer schweren Krise in die Klinik. Zwei Tage später war diese Person ebenfalls dort, angeblich wegen eines Suizidversuchs. Ich möchte nichts herunter spielen, aber wenn man schwer depressiv ist, erzählt man doch nicht stolz jedem auf der Station, was man versucht hat?!
    Ende des Ganzen: Diese Person ist nun seit einigen Jahren unbefristet in EU-Rente, ohne jemals ernsthaft versucht zu haben, zu arbeiten.


    Wenn man sich für dieses Leben entscheidet und ein Leben lang nur jammern und sich beschweren möchte, wie scheiße doch alles ist, kann man das gerne tun. Aber ohne mich, das ist mir zu anstrengend und zieht mich herunter.


    Klar ist es nicht einfach und der Leidensdruck ist nun einmal da mit einer psychischen Erkrankung. Dennoch finde ich, sollte man wenigstens versuchen, etwas an seinem Zustand zu ändern. Und nicht jeden kleinsten Konflikt mit der Krankheit begründen.


    @Stahlwittchen Ich finde deine Meinung übrigens nicht arrogant. Du achtest nur auf dich und grenzt dich ab. Das ist sogar gesund. ;)